Medienschau: Hypo Real Estate, Swiss Life, K+S, Holcim, Solon und Opel
Cindy Bach in Insider Daily
vom 12. November 2008, 10:00 Uhr
ENL5462
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
es hagelt Zahlen - und die sind wie erwartet bunt gemischt. Von starken Umsatz- und Gewinnzuwächsen bis hin zu tief roten Zahlen ist alles dabei. Während Konzerne aus der Finanz-, Automobil- und Baubranche unter Lasten der Finanzkrise und der einsackenden Konjunktur ächzen, freuen sich Solartechniker und Düngemittelhersteller "noch" über gute Quartalsergebnisse. Doch insgesamt sind die Prognosen für das laufende Quartal allesamt verhalten. Begeben wir uns also auf "Entdeckungsreise" durch die Welt der Quartalsergebnisse und schauen einmal genauer hin, wie die einzelnen Konzerne ihre Zukunft bewerten.
Hypo Real Estate: Herber "Vorgeschmack" auf ein tief rotes Quartal
Die Hypo Real Estate hat heute Morgen die geplante Veröffentlichung ihres Berichts zum dritten Geschäftsquartal auf kommenden Montag verschoben. Man gab in den Medien lediglich einen "Vorgeschmack" auf das sehr enttäuschende Quartalsergebnis: So ist der angeschlagene Immobilienfinanzierer wegen einer Abschreibung auf die Tochter Depfa und weiteren Sonderbelastungen tiefer in die roten Zahlen gerutscht als von Experten erwartet.
Vor Steuern sei laut Konzernangaben ein Verlust von rund 3,1 Mrd. Euro angefallen, nach einem Gewinn von 237 Mio. Euro im Vorjahr. Allein auf den im Jahr 2007 für rund 5 Mrd. Euro übernommenen irischen Staatsfinanzierer Depfa mussten die Münchener rund 2,5 Mrd. Euro abschreiben. Zudem musste die Hypo Real Estate wegen des Zusammenbruchs von Lehman Brothers, der Situation in Island, einer erneuten Abschreibung auf die Beteiligung an Babcock & Brown sowie weiteren Wertverlusten auf die CDO-Bestände der Hypo Real Estate Group Belastungen von 600 Mio. Euro verbuchen. Zudem seien mit Blick auf die Verschlechterung der Immobilienmärkte die Portfolio-Wertberichtigungen um rund 100 Mio. Euro erhöht worden.
Swiss Life: Gewinnwarnung ausgegeben, Aktienrückkauf eingestellt
Auch der Schweizer Versicherungskonzern Swiss Life hat wegen der Finanzkrise weitere Verluste erlitten und eine Gewinnwarnung herausgegeben. Der Ende August für das ganze Jahr 2008 in Aussicht gestellte Reingewinn von 1,8 bis 1,9 Mrd. Schweizer Franken (1,20 bis 1,27 Mrd. Euro) könne aufgrund der außerordentlich negativen Entwicklung an den Finanzmärkten nicht erreicht werden, teilte der größte Lebensversicherer der Schweiz heute in der Presse mit.
Ohne die außerordentlichen Gewinne auf den Verkäufen in Höhe von 1,5 Mrd. Franken werde der Konzern im fortgeführten Geschäft für 2008 einen deutlichen Verlust ausweisen. Angesichts der anhaltenden Unsicherheit auf den Finanzmärkten wurde auf eine neue Gewinnerwartung verzichtet. Der Verwaltungsrat beschloss zudem, das laufende Aktienrückkaufsprogramm einzustellen. Die Zusicherung einer Dividende von 600 Mio. Franken wurde rückgängig gemacht.
Mit dem operativen Geschäft ist der Konzern hingegen zufrieden, wie es in der Zwischenmitteilung weiter heißt. Demnach nahm das Prämienvolumen im fortgeführten Geschäft in den ersten neun Monaten im Vergleich zur Vorjahresperiode um 1 Prozent auf 14,0 Mrd. Franken zu. Die Risiken in der Bilanz seien in den letzten Wochen deutlich reduziert worden, um das Eigenkapital vor weiteren negativen Auswirkungen der Finanzkrise zu schützen. "Trotz der schlimmen Krise an den Finanzmärkten verfügen wir über eine gute Kapitalausstattung", wird Konzernchef Bruno Pfister in der Mitteilung zitiert.
K+S: Rekordquartal, aber Prognosen 2008 gekappt
Der Düngemittel- und Salzhersteller K+S hat nach einem Rekordquartal die Gewinn- und Umsatzprognose für das laufende Jahr etwas gesenkt. Grund sei eine wegen der weltweiten Finanzkrise festzustellende Kaufzurückhaltung bei Düngemitteln, teilte der AX-Aufsteiger heute mit. Nach Jahren des Booms stellt sich der Konzern auf eine Abschwächung der Nachfrage ein.
Im dritten Quartal verdoppelte sich der Umsatz getragen von der Kali-Hausse auf 1,441 (Vorjahr 0,714) Mrd. Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Effekten aus der Absicherung von Wechselkursrisiken (Ebit I) erhöhte sich noch deutlicher und sprang von 79 Mio. auf 502,2 Mio. Euro. Unter dem Strich lag der Gewinn bereinigt bei 358,1 Mio. Euro. Damit übertraf der Kasseler Konzern die Prognosen der Analysten deutlich.
Holcim: Ausblick erneut gekürzt
Werfen wir nun einen Blick auf die Baubranche. Da gab es heute Zahlen von Holcim. Dem Schweizer Zementkonzern setzen der konjunkturelle Einbruch und der Kostenschub für Energie zu. Der weltweit zweit größte Anbieter erlitt im dritten Quartal 2008 einen Gewinneinbruch um ein Viertel auf 673 Mio. Schweizer Franken und verfehlte damit die Markterwartungen. Der Umsatz sank um 5,2 Prozent auf 6,91 Mrd. Franken.
Zudem kürzte auch Holcim den Ausblick für das Gesamtjahr erneut und rechnet nun mit einem Rückgang des operativen Ergebnisses. Bereits im August hatte Holcim die Prognose gesenkt. Die Entwicklung des betrieblichen Ebitda dürfte sich im vierten Quartal nochmals abschwächen. Dazu kämen Kosten von 300 Mio. Franken für die Schließung von zwei Werken in den Vereinigten Staaten und eines Werks in Spanien. Das Geschäftsumfeld dürfte in den kommenden Monaten schwierig bleiben.
Solon: Deutliches Umsatz- und Gewinnwachstum
Die Berliner Solon AG für Solartechnik veröffentlicht heute ihren Zwischenbericht zum 30. September 2008. Der Konzernumsatz stieg in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres um 91 Prozent auf 637,0 Mio. Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg von 32,7 Mio. auf 58,5 Mio. Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) betrug 49,4 Mio. Euro, was eine Steigerung um 84 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet.
Die Finanzkrise zwingt Solon zudem zu einer Prognoseanpassung - aus Vorsichtsgründen, wie die Berliner betonen. Für das laufende Jahr wird bei einer Ebit-Marge von 7 Prozent mit einem Umsatz zwischen 800 Mio. Euro und 850 Mio. Euro angepeilt. Im kommenden Jahr soll der Umsatz auf mehr als 1 Mrd. Euro steigen, die Ebit-Marge aber auf mehr als 6 Prozent fallen.
General Motors: Mit Opel auf dem Beifahrersitz tiefer in die Krise
"Zappen duster" ist es im Augenblick bei den Autobauern in den USA. Im Falle von General Motors bedeutet dies jedoch auch bedrohliche Auswirkungen auf den deutschen Automarkt. Denn der Mutterkonzern General Motors fährt - ebenso wie seine Wettbewerber Ford Motor und Chrysler - mit hohem Tempo immer tiefer in die Krise und hat seine europäische Tochter Opel auf dem Beifahrersitz. Eine verfehlte Modellpolitik, der Absatzeinbruch in den USA, die weltweite Finanzkrise und Milliardenverluste haben den US-Auto-Giganten GM kurz nach seinem 100. Geburtstag im September an den Rand der Insolvenz gebracht. Die Pleitegerüchte im Konzern mehren sich.
Da kommt auch der bisherige Hoffnungsträger Opel nicht ungeschoren davon: Ein Sparprogramm über 750 Millionen Euro und eine Nullrunde für die Mitarbeiter-Löhne hat GM seiner Tochter bereits verordnet. Ob das reichen wird, ist offen. Auch in Europa bricht der Absatz weg, Produktionsstopps sind die Folge.
Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Tag.
Ihre
Cindy Bach
ähnliche Beiträge:
- HypoVereinsbank bringt Hypo Real Estate an die Börse
- Insider Daily-Medienschau: GM/Opel und Hypo Real Estate
- Hypo Real Estate: Der Aktienkurs
- Hypo Real Estate: Rettung in letzter Sekunde?
- Hypo Real Estate - Ein Fass ohne Boden?
- Hypo Real Estate-günstig oder teuer?
- Thema der Woche: Milliardengrab Hypo Real Estate
- Leser zum Thema der Woche: "Aufreger" Hypo Real Estate
- Hypo Real Estate – Vertrauen verspielt - Teil 2
Artikel weiterempfehlen