Marktanalyse (Fortsetzung)
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 2. November 2009, 16:00 Uhr
ENL5454
Letzte Woche schrieb ich in der Montagsanalyse bei Investoren Wissen von der „magischen Kursmarke" von 10.000 Punkten im Dow Jones. Wie Sie im unteren Monatschart erkennen können, erreichten jedoch auch andere wichtige US-Indizes (wie z.B. der S&P 500) starke Widerstandslinien.
Abb.: Monats-Chart des S&P 500
In den letzten 11 Jahren etablierte sich die Marke von 1100 Punkten als zäher Widerstand und hartnäckige Unterstützung für den Index. Auch dieses Mal, so scheint es, wird es der S&P 500 nicht schaffen, diese Barriere auf Anhieb zu nehmen.
Abb.: Wochenchart des S&P 500
Hinzu kommt, dass genau auf der Höhe von 1100 Punkten eine markante Trendlinie vom Allzeithoch des Index aus dem Jahr 2007 verläuft, welche bis heute nicht gebrochen werden konnte.
Abb.: Tageschart des S&P 500
Wie Sie im oberen Chartbild erkennen können, wurde mit Einsetzen der Korrektur die Unterstützungstrendlinie vom März 2009 nach unten durchstoßen. Gleichzeitig sehen wir, dass in den letzten 6 Wochen die größten Tagesvolumina an schwachen Handelstagen stattfanden.
Doch wie weit werden die Märkte (hier repräsentiert durch den S&P 500) wohl fallen? Die nächste Unterstützungszone befindet sich auf der Höhe von 1025 Punkten. Auf diesem Level drehte der Index Anfang Oktober nach einer kleinen Minikorrektur nach oben. Weiterhin befindet sich knapp unterhalb dieser Zone, bei 1015 Punkten eine starke Unterstützung, nämlich das 38,2% Fibonacci-Retracement. Wird dieses ebenfalls durchbrochen, dürfte der Index spätestens auf dem Level der Hochs vom Juni 2009 bei 950 Punkten Unterstützung finden (gemäß der Devise: „Aus Widerstand wird nach Überschreiten Unterstützung"). Gemessen am jüngsten Hoch des S&P von 1100 entspräche dies einem Kursverlust von ca. 14%, was noch im Rahmen einer normalen Bullenmarktkorrektur wäre.
Shorten, Shorten, Shorten... oder doch nicht?
Abb.: NYSE-Index mit McClellan Oscillator und Summation Index (mit freundlicher Genehmigung von www.decisionpoint.com und www.stockcharts.com)
Bevor Sie jetzt die Ordermaske Ihres Brokers öffnen und anfangen, wild Aktien zu shorten und Put-Optionsscheine zu kaufen, noch ein paar warnende Worte. Kurzfristig sind die Märkte schon stark ausgeblutet. Schauen Sie sich bitte den NYSE McClellan Oszillator aus der oberen Grafik an (der Indikator an zweiter Stelle). Dieser Indikator hat mit einem Wert von -100 das gleiche Überverkauftheitsniveau erreicht, wie zuletzt im November 08 und März 09. Wenn Sie also mit einem einigermaßen gesunden Chance/Risiko-Verhältnis Ihre Trades ausführen wollen, sollte Sie auf ein Durchatmen (in Form von steigenden Kursen) an den Aktienmärkten warten (ich erwarte dies erfahrungsgemäß für den Anfang dieser Woche). Haben Sie jedoch Long-Positionen abzusichern, so sollten Sie nicht länger zögern und diesen Schutz so lange aufrecht erhalten, bis sich die Indikatorenlage insgesamt wieder entspannt hat (natürlich erfahren sie dies bei Investoren Wissen mit als erstes).
US-Optionskäufer sehen noch keine schwarzen Wolken am Himmel...
Abb.: Sentiment der US-Optionskäufer (mit freundlicher Genehmigung von Market Harmonics.com)
Das Sentiment der US-Optionskäufer ist nach wie vor pro-bullisch und muss daher als Kontraindikator (in Form einer kräftigen Korrektur) gesehen werden. Während sich mit Hilfe von VIX-Derivaten schon zahlreiche institutionelle Anleger absichern, notiert das Volumenverhältnis der gekauften Puts zu Calls ebenfalls noch im „Bullish Extreme" Bereich.
Abb.: Volumenverhältnis der gekauften Put und Calls (mit freundlicher Genehmigung von Market Harmonics.com)
Neues vom DAX und Vorsicht bei Goldaktien...
Abb.: P&F Chart des DAX mit 80er-Boxgröße
Der deutsche Aktienindex DAX konnte sich nicht von der Kursschwäche der amerikanischen Aktienmärkte abkoppeln und gab im 80er-Bild sogar ein Verkaufssignal. Ich habe in diesem Fall das 80er Bild deshalb genutzt, weil es nicht derart empfindlich auf Kursschwankungen reagiert wie beispielsweise das 50er Bild und damit auch weniger Kauf-und Verkaufssignale gibt. Da der DAX seit März 2009 erst das zweite Verkaufssignal gibt, sollte diesem eine hohe Bedeutung beigemessen werden. Weitere Kursverluste des deutschen Leitindex sind momentan sehr wahrscheinlich.
Abb.: P&F Ratiochart zwischen einem bekannten US-Goldaktien ETF (GDX) und einem Goldpreis-Tracker-ETF (GLD)
Auch die Goldaktien konnten sich trotz großer relativer Stärke des Goldpreises nicht der Korrektur entziehen. Im P&F Verhältnischart zwischen dem mit bekanntesten Gold ETF der Vereinigten Staaten (GDX) und dem Goldpreis-Tracker-ETF (GLD), kam es zu einem doppelten Verkaufssignal und zu einem Bruch der bullischen Unterstützungslinie (BSL). Somit sollten sich alle Goldaktionäre auf volatile Zeiten einstellen und sich mit diversen Absicherungsvarianten (z.B. über Put-Optionen) auseinanderzusetzen.
Fazit
Diese Korrektur hat sich seit einigen Wochen angedeutet und Sie hoffentlich nicht überrascht. Selbstverständlich bin auch ich kein Hellseher und kann Ihnen deshalb im Vorfeld keine pauschalen Hinweise à la „Kaufen Sie nach, wenn..." geben.
Allerdings zeigen mir meine technischen Indikatoren aktuell an, dass die Korrektur größer ausfallen dürfte als die vergangenen seit Anfang August. 10% bis 15% Verlust in den großen US-Indizes halte ich für realistisch, bevor sich die liquiditätsbedingte Börsenhausse weiter fortsetzen dürfte.
Jedoch würde mich nicht wundern, wenn sich aus dieser Korrektur ein neuer, breiter Abschwung an den Aktienmärkten entwickeln würde, denn damit rechnet im Moment kaum einer. Mich eingeschlossen...
Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Handelswoche.
Beste Grüße







