Marktbetrachtung: Die Märkte zum Wochenauftakt
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 11. Mai 2009, 16:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
es zahlt sich besonders in Krisenzeiten aus, den Unsinn, der von einigen Regierungsstellen erzählt wird, stets kritisch zu hinterfragen.
Bereits in der Vergangenheit informierte ich Sie darüber, welch blödsinnige Maßstäbe bei den sog. "Stress Tests" für die US Bankenbranche angewendet wurden, und riet Ihnen, diese gesamten Tests zu ignorieren.
Es war nicht schwer zu erkennen, dass die Absicht hinter diesen "Stress Tests" sicher nicht das ehrliche Informieren der Öffentlichkeit über die tatsächliche Lage war, sondern es wiederum nur um Verschleierung ging. Man hätte sich nur ein paar Zahlen ansehen müssen, anstatt denen zu glauben, die seit Beginn dieser Krise seit 2007 alles andere als die Wahrheit sagen und eine schlechte Nebelkerze nach der anderen werfen.
Manche Dinge kommen jedoch wie ein Bumerang zu einem zurück und nun haben die Initiatoren dieser "Nebelkerzen-Aktion" anscheinend ein Problem, denn in den USA wird immer mehr Kritik laut, dass die Stress Tests nicht nur unvernünftig konzipiert seien, sondern dass darüber hinaus die Zahlen, die in ihnen verwendet wurden, kräftig "frisiert" wurden und dass man sogar die betroffenen Banken die jeweiligen Stress Test Ergebnisse selbst aushandeln ließ.
Interessant... Welches "Späßchen" kommt als nächstes, Herr Geithner und Herr Bernanke? Hieß es nicht einmal von Seiten genau dieser Leute, dass das Vertrauen in die Märkte absolut wichtig und notwendig sei für das Überleben des Finanzsystems? Wie wäre es dann zur Abwechslung einmal mit etwas Wahrheit statt solch offensichtlichem Unfug? Bekanntlich soll Vertrauen ja auf Ehrlichkeit aufbauen. Oder müsste dann vielleicht jemand die Zeche für etwas zahlen, was er verursacht hat, aber dafür nicht gerade stehen möchte?
Es zeigt sich wohl wieder einmal, wer das letzte Wort in einigen wichtigen Entscheidungen in den USA spricht und das Thema "Stress Tests" dürfte sich damit wohl endgültig in die von mir letzten Montag beschriebenen Umstände einreihen.
Fassen wir also zusammen: Man hat US Banken gestattet, sich mit stark veränderten, mehr als fragwürdigen Bilanzregeln in vielen Bereichen gesund zu rechnen (Sie erinnern sich an meine wahr gewordene, kleine Geschichte mit dem Turnschuh?). Man hat ihnen Steuergelder in Form von "Rettungspaketen" in den Rachen gestopft, man hat einen Stress Test derart konzipiert, dass man entgegenkommender kaum sein kann (und sich bereits damit bei kritischen Marktkommentatoren der Lächerlichkeit preis gibt) und dennoch ist es immernoch nötig, Zahlen massiv zu frisieren und Ergebnisse "nachzuverhandeln", wenn der Bankmanager "wütend" (siehe Spiegel-Artikel im Link) am Telefon ist? Wer wertet hier eigentlich wen aus und wer diktiert wem die Regeln?
Wer immernoch glaubt, die breite Bankenbranche sei auf gutem Kurs und auf dem Weg zur Gesundung bzw. dass es Zeit sei, hier massiv bullisch zu werden, dem kann ich wohl auch nicht mehr helfen...
In anderen Ländern (also auch bei uns) dürfte es übrigens insgesamt nicht viel besser aussehen, was diese Dinge angeht...
Ich bin gespannt, wie die Anleger hierauf reagieren werden. Wird dies genug Verunsicherung stiften, um den NYSE BPI drehen zu lassen oder ist die kollektive Realitätsverweigerung inzwischen soweit fortgeschritten, dass es noch härterer Nachrichten bedarf?
Marktbetrachtung
Auch am Freitag schritt der NYSE BPI weiter in die rote Zone voran und der VIX sank um 1.39 Punkte. Der Optimismus im Markt ist wirklich extrem und in meinen Augen kaum gerechtfertigt.
Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Markt wieder herunterkommt. Ich erspare Ihnen daher längere Kommentare und lasse Ihnen die Zeit lieber, um sich interessante Short-Gelegenheiten für die nächste Abwärtswelle auf Ihrer Watchlist zusammenzustellen.
Anbei die aktuellen Charts:
Abb.: P&F Chart des NYSE BPI
Abb.: P&F Chart des VIX
Beste Grüße
Alexander Hahn

