Maue Aussichten für die Konjunktur-
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Nebenwerte
vom 25. Februar 2010, 17:00 Uhr
ENL5462
obwohl ich während der vergangenen Wochen recht vorsichtig, ja sogar leicht pessimistisch war, ergeben sich allmählich unter der Oberfläche der Indizes einige Verbesserungen. Diese betreffen bisher vor allem den US-Markt, weniger die deutschen Indizes. Da der US-Markt aber eine weltweite Leitfunktion innehat, wird die verbesserte Markttechnik höchstwahrscheinlich demnächst auch auf die europäischen Indizes übergreifen. Daran wird meiner Ansicht nach auch das enttäuschende Vertrauen der US-Konsumenten nichts ändern können, da institutionelle Anleger hier keine Wunder erwarten, bzw. um einige Ecken weiter denken und den Konjunkturverlauf zu antizipieren suchen. Auch die gestrigen schwachen Daten des US-Immobilienmarktes werden die Handelsteilnehmer nicht allzu lange frustrieren, da mittlerweile bestenfalls eine flache Konjunkturerholung eingepreist ist.
Bernanke spricht Tacheles
Manchmal könnte man annehmen, Anleger würden nicht besonders weit voraus denken, sondern nur Tatsachen registrieren, die in ihr Handlungsschema passen. Vielleicht gilt dies ja auch für mich, aber die gestrige Reaktion des Marktes auf die Rede des FED-Chefs Bernanke hat mich etwas verwundert. Immerhin hat er einen für einen längeren Zeitraum sehr niedrige Leitzinsen signalisiert. Der schwache Arbeitsmarkt und die niedrige Inflation rechtfertigen eine anhaltende Unterstützung der Konjunktur durch die US-Notenbank, sagte Bernanke am Mittwoch vor dem Finanzausschuss des US-Repräsentantenhauses.
Das Land hat nach seinen Angaben bisher 8,4 Millionen Arbeitsplätze verloren, was der stärkste Rückgang seit der großen Depression sei. Die Arbeitslosigkeit wurde vom FED Chef folgerichtig als das größte Problem geschildert und das es unsicher sei, wann eine Gegenbewegung am Arbeitsmarkt beginnen würde. Dies sind keine volkswirtschaftlich gesunden Aussagen und vor allem gab es keine Aufmunterung von Bernanke, wann mit der ersehnten Erholung zu rechnen sei. Aber offenbar wollten die Handelsteilnehmer nur hören, dass die Zinsen am Boden fixiert bleiben, und das genügte, um die Indizes nach oben zu schieben. Vor allem Banken, die von geringen Zinsen wegen der günstigen Refinanzierung profitieren, gehören heute zu den Kursgewinnern.
Solarbranche gewinnt etwas Zeit
Die schwarz-gelbe Koalition hat sich am vergangenen Dienstag auf die geplante und avisierte Kürzung der Solarförderung geeinigt. Damit soll bekanntlich eine zu hohe Förderung verhindert und die langen Folgekosten gesenkt werden. An einer Kürzung führt offenbar kein Weg vorbei, denn sonst würden die Kosten aus dem Ruder laufen. Eine Überraschung war höchstens die verbesserte Förderung für Eigenheimbesitzer. Die neue Förderungsrichtlinie gilt erst ab Juli und damit drei Monate später als vorgesehen. Dadurch gewinnt die Solarbranche wertvolle Zeit und könnte nun vor einer kurzen Sonderkonjunktur" stehen. Trotzdem war das Geheule der Lobbyisten natürlich groß. Ich will hier und heute keine neue Debatte über die Vor- und Nachteile der Förderung anstoßen. Prinzipiell ist nichts gegen die Förderung einzuwenden, denn immerhin musste auch die Atomindustrie über lange Jahre angefüttert" werden. Meiner Meinung nach zeigt die Kürzung der Förderung sogar die steigende Wettbewerbsfähigkeit der Branche (und nicht nur den staatlichen Geldmangel). Offenbar wir die Nutzung der Sonne zur Energiegewinnung sogar schneller effizient, als wir es uns vor mehreren Jahren noch erhofft hatten. Dies hat auch der Vorstandschef der Bonner Solarworld AG, Frank Asbeck, vor einigen Wochen zugegeben, als er sich für eine Verringerung der Einspeisevergütung aussprach. Wegen des Solarbooms können die Anlagen heute viel günstiger als noch vor einigen Jahren produziert werden.
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