Mehr Wachstum, mehr Immobilien
J. Christoph Amberger in Baltimore in Traders Daily
vom 28. Juni 2004 12:00 Uhr
ENL5454
Ist ein BIP Wachstum von 3,9 % nun eigentlich gut oder schlecht?
Die nach unten revidierten endgültigen Daten für's US Wirtschaftswachstum wurden am Freitag vom Commerce Department bekanntgegeben. Aus europäischer Sicht ist Wachstum dieser Größenordnung ein schöner Wunschtraum. Ob es nun ausreicht, Alan Greenspan und seine Kollegen von der Federal Reserve zu überzeugen, dass die Zeit der Billigstkredite nun zu Ende gehen muss, sei allerdings dahingestellt.
Fast niemand geht mehr davon aus, dass der gegenwärtige Minimalsatz der US Leitzinsen den nächsten Mittwoch überleben wird. Doch in Kombination mit dem Rekord-Handelsdefizit der USA wird das südwärts korrigierte Wirtschaftswachstum auch kein eindeutiges Argument liefern, die Zinssätze um mehr als einen Viertelpunkt anzuheben.
Die spekulative Dynamik dieses Schritts ist bereits im April ausgespielt worden. Was in der nächsten Woche wichtig wird, ist Semantik: Kaffeesatzleser, Spitzfindigkeitsartisten und Markttheologen werden jedes Wort der Fed-Bekanntmachung auf die Goldwaage legen und mehr in einen Satz hineinlesen als jene "Kafka-Spezialisten", deren hermeneutisch-textimmanente Bedeutungsheischerei uns Göttinger Anglisten seinerzeit in Form einer Gastvorlesung angedient wurde: Wie lassen sich die gewichtigen Worte der Herren Bankiers mittelfristig auslegen?
Grundsätzlich halte ich den Spielraum der Fed angesichts der jetzigen Wirtschaftslage mit 0,5 zusätzlichen Punkten bis Ende des Jahres für begrenzt. Was jedoch ausreichen dürfte, den Euro zumindest kurzfristig auf US$1,15 zu senken; eventuell im frühen September.
*** Mehr Daten zum amerikanischen Immobilienmarkt: Auch Altbauten verkauften sich im Mai wie warme Semmeln: Verkäufe stiegen um 2,6 % auf adjustierte 6,8 Million Einheiten für 2004. Durchschnittspreise liegen nun US$183.600, was zwar mehr als 10 % höher ist als im Vorjahr, aber keiner Definition einer Blase standhält.
Eventuell verschafft uns Alan Greenspan am Dienstag noch einmal die Gelegenheit, IMH um die US$20 zu kaufen.
Herzlichen Gruß,
Ihr
J. Christoph Amberger, Executive Publisher, The Taipan Group