Medien, Panik und Börse
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 21. März 2011, 17:00 Uhr
ENL5454
Anlässlich der nach wie vor labilen Situation in Japan, deren Art von Ende wohl kaum jemand wirklich definitiv absehen kann im Moment, möchte ich heute jedoch auch ein wenig über die sonst üblichen Charts hinausblicken.
Wie bei gefühlten aber auch bei tatsächlichen Katastrophen üblich stürzen und stürzten sich die Medien geradezu besinnungslos auf die Geschehnisse in Asien. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, denn ich möchte hier keinesfalls die Situation in Japan beschönigen oder herunterreden (Im Gegenteil, mein Mitgefühl gilt allen Betroffenen und ich hoffe, dass die AKWs sich tatsächlich in den Griff bekommen lassen). Wenn Sie jedoch einmal die meisten Medienangebote besonders in Deutschland auf tatsächliche Informationen durchforsten, werden sie jedoch feststellen, dass nur ein kleiner Teil der zur Lage in Japan verfassten Artikel wirklich nüchtern und sachlich ist bzw. war und ernsthafte Informationen enthält.
Viel mehr wird in zahlreichen Fällen gerade die Panik maximiert, indem ein hypothetisches Horrorszenario nach dem anderen lustvoll ausgebreitet wird, während noch gar nicht einmal klar ist, wie die wirklich Situation ist (Man denke hier nur an die Menschen, die bereits in der BRD für sich anfingen, Geigerzähler zu kaufen und Jodtabletten zu nehmen...)
Panik ist niemals sinnvoll
Natürlich führte eine derartige "Berichterstattung" zu stark erhöhter Angst und letztlich Panik bei vielen Menschen, da hier meist nicht Informationen geliefert, sondern geistige Bilder der Apokalypse verkauft werden . Ich wage jedoch zu behaupten, dass Panik nicht nur an der Börse, sondern auch in einer solchen Situation nicht weiter hilft. Panik schränkt stets die Fähigkeit, kühl und logisch zu denken, ein und führt zu Dingen, die man sonst nicht tun würde. Gleichzeitig macht sie anfällig für Manipulationen aller Art.
Ich möchte daher die Situation heute einmal aus einer betont sachlicheren Perspektive betrachten. Hierbei möchte ich zunächst darauf hinweisen, dass der NYSE BP Index an den Märkten schon seit Wochen massiv überkauft ist. Wenn Sie den "Nebenwerte Daily" in den letzten Monaten auch nur ein bis zwei Mal donnerstags gelesen haben, kann Ihnen dies kaum entgangen sein. Immer wieder betonte ich, dass früher oder später der NYSE BP Index wieder zurücklaufen würde (wie er es bei Korrekturen immer tut. Das ist völlig normal=. Nun tut er es (in meinen Augen bisher eine relativ harmlose Marktkorrektur) und alle massenmediale Welt stellt natürlich sofort die Verbindung zu Japan her.
Selbstverständlich sind solche Vorkommnisse wie in Japan nicht ohne Auswirkungen. Hierfür reicht ein Blick an die japanischen Börsen seit dem Beginn der Atomkatastrophe. Doch welchen Grund soll es geben, nun "ungehemmt auf die Verkaufstasten zu drücken" und auch Papiere zu verkaufen, welche gar nichts mit Japan zu tun haben, wie man es schon bei manch einem Börsenkommentar inzwischen liest? Einfach nur Panik vor der globalen Nuklear-Apokalypse? Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber das überzeugt mich nicht.
Ein sinnvolleres, wenn auch nicht vollständig überzeugendes Argument
Was hingegen schon etwas sinnvoller klingt, ist der Hinweis darauf, dass nun Japan gezwungen sein wird, Teile seiner ausländischen Devisen, die z.B. in US-Staatsanleihen angelegt sind, zu verkaufen, um den Wiederaufbau der zerstörten Regionen finanziell abzusichern. Der Hintergrund für diese Notwendigkeit ist der hohe Schuldenstand des Landes.
Aber auch hier gehe ich z.B. angesichts des überzeugten geldpolitischen Kurses von Ben Bernanke nicht davon aus, dass dies großen Kursschaden anrichten wird. Viel mehr wird man wohl versuchen, möglichst viel der Auswirkungen abzufedern durch neue Stützmaßnahmen für die Märkte.
Ich rechne daher nicht mit der "Finanzapokalypse" und halte solche Formulierungen zum jetzigen Zeitpunkt angesichts des immer noch allgemein mangelhaften Kenntnisstandes über die tatsächliche Detailsituation im betroffenen AKW in Japan für eher problematisch.
Viel mehr betrachte ich die aktuelle Marktlage erst einmal als das, als was sie sich bisher dargestellt hat, nämlich als sowieso schon überfällige Korrektur.
Herzliche Grüße, Ihr
Klaus Buhl