Marktlage: Indikatoren erhalten ersten heftigen Schlag...
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 21. April 2009, 16:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
gestern erhielt nach längerer Zeit der NYSE BPI erstmals wieder einen ordentlichen Schlag. Auch der VIX schoss relativ heftig (über 5 Punkte) wieder in die Höhe.
Insgesamt befinden wir uns, wie ich bereits die letzten Tage immer wieder schrieb, auf einem relativ hohen Level, was den Marktzustand gemessen am NYSE BPI angeht. Es ist gut möglich, dass sich dieser Level noch etwas halten wird, aber sollte der NYSE BPI unter 58 fallen, wäre das ein alarmierendes Zeichen.
Die nächsten Tage dürften also sehr spannend werden. Es ist auf jeden Fall Zeit, den bullischen Dornröschenschlaf (sofern überhaupt auf Sie zutreffend) zu beenden und etwas wachsamer zu werden.
Noch gibt es keinen Grund für Panik. Stellen Sie sicher, dass Ihre Stops eng genug sind und beobachten Sie die Lage. Wenn es Ihnen noch eiskalt den Rücken herunterlaufen sollte, wenn Sie an die letzte Abwärtswelle denken, so kann es vielleicht Sinn machen, ein paar instabilere und schwächere Positionen zu schließen und hier die Profite aus der Rallye mitzunehmen.
Prinzipiell würde ich sichern und die nächsten Tage abwartend beobachten. Es ist gut möglich, dass der NYSE BPI die nächsten Tage nochmals steigt und hier nur etwas ins "Stottern" gerät. Insgesamt gesund ist jedoch auch solch eine Entwicklung nicht...
Mehr zur fundamentalen Marktlage finden Sie weiter unten.
Zunächst einmal ein Blick auf die aktuellen Charts von gestern:
Abb.: P&F Chart des NYSE BPI
Sollten wir hier einen NYSE BPI bei 58 sehen, wäre dies eine neue O-Säule und sicherlich recht hässlich für den Gesamtmarkt. Wir werden sehen, ob es bereits jetzt dazu kommt...
Abb.: P&F Chart des VIX
Charttechnisch sieht die Entwicklung hier noch nicht so schlimm aus. Bezeichnend ist nur, dass der Sorgenstand der Marktteilnehmer bzw. deren Angst auf einem Rekord-Tiefstand war seit Mitte 2008. Meist sind es die Momente, in denen die Masse nachlässig wird, die in neue Turbulenzen führen. Aber ob wir soweit sind, ist es noch zu früh zu beurteilen. Auffällig ist aber auf jeden Fall der rasante Anstieg um über 5 Punkte...
KURZ-UPDATE: Fundamentale Marktlage
Eins der beherrschenden Themen der letzten Tage war sicherlich die gewaltige Nebelgranate der "Bankgewinne", die man versucht hat zu verbreiten. Es würde den Rahmen dieses Newsletters sprengen, wenn ich dies in einem Marktkommentar wie diesem versuchen würde abzuhandeln, aber m.E. ist hier eine der größten Nebelaktionen im Gange (und solch eine Aussage würde ich nicht ohne verschiedene Gründe machen), die manch ein Anleger je gesehen haben dürfte. Ich würde sogar soweit gehen und sagen, dass in einigen Abteilungen in Washington die nackte Panik herrschen dürfte und man daher verzweifelt zu solchen "Euphorisierungsversuchen" greift. Die Kehrseite hiervon wird sein, dass damit die letzten Vertrauensreste zerstört werden, wenn die Dinge wirklich schlecht laufen.
Werfen wir aber zur Abwechslung mal einen Blick nach Deutschland:
Auch unser (zuletzt durch seinen groben Pöbelton) international aufgefallene Finanzminister hat langsam immer mehr Probleme. Waren bisher im Januar und Februar diesen Jahres nur Auktionen für längerfristige Schuldentitel (etwa 10 Jahre Laufzeit) der BRD gescheitert, ist nun auch eine erste Auktion am Geldmarkt im kurzfristigen Bereich knapp gescheitert (hier ging es nur um eine Laufzeit von sechs Monaten).
Das alleine lässt sicher noch keinen Staat über die sprichtwörtliche Klinge springen, aber warnende Zeichen sind es auf jeden Fall.
Wenn ich mir die Gesamtsituation ansehe, so habe ich den Verdacht, dass es die nächsten Wochen an den Märkten wieder etwas spannender werden dürfte. Wir werden sehen...
Beste Grüße
Alexander Hahn

