Mehr Wert für Ihr Geld
Bruce McWilliams in Investors Daily
vom 02. Oktober 2002 18:00 Uhr
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Wenn Sie in amerikanischen Aktien investiert sind, dann waren die letzten Monate wirklich schlimm. Nachdem Enron und WorldCom untergegangen sind, könnte man wirklich davon überzeugt sein, dass der Aktienmarkt zu riskant ist. Wenn sogar Gesellschaften von der Größe Enrons die Investoren bewusst täuschen können, was soll man dann noch glauben?
Wem kann man noch glauben ... wenn man denen nicht glauben kann?
Wenn Sie so denken, ist dies natürlich eine legitime Ansicht, und ich werde nicht versuchen, Sie von dieser Ansicht wegzubringen. Ich will sie nur auf eine Alternative zum amerikanischen Markt aufmerksam machen – den britischen Markt! Denn dieser Markt hat gegenüber dem US-Markt viele Vorteile. Wenn Sie die Unterschiede kennen, dann können Sie diese ausnutzen. Ich will es Ihnen erklären.
Aber lassen Sie mich zuerst eine Frage stellen, im Hinblick auf den globalen Markt: Wann werden wir wieder einen allgemeinen Bullenmarkt sehen?
Die Antwort ist simpel. Der nächste Bullenmarkt wird kommen ... aber erst dann, wenn wir ihn am wenigsten erwarten. Viele Investoren fragen mich immer: "Aber wann wird das sein? Ich will das wissen." Ich antworte dann immer, dass das exakte Datum per Definition im voraus nicht bestimmbar ist. Wenn man wüsste, wann der Markt drehen würde, dann würde jeder einen Tag vorher einsteigen. Wenn man das wüsste, würde man 2 Tage vorher kaufen, usw., usw.
Die Wahrheit ist, dass viele Trader und Leute, die in Internetforen Beiträge schreiben, gerne den Markt beeinflussen würden. Aber es sind Leute, die wirklich investieren, die den Markt wieder gen Norden schicken werden. Studien zeigen, dass die großen Gewinne immer unerwartet kommen. Nur ... wie kann man in die Zukunft sehen, wann dies sein wird?
Das Geheimnis ist, immer ganz nah an den Märkten dran zu bleiben. Die große Wende in den 1970ern kam an einem Freitag, den 13., im Dezember – als jeder sich auf den Weg in die Weihnachtsferien machte. Was ich so überraschend dabei finde, ist die Tatsache, dass in dieser Woche (oder vielleicht im gesamten Monat) die meisten Leute wahrscheinlich nicht an den Aktienmarkt dachten. Die Wirtschaftslage war – wie das Wetter – dunkel, kalt, neblig. Genau die pessimistische Atmosphäre, in der Aktienkurse im Keller bleiben. Und dennoch stiegen sie, und zwar sehr deutlich.
Peter Lynch, einer von Amerikas erfolgreichsten und bekanntesten Fondsmanagern, hat einmal gesagt: "Ich würde es lieben, Märkte vorhersagen zu können, aber weil das nicht geht, bin ich damit zufrieden, Gewinn bringende Gesellschaften auszusuchen. Wenn sogar die Analysten gelangweilt sind, dann muss man kaufen. Welche Methode der Aktienauswahl Sie auch immer gewählt haben, letztlich hängt der Erfolg davon ab, dass man die Sorgen der Welt lang genug vergisst, bis das Investment erfolgreich ist."
Aber was ist mit den ganzen Bilanzfälschungen? Für mich ist das einfach: Eine Allianz von amerikanischen Bankern, Buchhaltern und Vorstandsvorsitzenden hat sich gebildet, um Geld von den Investoren zu stehlen. Die einzige Partei, die noch nicht involviert ist, sind die Beamten der US-Regierung. Man kann nur hoffen, dass sie wirklich nichts damit zu tun hatten.
Ich hoffe, dass diese Kerle bald hinter Gittern sitzen. Ich weiß, dass dieses Thema oft in den News war, aber es hat mich so geärgert. Sie waren in einer Position, die es ihnen erlaubt hat, Vorteile aus der Situation zu ziehen – was sie getan haben –, und dann haben sie alle bestochen, die diesen Weg mit ihnen gehen sollten.
Lassen Sie mich Ihnen eines versichern – die Wahrscheinlichkeit, dass es so ein Enron- oder WorldCom-Desaster in Großbritannien geben wird, ist minimal. Die Bilanzierungsvorschriften sind in GB anders als in den USA.
In Amerika haben wir die große Kontroverse um das Thema, ob der Gegenwert von dem Management eingeräumten Aktienoptionen vom Gewinn eines Unternehmens abgezogen werden soll oder nicht. In einigen Fällen würde dann ein Unternehmen statt Gewinnen Verluste schreiben.
Und einige Gesellschaften haben eigene Aktien zurückgekauft, um den Kurs steigen zu lassen. Das machen sie aus zwei Gründen: Einmal bleibt der Aktienkurs in der Zielzone für die Aktienoptionen, und zum zweiten wird durch das Ausüben der Aktienoptionen der Markt mit Aktien überschwemmt, was die Kurse fallen lassen würde. Durch die Aktienkäufe kann dies ausgeglichen werden.
In einigen extremen Beispielen gab es Gesellschaften, deren Haupttätigkeit die Ausgabe von Aktienoptionen und der Rückkauf eigener Aktien zu sein schien, alles auf Kosten der Kleininvestoren und der Halter von Unternehmensanleihen, die das alles finanzierten.
Während des Internetblase schossen auch die Kurse der Telekom-Gesellschaften in den Himmel, weil die Investoren in den USA und im UK auf "TMT" (Technologie, Medien, Telekoms) standen. Aber in den USA führte dies anders als im UK zu Mega-Übernahmen, und damit wurde die Grundlage für die Pleiten von WorldCom und Tyco gelegt. Einen ähnlichen Trend gab es im UK in den 1980ern. Aber die gesetzlichen Regelungen wurden verschärft, um das zu verhindern, was wir gerade in den USA gesehen haben. Seitdem haben wir solche Exzesse in Großbritannien nicht mehr gesehen, und ich glaube nicht, dass wir sie in den nächsten Jahren sehen werden. Seit dem Robert Maxwell-Skandal (der Mann hatte sich mit Millionen Pfund aus der Pensionskasse seiner Firma aus dem Staub gemacht) geben die Bilanzen von britischen Unternehmen die wirkliche Position der Gesellschaft wider. In Amerika, dem Vaterland von mehr als 500.000 Anwälten, scheint dies nicht der Fall zu sein.
Eine aktuelle Studie der HSBC vergleicht die Schätzungen für das Gewinnwachstum der großen britischen Gesellschaften (FTSE 100) mit denen für die kleineren britischen Gesellschaften. Das Ergebnis: Wenn man die Technologiegesellschaften nicht berücksichtigt, dann sind die kleinen Firmen von großem Wert.
Für die großen Gesellschaften wird für den Zeitraum 2000 bis 2004 ein durchschnittliches erwartetes Gewinnwachstum von 3,9 % angegeben. Bei den kleinen Gesellschaften inkl. High Tech Firmen beträgt dieser Wert minus 15,3 %. Aber wenn man die Technologiegesellschaften ausklammert, dann kommt man für die gleiche Periode auf ein erwartetes Gewinnwachstum von 13,9 %. Das durchschnittliche KGV bei den Titeln des FTSE soll bei 14,7 liegen – was in etwa dem historischen Durchschnitt der im amerikanischen S&P 500 enthaltenen Werte entspricht. Für die kleineren UK-Gesellschaften (ohne High Tech) liegt diese Kennzahl bei lediglich 11,1.
Diese Zahlen zeigen, worum es geht. Der britische Markt ist viel billiger als der US-Markt ... und bei den Zahlen für die kleineren Gesellschaften muss man genau differenzieren. Der Grund: Viele High Techs und Telekom-Gesellschaften, die einst groß waren, gehören nun zu den Small Caps. Aber wenn man sie herausrechnet, dann sieht das Bild für die kleineren britischen Gesellschaften insgesamt recht rosig aus.
Es gibt eine Menge Möglichkeiten, mit britischen Aktien Geld zu machen. Die UK-Gesellschaften bieten guten Wert und ein Bilanzierungssystem, dem Sie trauen können. Mein Rat deshalb – schauen Sie auf die britischen Inseln!