Medienschau: Goldman Sachs, Intel und Q-Cells
Cindy Bach in Insider Daily
vom 15. Juli 2009, 14:30 Uhr
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da rieb sich gestern tatsächlich so mancher Händler auf dem Börsenparkett erstaunt die Augen. Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat mit ihrem jüngsten Quartalsergebnis für Verblüffung gesorgt. Trotz der immer noch anhaltenden Wirtschafts- und Finanzkrise hat die Bank einen Gewinn von rund 2,7 Mrd. Dollar (1,9 Mio. Euro) eingefahren - das ist der höchste Gewinn seit den Spitzenwerten der Bank im Rekordjahr 2007. Vor Abzug der Vorzugsdividenden sollen es sogar 3,7 Mrd. Dollar Gewinn sein.
Den Bankern der Wall-Street-Legende winken bereits wieder enorme Bonuszahlungen. Beides heizte umgehend eine Diskussion an der Wall Street an. Kritiker sehen bereits Reformen, um Finanzkrisen in Zukunft zu verhindern, in Gefahr. Kritiker warnen vor erneut überzogenem Gewinnstreben und zu großen Risiken. Und das kommt nicht von ungefähr.
Erst vor drei Monaten hatte Goldman-Chef Lloyd Blankfein höchst selbst eine Reform der Managerbezahlung gefordert sowie einige frühere Praktiken als "gierig" bezeichnet. Doch angeblich soll Goldman allein für das erste Halbjahr 2009 insgesamt mehr als 11 Mrd. Dollar an Boni für seine insgesamt 29.400 Mitarbeiter zur Seite gelegt haben.
Wie schon so oft in der Vergangenheit erntet Goldman für dieses grandiose Ergebnis viel Bewunderung - und natürlich noch mehr Neid. Natürlich sorgt es angesichts der großartigen Lage für Aufsehen, wenn die Führungsriege zuletzt Papiere ihres Hauses für rund 700 Mio. Dollar verkauft. Aber Goldman Sachs ist eben Goldman Sachs - das jüngste Quartalsergebnis spricht Bände.
Intel übertrifft Erwartungen
Auch der weltgrößte US-Chiphersteller Intel hat im zweiten Quartal die Erwartungen deutlich übertroffen. Zudem präsentierte der Konzern am Dienstag nach amerikanische Börsenschluss einen Ausblick für das laufende Vierteljahr, der ebenfalls positiv überraschte. Unter dem Strich verbuchte im vergangenen Geschäftsquartal einen Verlust von 398 Mio. Dollar oder 0,07 Dollar je Aktie. Grund war eine 1,45 Mrd. Dollar schwere Wettbewerbsstrafe, die der Konzern in Europa im Mai wegen eines unzulässigen Preiskampfes gegen den Erzrivalen AMD aufgebrummt bekommen hatte.
Ohne die Belastung im Zusammenhang mit dieser Strafe verdiente Intel den Angaben nach 18 Cent je Aktie. Marktexperten hatten durchschnittlich mit lediglich 8 Cent gerechnet. Den Umsatz bezifferte Intel mit 8 Milliarden Dollar, ein Minus von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Allerdings hatten Analysten mit 7,27 Milliarden Dollar hier ebenfalls weniger erwartet. Die Intel-Aktie legt heute im frühen Handel um rund 1,5 Prozent auf 11,88 Euro zu.
Q-Cells sorgt für schockierte Gesichter
Weniger erfreut dürften Q-Cells-Anteilseigner über die vorgelegten Zahlen gewesen sein. Schlimmer noch: Das Ergebnis des Solarunternehmens ist katastrophal ausgefallen und auch die Jahresprognose musste erneut zurückgenommen werden. Wie das Unternehmen am Dienstag auf vorläufiger Basis mitteilte, sanken die Umsatzerlöse im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal von 225 Mio. Euro auf 142 Millionen Euro. Das operative Ergebnis verschlechterte sich von plus 15 auf minus 62 Mio. Euro. Im Vorjahresquartal hatte der Umsatz noch 309,8 Mio. Euro und das EBIT 60,2 Mio. Euro betragen.
Niedrigere Absatzmengen, die Verschiebung eines Großprojektes in das dritte Quartal und die fortgesetzte Abwärtsdynamik der Preise für Solarzellen führten laut Unternehmen zu dem deutlichen Umsatz- und Ergebnisrückgang. Trotz einer erwarteten saisonal bedingten Erholung im zweiten Halbjahr rechne man weiterhin mit einem insgesamt schwierigen Marktumfeld und einem stark von der Entwicklung der Finanzmärkte abhängigen Projektgeschäft, teilte Q-Cells weiter mit. Die bislang für das laufende Geschäftsjahr angenommenen Größenordnungen für Umsatz und Produktion könnten aus heutiger Sicht nicht mehr erreicht werden.
Diese Nachricht wiegt für Aktionäre doppelt schlimm. Noch am Wochenende hatte Q-Cells-Chef Anton Milner in einem Interview eine Erholung des Solarmarktes in Aussicht gestellt, ohne von den aktuellen Schwierigkeiten zu berichten. Der Vertrauensverlust ist groß. Die Kursentwicklung spiegelt das in aller Deutlichkeit wieder: Das Minus gestern zum Handelsschluss mehr als 14 Prozent, Kurs: 11,32 Euro. Auch heute geht es für den Tec-DAX-Wert weiter nach Süden, wenn auch weniger drastisch. Aktueller Kurs kurz nach Handelsbeginn 11,00 Euro.
Ein Blick auf den Chart zeigt die ganze Misere. Das Minus seit dem Allzeithoch Ende 2007 bei 99,62 Euro beläuft sich mittlerweile auf gut 90 Prozent. Ob wir das Ende hier schon gesehen haben? Spekulative Anlegernaturen werden hier und da schon mal auf eine heftige Gegenbewegung setzen.
Ich wünsche Ihnen einen guten Börsentag.
Ihre
Cindy Bach
