Marktbetrachtung (Fortsetzung)
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 19. Oktober 2009, 16:00 Uhr
ENL5454
(Fortsetzung des obigen Artikels)
Während der NYSE-Index (als externer Markt betrachtet) letzte Woche ein neues Jahreshoch erreichen konnte, haben im gleichen Zeitraum viele Aktien dieses Index Point & Figure-Verkaufssignale gegeben. Der erneute Ausbruch wurde also von weniger „tragenden Schultern" gestemmt. Zusammen mit der schwachen Umsatzentwicklung deute ich dies derart, dass sich zumindest kurzfristig ein Teil der von institutionellen Anlegern verwalteten Liquidität aus dem Markt zurückzieht.
Das alleine bedeutet jedoch noch nicht, dass wir vor einer größeren Korrektur stehen. So einfach funktioniert die Börse leider nicht.
Abb.: NYSE Summation Index (www.stockcharts.com)
Der NYSE Summation Index misst ebenfalls, wie „gesund" Bewegungen (v.a. neue Hochs und Tiefs) im NYSE-Index sind. Dazu werden, ähnlich wie beim Advance and Decline Indikator, die Anzahl der steigenden und die Anzahl der fallenden Aktien verrechnet und die jeweiligen Tagesergebnisse zusammen addiert.
Die bärische Divergenz im obigen Chartbild bestätigt die technische Schwäche dieses neuen Jahreshochs. Beachten Sie bitte, dass die US-Indizes nach der letzten bärischen Divergenz dieses Index im Juni 2009 knapp 10% fielen.
Abb.: P&F Chart des Volatilitätsindex VIX
Beim Volatilitätsindex VIX hat sich letzte Woche nicht neues ergeben. Er befindet sich immer noch im Rückwartgang und macht bis dato keine Anzeichen einer neu einsetzenden Verkaufssangst.
Abb.: Weekly-Chart des VIX
Einzig und alleine das MACD-Kaufsignal, sowie die bullische Divergenz lassen erahnen, dass der Index wohl bald seinen Boden erreicht haben dürfte. Diese Divergenzen müssen jedoch durch technische Trendbrüche des Index erst einmal bestätigt werden.
Abb.: Ratio Chart von Gold und dem S&P 500, abgebildet durch die ETFS GLD und SPY
Ein interessantes Kaufsignal gab es letzte Woche im wöchentlichen Ratiochart zwischen Gold und dem S&P 500. Der MACD hat aus einem überverkauften Bereich ein Kaufsignal gegeben. In der Vergangenheit folgte solch einem Kaufsignal häufig eine deutliche Outperformance des gelben Edelmetalls gegenüber den US-Aktienindizes.
Abb.: Weekly-Chart des Öpreises in USD (Light Crude)
Wie Sie im oberen Chartbild erkennen können, gelang dem Ölpreis letze Woche der Ausbruch über die Marke von $75. Das ist umso erstaunlicher, weil diesem Ausbruch eine „Bärenfalle", d.h. eine charttechnische Situation, in der viele Trader auf fallende Kurse gesetzt hatten, vorausging.
Abb.: Daily-Chart des Ölpreises in USD (Light Crude)
Abb.: P&F Bullish Percent Index des S&P Energiesektors
Von dem gestiegenen Ölpreis konnte natürlich auch der Energiesektor stark profitieren. Dem obigen BPI gelang ein Reversal zurück in eine X-Spalte auf hohem Niveau.
Traden Sie, wenn die Gewinnchancen auf Ihrer Seite sind
Statt der üblichen Zusammenfassung möchte ich heute versuchen, Ihnen meinen Handelsansatz etwas näher zu bringen. Woche für Woche lesen Sie meine Einschätzungen zum Gesamtmarkt, dem internen und externen Markt, sowie zahlreiche Sonderanalysen. Gerade in den letzten Wochen habe ich vor einer möglichen Korrektur der Aktienmärkte gewarnt. Diese ist bis heute nicht eingetreten. Jedoch halte ich meine Warnung weiterhin aufrecht.
Genauso wie jeder andere professionelle Trader auch, habe ich eine Art „Handelsbuch", in dem klar definierte Regeln stehen, wann, wo, warum und mit welchem Ziel ich in eine Position einsteige. Ich versuche dabei, Analysen des internen und externen Gesamtmarktes, des Sentiments, der Zyklik, der Relativen Stärke, aus der Sektorenbetrachtung und der Charttechnik einfließen zu lassen. Nur wenn ich zu dem Ergebnis komme, dass meine Chancen auf Gewinne deutlich größer als meine Verlustchancen sind, steige ich in eine Position ein.
Aufgrund des überkauften Gesamtmarktes verbieten mir meine Regeln, mich momentan breit in den Aktienmarkt einzukaufen. Stattdessen trade ich punktuell long und short und greife auf verschiedene neutrale Strategien zurück.
Ob Sie auf solch einem hohen Niveau der Aktienmärkte in Aktien einsteigen oder nicht, sollten einzig und alleine Ihre Tradingregeln für Sie entscheiden. Handeln Sie mit funktionierendem System, egal wie dieses im Detail aussieht, aber halten Sie sich an Ihre Regeln. Nach jedem abgeschlossenen Trade können Sie ihr Regelwerk ändern und neu anpassen. Aber überhaupt ein Regelwerk zu haben, darin liegt die Kunst des langfristig erfolgreichen Tradings.
Durch die verschiedenen Regelwerke ergeben sich auch viele unterschiedlichen Einschätzungen zwischen den professionellen Händlern. Investor A steigt heute in den Aktienmarkt ein, weil er nur aufgrund fundamentaler Kennzahlen handelt. Trader B ist sehr kurzfristig unterwegs und tradet die deutschen Aktienindizes per CFD im Stundentakt, während Trader C ein selbst programmiertes Handelsprogramm für sich kaufen und verkaufen lässt.
Jeder Investor / Trader handelt nur dann, wenn die Gewinnchancen gemäß seinem System gut für ihn stehen. Gemäß meinem Handelssystem stehen die Gewinnchancen für Longpositionen in keinem Verhältnis zum Risiko, nämlich einer deutlichen Korrektur des Gesamtmarktes.
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die neue Handelswoche.
Beste Grüße
Alexander Hahn
P.S.:
Anbei noch ein kleiner Artikel zum Thema "Insiderverkäufe"...








