Mehrere Gründe, Teil 2
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 16. Februar 2005 18:00 Uhr
ENL5454
Der komplexere Teil: Es gibt nur noch wenige wirkliche Kapitalisten, und viele Neo-Kapitalisten. Ein wirklicher Kapitalist mag langfristig planen – in ein Projekt investieren, das vielleicht kurzfristig noch nichts abwerfen wird. Aber die heutigen größeren Unternehmen tendieren dazu, Neo-Kapitalisten als Manager zu haben, die einen viel kürzeren Horizont haben und deren eigene Interessen oft im Gegensatz zu denen der Besitzer des Unternehmens stehen. Deshalb verhält sich ein Neo-Kapitalist zu einem wirklichen Kapitalisten wie ein Neo-Konservativer zu einem wirklichen Konservativen.
Die Neo-Kapitalisten sind schnell bei der Sache, wenn es um Übernahmen anderer Unternehmen geht. Sie sind auch schnell bei der Sache, wenn es darum geht, Kosten zu kürzen – denn diese Verbesserungen spiegeln sich unmittelbar in den Quartalszahlen wider. Sie sind hingegen nur widerwillig bei der Sache, wenn es um das Investieren in langfristige Projekte geht, deren Gewinne wahrscheinlich nicht ihnen, sondern den Aktionären, den Angestellten (und neuen Managern) zugute kommen werden, viele Jahre später.
Wenn es ein Ding gibt, an das sich Ökonomen gewöhnt haben, dann daran, dass sie mit ihren Prognosen falsch liegen. Sie scheinen es kaum zu bemerken. Stattdessen betonen sie die freudige Nachricht, dass die Arbeitslosenquote von 5,4 % auf 5,2 % zurückgegangen ist – obwohl ihre Prognose über die Zahl der neuen Jobs nicht zutreffend war.
Wie ist das alles passiert? Offensichtlich hatten viele Leute die Arbeitssuche einfach satt ... und haben sie deshalb aufgegeben. Damit fielen sie aus der Statistik.
Diese Leute haben keine Arbeit gefunden. Aber sie sind auch für die Statistik nicht mehr arbeitslos. Sie existieren einfach nicht länger.
So viel Humbug, liebe(r) Leser(in), und so wenig Zeit. Die Zahlen zum Arbeitsmarkt sind ein Schwindel. Die Neos sind ein Schwindel. Und dann ... gibt es da noch Thomas L. Friedman.