Maschinenstürmer

in Traders Daily
vom


von Michael Vaupel

*** Japan ist durchaus wieder interessant geworden. Die volkswirtschaftlichen Kennzahlen sehen zwar nicht überragend aus – aber solide. Beispiel Wirtschaftswachstum: Das lag im zweiten Quartal 1,1 % über dem Vorjahreswert. Auf den ersten Blick alles andere als beeindruckend. Aber wenn Sie bedenken, dass die japanische Wirtschaftsleistung letztes Jahr zwischen März und September schrumpfte, dann ist dieses Plus ein sehr gutes Zeichen. Es gibt weitere, kleinere News, die dafür sprechen, dass Japan wieder auf dem richtigen Weg ist: Die Zahl der Unternehmenspleiten ist gegenüber dem Vorjahr um 9 % zurückgegangen. Das spricht für wirtschaftliche Gesundheit. Und die Bewertungen japanischer Aktien sind noch nicht sehr hoch. Ein Japan Bonus-Zertifikat (wie ich es in "Optionsschein-Profits" empfohlen habe) ist deshalb keine schlechte Idee.


*** Aber richtig ins Schwärmen komme ich aktuell unverändert in erster Linie bei China! Was für eine Kraft diese Volkswirtschaft hat ...

China expandiert weiter – und zwar verstärkt über seine halbstaatlichen (oder auch vollstaatlichen) Unternehmen, die im Ausland auf Einkaufstour gehen. In erster Linie wollen sie die Kontrolle über Rohstoffvorkommen erlangen (würde ich genauso tun). So kauft gerade die Ölgesellschaft "China National Petroleum (CNPC) das Ölunternehmen PetroKazakhstan. Kostenpunkt: Mal eben 4,2 Mrd. Dollar. Aber kein Problem: China hat durch den riesigen Handelsbilanzüberschuss im Handel mit den USA jede Menge Dollar. Zu Jahresende 2004 waren es rund 400 Mrd. Dollar, aktuelle Schätzungen sprechen bereits von rund 700 Mrd. Dollar. Die Einkaufstour kann (und wird, meine Prognose) also weitergehen! Und dieses Geld wandert nicht wie in den USA in den Konsum, sondern in strategische Rohstoffvorkommen.

*** Heute ist einer dieser Tage, an denen ich meinem Kollegen Christoph Amberger in seinen Ansichten einmal zustimmen muss (in solchen Fällen frage ich mich immer, ob ich etwas übersehen habe). Nicht unbedingt seinem Musikgeschmack, aber dem Rest.

Er bezeichnet sich in seinem Beitrag (siehe unten) übrigens als "Luddit". Da ich diesen Begriff nicht kenne, hat mich das natürlich neugierig gemacht ...

Inzwischen habe ich mich schlau gemacht. Sehr interessant! Also, hier die Definition aus der "Microsoft Encarta Enzyklopädie Professional":

"Ludditen-Unruhen, in den Jahren 1811/12 und 1816, in der Anfangsphase der industriellen Revolution, in Großbritannien ausgebrochene Unruhen, ausgelöst von Arbeitern aus dem Textilgewerbe, die durch die Industrialisierung und Mechanisierung ihre nichtindustrielle Arbeit gefährdet sahen. Diese so genannten Ludditen schlossen sich zu Gruppen zusammen, drangen nachts in die neu entstehenden Textilfabriken ein und zerstörten die Web- und Spinnmaschinen. Erstmals wurden im Dezember 1811 in der Nähe von Nottingham Maschinen zerstört; die Übergriffe breiteten sich bald auch auf Lancashire, Yorkshire, Derbyshire und Leicestershire aus. Da sie niemals Gewalt gegen Menschen anwendeten, stießen die Ludditen in der Bevölkerung auf breiten Zuspruch. 1812 wurde auf Befehl des Industriellen Horsfell eine Gruppe Ludditen niedergeschossen; wenig später wurde Horsfell selbst in einer Vergeltungsaktion ermordet. Daraufhin ordnete die Regierung unter Lord Liverpool harte, repressive Maßnahmen gegen die Ludditen an, die 1813 in einem Massenprozess gegen Ludditen gipfelten."

Aber wer kennt heute noch die Ludditen (im Deutschen Bund damals auch "Maschinenstürmer" genannt)? Offensichtlich sind sie zur Fußnote der Geschichte geworden. Ein Hinweis darauf, dass es nichts bringt, sich gegen eindeutige wirtschaftliche Trends zu stellen ... besser ist es da, sich so zu positionieren, dass man von ihnen profitiert (aktuell: China und Rohstoffe).

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!

Michael Vaupel

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Michael Vaupel
Michael Vaupel

Michael Vaupel ist einer der führenden Rohstoff- und Derivate-Experten. Bereits während seiner Studienzeit hat er als Finanzjournalist und Analyst gearbeitet.

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