Mein erster Handwerker
Christoph Corbett in Traders Daily
vom 06. September 2006 12:00 Uhr
ENL5462
Meine ersten Handwerker waren ein ungewöhnliches Paar. Ein ehemaliger Marineinfanterist, der sich als Klempner ausgab und ein Jugendlicher mit einem frischen Gesicht, der sich den Ideen der Gegenkultur verschrieben hatte, wenn auch ein Jahrzehnt zu spät. Er wollte ein Hippie sein. Aber das Age of Aquarius war bereits vorbei. Nachdem das also nicht funktioniert hatte, gab er nun vor, ein Tischler zu sein. Keiner der beiden Handwerker hatte auch nur die geringste Ahnung von dem, was sie taten. Sie waren meine Feuertaufe, meine Initiierung, meine Demütigung, an ihnen verlor ich meine Unschuld als neuer Besitzer eines alten Hauses.
Der ehemalige Marine war Sergeant Buck, oder zumindest nannten ihn seine Freunde so. Ich rief ihn jeden Morgen in aller Frühe an und weckte ihn aus seinen trunkenen Träumen, von den Schlampen aus den Donutläden und flehte ihn um ein Wort der Hoffnung an, um den Bericht über den Stand der Dinge, der schon lange überfällig war. Ein ermutigendes Wort, irgendetwas, was die Stimmung heben würde. Aber nur selten hörte ich ein solches Wort und der Himmel war wirklich jeden Tag bewölkt. Der arme Sergeant Buck, zu oft angeschlagen von der vorangegangenen Nacht, konnte mir nur den Rat geben, dass er sich wieder bei mir melden würde. Er konnte die entsprechenden Teile nicht bekommen, brauchte eine spezielle Zange, musste zuerst mit einem Mann wegen dem Hund in Dundalk sprechen.
Sergeant Buck verfügte über einen mächtigen Durst. Ich kehrte einmal in der Dämmerung zurück und fand den alten und einen Helfer über ihrem zweiten Fass Bier, ein alarmierender Anblick, wenn man bedenkt, das sie den Schweißbrenner benutzten, um die Kupferleitungen zu installieren. Ihre Erklärung war, dass es billiger sei, Bier zu trinken anstelle von Cola – was in dieser Zeit in Baltimore sogar stimmte.
Der Tischler, Cliff, genoss auch gerne einen Cocktail. Ich vermute, dass sie sich an einem Wasserloch begegnet sind. Das Paar kam und ging und legte immer wieder eine Pause an meinem Kühlschrank ein, um dessen Inhalt zu prüfen und sich eine Flasche Bier unter den Nagel zu reißen. Sie zählten sich noch zu der alten Schule, die meint, das Biertrinken nicht wirkliches Trinken ist, sondern nur dazu dient, den Geschmack von Kaffee aus dem Mund zu waschen.
Es war vollständig meine eigene Schuld. Ich war von den falschen Voraussetzungen ausgegangen, hatte geglaubt, man möchte, dass die Arbeiter einen mögen, dass sie glücklich sind. Ich glaubte (mein Gott war ich damals noch naiv), dass glückliche Arbeiter auch gute Arbeiter sein würden. Aber die Zeit sollte beweisen, dass glückliche Arbeiter einfach ständig vollständig verkatert sind.
Cliff zog die seltsamen Jobs vor. Die Betonung liegt hier auf seltsam. Er hatte sich darauf spezialisiert, alles Mögliche zu zerlegen. Er liebte es, Fensterläden auszuhängen und Fenster und Türen und sie in giftige Beize zu tauchen. Dieses Vorgehen entfernte die alte Farbe (und alles in meinem Haus hatte 17 Lagen Farbe). Aber, oh weh, es führte auch dazu, dass die Läden sich verzogen und auseinander fielen. Der junge Mann hatte diese Konsequenz nicht bedacht.
Der Höhepunkt dieses Jahres (ja, sie blieben so lange bei mir) mit Sergeant Buck und Cliff war das Wiedersehen mit Sergeant Bucks altem Regiment – ein lang herbeigesehntes Ereignis, von dem er sagte, es mache einen „48 Stunden Urlaubsschein“ notwendig. Die Gala war, seinem Bericht zufolge, eine Mischung aus dem Raub der Sabinerinnen und einem wilden Durcheinander. Seine Beschreibung früherer Treffen dieser Art glich den Visionen des Horrorfilmemachers Wes Craven. Hotels waren zerlegt worden. Städte dem Erdboden gleichgemacht. Ich ging davon aus, dass Sergeant Buck nach dem Ereignis mindestens vierzehn Tage lang nicht zurechnungsfähig sein würde, wenn er nicht gleich in den Knast wanderte. Cliff gab zu, dass die Musterung des Regiments im vergangenen Jahr dazu geführt habe, dass Sergeant Buck „in Richmond mit auf links gewendeten Unterhosen“ aufgewacht sei. Ich habe keine Fragen dazu gestellt.
Sergeant Buck war mit der Marine überall zwischen Montezuma und den Küsten von Tripoli und an einigen noch wilderen Orten, zu denen wohl auch die Rotlichtbezirke auf den Philippinen zählen. Wie viele echte Kämpfe er erlebt hat, kann ich nicht sagen. Aber ich weiß sicher, dass er sich seine Wege in alle Gasthäuser in einem Radius von vierzig Meilen um Baltimore und wieder heraus stark erkämpft hat und dass er in verschiedenen netten Kneipen in der Gegend ein lebenslängliches Hausverbot hat. Nun, in der Schrift heißt es, urteile nicht, sonst wird über dich geurteilt. Er verließ die Marine ohne jede Fähigkeit aber mit dem wagen Gefühl, dass irgendwo in ihm vielleicht ein Klempner schlummert.
So plötzlich wie Sergeant Buck zu dem Wiedersehen mit seinem Regiment verschwand, so plötzlich tauchte er auch eines Morgens wieder auf. Er war frisch rasiert, trug ein sauberes Hemd, hatte klare Augen. Und war wieder im Sattel. Und wie ein Idiot ließ ich mich darauf ein. Ich musste an irgendetwas glauben. Diesmal hatte er einen Anstreicher für mich. Für Häuser. Und dieser Anstreicher war eine Frau. Sie kam vorbei um mir einen Kostenvoranschlag zu machen, und ich wusste, welche Absichten Sergeant Buck hatte.
Die Malerin war noch sehr jung und trug mit Säure gebleichte Jeans, die vermutlich zwei Größen zu klein waren. Sie war fröhlich geschieden und hatte ein kesses Lächeln. Ich vermute sie war ungefähr dreißig, also in einem Alter, in dem eine Frau wie sie eine ziemlich lebendige Vergangenheit hinter sich hat, aber immer noch auf eine Zukunft hofft. Sergeant Buck, ziemlich verliebt, verlegte sich darauf, in der Nähe meines Hauses herumzulungern wie ein alter Hütehund. Das Mädchen war keine schlechte Malerin, einfach nur entsetzlich langsam. Und genauso wie Sergeant Buck und Cliff hielt sie sich an seltsame Arbeitszeiten, verschwand oft für zwei oder drei Tage, bis sie eines Tages vollständig die Zelte abbrach. Genauso wie Sergeant Buck und Cliff. Ich war im ersten Moment ein wenig verloren, aber dann fand ich andere Handwerker, die ihre Arbeit abschlossen.
Jahre später stieß ich in einem Eisenwarenladen auf Sergeant Buck. Er hatte gerade eine Kneipe auf der anderen Seite der Straße verlassen und trug kein Hemd. Es war Januar. Ich winkte ihn herbei und sagte ihm, dass er zwei Säcke Zement in meiner Garage vergessen habe (zu diesem Zeitpunkt war das fünf Jahre her.) Er schlug vor, dass er sich „sofort darum kümmern“ würde. Ich habe den Sergeant nie wieder gesehen. Der Zement war immer noch in der Garage, als ich das Haus zehn Jahre später wieder verkauft habe.
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