Mehr Öl?
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 23. Juni 2008, 07:00 Uhr
ENL5454
Was ist am vergangenen Wochenende passiert? Irgendetwas Interessantes?
Ich habe vergangenes Wochenende die Fenster und Türen gestrichen und das Dach repariert. Weniger ist mehr, stellte ich fest... sowohl bei Häusern als auch beim Nachtisch. Als Wohnort ist unser Haus in Frankreich eine echte Katastrophe. Als Investition ist es ein Desaster...
Aber ich werde bis zum nächsten Newsletter warten, ehe ich Ihnen mehr davon berichten werde...
Zurück zu den Finanznachrichten der letzten Woche. Die Saudis gaben bekannt, dass sie darüber nachdenken, die Ölfördermenge zu erhöhen. Sie sagten, sie könnten die Produktion um 200.000 Barrel am Tag erhöhen.
Seien Sie auf der Hut, liebe Leser... die Märkte laufen noch. Das Heilmittel gegen hohe Preise sind hohe Preise. Hohe Preise ermuntern die Produzenten dazu, ihre Produktion zu steigern... und die Verbraucher dazu, den Konsum zu reduzieren. Früher oder später wird die Medizin wirken - und die Preise werden fallen. Der Ölpreis hat am Freitag in der Nähe des absoluten Höchstwerts geschlossen, mit 134 Dollar pro Barrel. Es mag eine stärkere Tendenz zum Kursanstieg geben, aber die Gefahr droht von einem Kursabstieg.
Analysten fragen sich immer noch, warum die Preise so hoch sind. Angebot und Nachfrage", sagen die Ölbullen, Spekulation", sagen die Ölbären. Die Ölunternehmen profitieren", sagen die Politiker.
Die guten... die schlechten... und die bösen - man kann an jede Meinung herankommen, die man haben will.
Und nach Ansicht von Byron King erzählen die Saudis nicht ganz die Wahrheit:
2004 haben die saudischen Vertreter behauptet, dass sie die Produktion auf 9,5 Millionen Barrel am Tag erhöht hätten und dieses Niveau über fünf Monate beibehalten hätten", schreibt mein unerschrockener Korrespondent."
Es ist fast schon sicher, dass sie gelogen haben. Die Internationale Energiebehörde ist eine Gruppe, die für die entwickelten, Öl importierenden Länder ein Auge auf diese Dinge wirft. Die Energiebehörde konnte keinerlei Anzeichen dafür finden, dass die Saudis mehr Öl verkaufen."
Soweit man sagen kann, fördern sie nur ungefähr 5 Millionen Barrel am Tag, und das ist alles, was sie seit Jahren fördern."
Und das ist nur der Gipfel des Eisbergs.
Aber es gibt in Wahrheit nur zwei echte Gründe, warum der Ölpreis gestiegen ist. Der erste ist, dass mehr Leute das Zeug brauchen. Und dass die neuen Verbraucher nicht die gleichen sind wie die alten Verbraucher. Die alten Verbraucher - die in den Vereinigten Staaten und in Europa leben - sind dem Preisdruck gegenüber wesentlich sensibler als die neuen. Die Einkommen in Amerika haben in den vergangenen 30 Jahren mehr oder weniger stagniert.
Wenn die Preise für Treibstoff steigen, dann müssen die Leute das Geld aus den Haushaltskassen nehmen, um das auszugleichen - oder sie müssen weniger fahren. Momentan tun sie beides.
Aber die neuen Nutzer leben in Ländern wie Indien, Russland, China oder Brasilien. Sie können es sich leisten, mehr Energie zu verbrauchen, und das auch bei steigenden Preisen, weil sich ihre Einkommen alle sieben bis zehn Jahre verdoppeln.
Und es sind nicht nur die Energiepreise, die nach oben drängen. Die Schwellenländer haben 1998 36% des Kupfers weltweit verbraucht. Heute sind es 59%. Und auch bei Zink, verwenden die Schwellenländer heute 63% des weltweiten Outputs verglichen mit 43% vor zehn Jahren.
Man kann die gesamte Liste der Rohstoffe absuchen, die Geschichte bleibt die gleiche. Die entwickelte Welt hat schon ausreichend Autos und Kühlschränke. Die Leute müssen nur ersetzen, was sie schon haben. Aber in den Schwellenländern... sind die Entfaltungsmöglichkeiten für den Verkauf von Geräten, Häusern, Autos und all die anderen Nebensachen des modernen Lebens noch weit.
In diesen Ländern gehen die Leute, sobald sie etwas Geld haben los und kaufen eine Waschmaschine. Und das ist gut so. Aber es bedeutet, dass der Markt für die Grundlagen des Maschinenzeitalters nicht mehr von den westlichen Verbrauchern bestimmt wird. Und es bedeutet, dass zum ersten Mal überhaupt sogar wenn die westlichen Ökonomien kaputt gehen, die Preise, die von den westlichen Haushalten bezahlt werden müssen, trotzdem auch weiterhin steigen.
Und das sind schlechte Nachrichten für den durchschnittlichen amerikanischen Haushalt. Die Haushalte haben so hohe Schulden, dass sie sich steigenden Energiepreise nicht leisten können. Und das sind schlechte Nachrichten für die Industrie, die den amerikanischen Haushalt mit so vielen Schulden belastet hat.
Seit 2006 sind die amerikanischen Hauspreise um 16% gefallen. Das hat natürlich viele der mit Hypotheken gesicherten Darlehen auf den Müllhaufen geworfen. Banken und andere Finanzunternehmen haben schon 350 Milliarden der hypothekarisch gesicherten Kredite abschreiben müssen. Weitere 300 Milliarden Dollar erscheinen wahrscheinlich. Aber das gesamte amerikanische Bankensystem hat nur 1,3 Billionen Dollar Marktwert, so dass diese Beträge einen beachtlichen Anteil des Gesamtkapitals der Banken darstellen... und einen großen Schlag für die gesamte Industrie.
Natürlich haben sich die Banken und die Broker beeilt, mehr Geld in die Kassen zu bringen. Und sie haben die Absicht, in dieser Woche einen großen Einschnitt bei den Dividenden bekannt zu geben, um ihr Geld beisammen zu halten. Sie werden sich vielleicht noch erinnern, liebe Leser, dass im letzten Herbst, als der Finanzsektor abfiel, viele Investoren dachten, sie hätten eine Möglichkeit erblickt, bei Flaggschiffen wie MBIA oder der Citigroup zu Schnäppchenpreisen einzusteigen.
Doch ach, das hat nicht funktioniert. Wie ich immer sage, wenn eine Blase explodiert... dann gibt es keine Möglichkeit, wieder Luft hinein zu bekommen. Man kann pumpen, aber die Luft geht dann in einen anderen Marktsektor.
Und das bringt mich zum zweiten Grund, warum die Rohstoffpreise gestiegen sind: Weil der Dollar und die anderen Papierwährungen gefallen sind.
Sehen Sie sich nur den Preis von Öl gemessen an Gold an: Vor zehn Jahren brachte eine Unze Gold noch bis zu 26 Barrel Öl. Heute braucht man 13 Mal so viele Dollar um einen Barrel Öl zu kaufen wie 1998, aber nur ungefähr doppelt so viel Gold.
Heute kann man für eine Unze Gold 7 Barrel Öl kaufen. Bei diesem Maß ist Öl entweder zu teuer oder Gold zu billig. Ob man in Gold oder in Dollar misst, der Ölpreis ist immer hoch. Gemessen an Dollar ist der Preis um 1300% gestiegen, gemessen in Gold um 350%. Aber wenn man seine Dollar mit einem Wechselkurs von 260 Dollar vor zehn Jahren gegen Gold getauscht hätte, dann schiene Öl heute zumindest nicht ganz so teuer.
Wir wollen also zu den Investoren zurückkehren, die entschieden haben, dass bei der Finanzindustrie die Talsohle erreicht ist.
"Investoren die den Antrieb der amerikanischen Finanzunternehmen das dringend benötigte Kapital aufzubringen unterstützt haben, sitzen auf fast 10 Milliarden Dollar in Papierverlusten", schreibt die Financial Times. Seit vergangenen Oktober hat das Finanzwesen 64 Milliarden zusätzlichen Kapitals aufgebracht. Die Investitionen sind im Wert um 9,7 Milliarden Dollar gefallen, berichtet die Financial Times. Für die Investoren bedeutet das einen Verlust von 15%.
Ambac hat beispielsweise 1,2 Milliarden Dollar eingeholt, Investoren, die dieses Geld hineingesteckt haben, haben 70% ihres Geldes seit März verloren. Ein ähnlicher Betrag, der bei MBIA entwickelt wurde, mündete in einen Verlust von 60%. Die Investitionen bei der Citigroup sind in der gleichen Zeit um 24% gefallen.
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