MDAX: Nebenwerte geben die Richtung vor
Andreas Wolf in Investors Daily Update zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 17. September 2009, 10:30 Uhr
Da Herr Firley heute unterwegs ist, lesen Sie bitte einen Gastbeitrag von Andreas Wolf aus dem DAX Daily.
eine der klassischen Lehren im Börsengeschäft ist die Regel, dass Nebenwerteindizes eine wesentlich höhere Konjunktursensibilität aufweisen als die schwergewichtigen Hauptindizes wie der DAX oder der Dow Jones. Im Falle der heraufziehenden Finanzkrise konnte diese feine Sensorik im Vergleich des MDAX zum DAX gut beobachtet werden. Während der DAX noch bis Ende 2007 in der Nähe seines Allzeithoch notierte, erreichte der MDAX bereits im Juli 2007 seinen Hochpunkt und verlor bis zum Ende de Jahres 2007 in zwei Abwärtsschüben mehr als 25 Prozent an Wert. Ursächlich für diese Entwicklung ist die Tatsache, dass die zyklischen, konjunkturellen Veränderungen sich auf kleine und mittlere Unternehmen viel direkter auswirken als auf Großkonzerne. Manchmal hängt die eine oder andere Geschäftsentwicklung nicht selten an zwei oder drei Großkunden. Reduzieren diese Kunden ihr Engagement nachhaltig, wird das schnell in den Quartalsbilanzen sichtbar.
Die Schwierigkeit der zurückliegenden Krise, von der niemand weiß, ob sie tatsächlich schon Geschichte ist, lag in der wenig greifbaren Darstellung des Umfangs der möglichen Auswirkungen auf den Mittelstand. Zwar fielen die Nebenwerteindizes schon nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center in New York im Jahr 2001 schon überdurchschnittlich stark, brauchten dafür aber einen wesentlich größeren Zeitkorridor. Das aktuelle Bild erscheint im Vergleich wie im Zeitraffer.
Von 100 auf 0 und zurück
Während die drastische Reaktion der Börse auf die Lehman-Pleite im Oktober 2008 noch in gewissen Maßen nachzuvollziehen war, musste schon bei den Abwärtsbewegungen im Januar und Februar 2009 davon ausgegangen werden, dass eine negative Übertreibung entstanden war, die vor allem durch den Wettbewerb der Ökonomen um die schlechteste Konjunkturprognose 2009 angefacht wurde. In meiner für den Investor-Verlag im Januar angefertigten Jahresprognose für die DAX-Entwicklung 2009 hatte ich darauf bereits aufmerksam gemacht und dem DAX zum Jahresende ein Niveau von 6.100 Punkten bescheinigt.
Betrachtet man sich nun das aktuelle Niveau der deutschen Aktien-Indizes, so stellt man durchgehend fest, dass sie sich jenen vom September 2008 wieder annähern und damit der erste Teil der Krise bald ihren Abschluss finden wird. Vor allem die Nebenwerte laufen der Entwicklung allerdings ein gutes Stück voraus und reflektieren so keinesfalls eine nur schwache Wirtschaftserholung. Die glanzvollen Ergebnisse der Jahre 2006 und 2007 werden aber mit Sicherheit im nächsten Jahr noch nicht wieder erreicht werden. Dem Fall von 100 auf 0 folgt aber wenigstens wieder ein Anstieg auf 60 oder 70 Punkte.
Rückfall noch in diesem Jahr
Ohne Frage werden die Indizes nach dem Abschluss der ersten Erholungsphase nochmals zurückfallen. Die Schwere der Finanz- und Immobilienkrise wird kaum in einem V-Format zu bewältigen sein. Mit hoher Wahrscheinlichkeit kommt es bereits im letzten Quartal zu einem Rücksetzer, denn die dominierenden mittelfristigen Abwärtstrends sind in allen deutschen Indizes noch gültig. Man könnte nun vielerlei Gründe für eine erneute Korrektur anführen, die einfachste dürfte aber in der Verknappung der Liquidität durch die Notenbanken liegen. Sie wird zwar nicht drastisch ausfallen, aber noch vor der ersten Zinserhöhung haben die Märkte dies in den Kursen verarbeitet.
Dem MDAX wird dabei die Ehre zuteil werden, diese Korrekturphase 2 durch das Verhalten einzelner Aktien frühzeitig anzukündigen. Die Augen müssen dabei besonders auf die Bereich Maschinenbau und Spezialchemie gelegt werden. Kommt es hier zu Trendwenden bei Einzeltiteln, dürfte es nicht lange dauern, bis der Gesamtmarkt folgt.
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