Maximus Greenspan, 2. Teil
Bill Bonner in Investors Daily
vom 09. September 2002 18:00 Uhr
ENL5454
"Wir können den Erfolg nicht garantieren, aber wir verdienen ihn."
(George Washington)
"Wenn sich die Zentralbanker, Regierungsvertreter und Volkswirte, die sich vorletztes Wochenende getroffen haben, auf eines einigen konnten, dann darauf, dass Wirtschaftspolitik kaum Erfolg hat, wenn es um die Feineinstellung der Volkswirtschaft geht", so der International Herald Tribune.
Aber Top-Zentralbanker Greenspan ging noch weiter. Er behauptete laut der Zeitung, "dass es nichts gab, was eine Zentralbank hätte tun können, um die Spekulationsblase zu verhindern oder abzuschwächen."
Ich habe meinen Artikel mit einem Zitat von George Washington beginnen lassen. Ich habe festgestellt, dass Menschen selten das bekommen, was sie erwarten – vom Leben oder vom Aktienmarkt. Stattdessen erhalten Sie das, was sie verdienen.
Aber ich kenne auch zu viele äußerst unsympathische Menschen mit zuviel Geld – und ich finde nicht, dass sie das verdienen. Es gibt ein überzeugendes Sprichwort, "ein Narr und sein Geld werden bald getrennt." Was ich mir aber nicht erklären kann, ist die Tatsache, wie der Narr überhaupt zu seinem Geld gekommen ist. Und viel zu oft behält dieser Narr sein Geld bis an sein Lebensende, er stirbt fett und glücklich. Hoffentlich schmoren die Schlimmsten dieser Menschen danach wenigstens in der Hölle.
Aber zurück zu Alan Greenspan. Was verdient der Vorsitzende der US-Zentralbank, frage ich mich? Ich habe gehört, dass Greenspan eine Stunde pro Tag in der Badewanne verbringt. Vielleicht hat er dort festgestellt, dass er keine Verantwortung an der größten Spekulationsblase, die die Welt je gesehen hat, hat. Vielleicht kann man von einer Zentralbank einfach nicht erwarten, dass sie sich um die Feineinstellung einer Volkswirtschaft kümmert. Aber sie muss etwas machen. Sie muss sich um das Geld der Nation kümmern. Die US-Zentralbank (Fed) hat diese Aufgabe übernommen – und sie erfüllt sie so, wie eine Katze eine Maus manchmal spielend tötet: Nicht auf einmal, sondern nach und nach. Im gesamten Jahrhundert, bevor die Fed 1913 gegründet wurde, blieb die Kaufkraft eines Dollar stabil. In den 89 Jahren nach der Gründung ist die Kaufkraft eines Dollars auf nur noch 5 Cents gesunken.
Andere Zentralbankvorsitzende haben während ihrer Amtszeit einen größeren Wertverlust des Dollars hinnehmen müssen als Alan Greenspan – aber keiner hat so große Anstrengungen wie er unternommen, um den Wert des Dollar zu zerstören. Laut Jonathan van Eck hat Alan Greenspan während seiner Amtszeit die Geldmenge stärker erhöht als alle Fed-Vorsitzenden vor ihm zusammen. Nicht nur das – er hat die Geldmenge auch stärker erhöht als alle Finanzminister der amerikanischen Geschichte das zusammengenommen geschafft haben.
Könnte es eine Verbindung geben, zwischen all diesem neuen Geld und der größten Spekulationsblase am Aktienmarkt seit Menschengedenken – für die Mr. Greenspan angeblich nicht verantwortlich ist?
Vielleicht ist Alan Greenspan in der Badewanne auch zu der Überzeugung gekommen, dass die Kapitalmärkte durch ein "Produktivitätswunder" transformiert worden seien, und dass dies die herkömmlichen Bewertungskriterien außer Kraft gesetzt hätte.
Und vielleicht ist er auch, während er im Schaum nach der Seife suchte, zu der Überzeugung gekommen, dass es keine Notwendigkeit zur Anhebung der Mindestreserve-Sätze gab. Auch Warnungen an die Adresse der Investoren wegen der Gefahren einer Spekulationsblase waren sicher nicht notwendig.
Eventuell kam Greenspan dabei auch zu der Überzeugung, dass die beste Lösung zum schnellen Beenden einer Rezession und eines Bärenmarktes, der durch zuviel Geld gefüttert wurde, die Bereitstellung von noch mehr Geld sei.
Ob er auch am Tag der ersten Zinssenkung im Januar 2001 so beruhigt in der Badewanne lag? Danach senkte er die Zinsen jedenfalls so schnell wie nie zuvor seit Gründung der Fed ... insgesamt um 475 Basispunkte innerhalb der folgenden 12 Monate.
Die Konsumenten, die gierig nach den immer billiger werdenden Krediten griffen, verschuldeten sich immer weiter – für dicke Autos und neue Hypotheken. Und so setzte sich die Spekulationsblase am Immobilienmarkt bis heute fort ... und Mr. Greenspan ist immer noch im Amt. Wie lange noch?
Wir wissen nicht, wie die Geschichte einmal über Alan Greenspan urteilen wird. Aber wir wissen, was der Fed-Vorsitzende verdient. Letztens hat Queen Elizabeth von Großbritannien angekündigt, dass sie ihn zum Ritter schlagen will. Aber das Auswahlkomitee muss wohl einer der zeitverzögertsten Indikatoren der Wirtschaft sein. Seit die Spekulationsblase am Aktienmarkt geplatzt ist, wächst die Kritik an Greenspan. Er würde gut daran tun, jetzt von der Bühne zu verschwinden, so meine Meinung.