Marktlage: Russell 2000 konsolidiert
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 27. Januar 2011, 17:00 Uhr
ENL5454
es ist wieder einmal Donnerstag und damit Zeit für den Marktbericht aus technischer Perspektive.
Eins vorab: Auch heute gibt es nicht viel neues zu berichten, denn die Märkte sind immer noch mittelfristig überkauft und zeigen nicht wirklich ein Anzeichen von signifikanter Stärke oder Schwäche.
Betrachten wir jedoch die Dinge der Reihe nach und werfen zunächst einen Blick auf den Russell 2000 Index:
Quelle: stockcharts.com
Wie Sie unschwer im obigen Tageschart des Russell 2000 erkennen können, fiel der Kurs in der letzten Woche vorübergehend unter die eingezeichnete Unterstützung. Jedoch gelang es ihm, diese wieder zu erobern.
Auch der RSI stieg wieder über die 50er Linie und es ist insgesamt gut möglich, dass der Russell 2000 hier nur eine kleine Korrektur hinlegte, denn insgesamt bleiben die Märkte relativ stark (wie ich Ihnen in den folgenden Abschnitten gleich noch aufzeigen werde).
Betrachten wir jedoch zunächst einmal den aktuellen Tageschart des S&P 500:
Quelle: stockcharts.com
Ein schneller Vergleich des Preisverlaufs der letzten 10 Kerzen zeigt, dass der S&P 500 sich hielt, während der Russell 2000 nachgab. Betrachtet man den S&P 500 als Vertreter für den breiten Markt und den Russell 2000 als weltweit den Takt angebenden Vetreter für das Nebenwertesegment, so lässt sich dies auch als vorübergehende Underperformance der Nebenwerte gegenüber dem Gesamtmarkt beschreiben (hierzu hatte ich ja in der letzten Ausgabe schon etwas kurz geschrieben).
Dementsprechend verwundert folgendes auch nicht, wenn wir uns den Chart der relativen Stärke der Nebenwerte gegen den Gesamtmarkt ansehen:
Quelle: stockcharts.com
Der Chart zeigt es klar und deutlich (wie von mir auch textlich gekennzeichnet): Ziemlich mit dem Beginn des Jahres 2011 endete die monatelange Outperformance der Nebenwerte vorübergehend. Solche Phasen sind selbst bei hoher relativer Stärke normal. Sie können sich dies wie eine Art "Luftholen" vorstellen. Stellen wir uns vor, der S&P 500 und der Russell seien Pferde auf einer Rennbahn. Das Pferd, das stets dem anderen schneller vorausläuft, braucht eher einmal eine Pause. Ähnlich verhält es sich an den Märkten.
Was die Situation ein wenig besonders macht ist, dass die breiten Märkte eben sehr überkauft sind und eine Schwäche im Nebenwertebereich oftmals auch als ein Beginn von abnehmender Risikobereitschaft, welche später bis zu einer Korrektur führen kann, betrachtet werden kann. Das ist bisher natürlich alles theoretisch, jedoch zeigt die Geschichte, dass manch eine Korrektur mit Schwächen in "risikoreicheren" Bereichen begann und sich dann auf den breiten Markt übetrug.
Grund genug also, sich auch heute wieder einmal die marktinternen Indizes genauer anzusehen.
Was sagen die marktinternen Indikatoren?
Wie ich schon im einleitenden Teil des heutigen Marktberichts angedeutet habe, hat sich in den breiten Märkten nicht allzu viel getan. Ein Blick auf den New York Stock Exchange Bullisch Prozent Index (kurz: NYSE BP Index oder NYSE BPI) spricht für sich:
Quelle: stockcharts.com
Wie auch die vergangenen Wochen ist der Index auch diese Woche kaum verändert und ist immer noch klar und deutlich im überkauften Bereich. Ein paar Nachkommastellen ist der Index inzwischen zurückgelaufen, aber er ist aktuell weit von irgendeinem signfikanten Umschwung entfernt. Hier gibt es also nicht wirklich etwas neues.
Ergänzend möchte ich mit Ihnen heute auch noch einen Blick auf den VIX werfen.
Beim VIX handelt es sich um den Volatilitätsindex des S&P 500, ähnlich dem, was der VDAX für den DAX darstellt. Die Volatilität des S&P 500 wird anhand eines standardisierten Vorgehens gemessen, worauf ich an dieser Stelle des Umfangs, der Übersicht und der Einfachheit halber nicht näher eingehen möchte. Mehr Informationen hierzu finden Sie jedoch im Internet, wenn Sie beispielsweise bei der Suchmaschine Ihrer Wahl nach "VIX, calculation" oder ähnlichen Begriffen suchen. Auch hat mein ehemaliger Kollege hier beim Investor Verlag, Alexander Hahn, einen einführenden Artikel zum VIX verfasst ("Der VIX-Index: Angstbarometer und Portfolioversicherung"), den Sie hier finden können.
Der VIX wird also auch als ein "Angst-Barometer" der Anleger bezeichnet (siehe verlinkter Artikel). Vereinfacht gesagt gilt dabei: Steht er tief, machen sich die Anleger kaum Sorgen, steht er hoch, ist die Panik groß.
Damit bleibt die Frage zu klären, wo er im Moment steht? Der folgende Chart gibt die Antwort:
Quelle: stockcharts.com
Wie Sie im obigen P&F-Chart sehen können, ist der VIX schon einige Monate im Abwärtstrend. Zuletzt machte er mit dem Jahresbeginn ein paar kleine Andeutungen in Richtung bärischer Widerstandslinie, konnte diese jedoch nicht brechen. Aktuell fiel er sogar wieder und scheiterte damit erneut.
Aufkommende Angst im Markt sieht jedoch völlig anders aus. In solchen Fällen schießt der VIX förmlich nach oben (man betrachte sich nur einmal die X-Säulen auf der linken Seite des Charts, um einen kleinen Eindruck zu erhalten).
Es lässt sich also festhalten, dass die Märkte nicht nur relativ überkauft sind aus technischer Sicht, sondern die Mehrheit der Anleger nach wie vor relativ sorgenlos an den Märkten unterwegs ist.
Dies zeigt m.E. klar die Notwendigkeit, weiterhin besonders wachsam zu sein. Verwechseln Sie meinen Appell zu Wachsamkeit jedoch bitte nicht mit bärischer Grundhaltung. Ich bin betrachte die Märkte weiterhin ausdrücklich positiv und bin auch für das Jahr 2011 insgesamt positiv gestimmt. Ich denke nur, dass eine Korrektur in nächster Zeit relativ wahrscheinlich sein könnte, und es wäre schade, hier unnötig Geld zu verlieren.
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