Mann des Tages: Warren Buffett
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 30. Juni 2006 12:00 Uhr
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*** Kurz zur gestrigen Zinsentscheidung der Fed: Für mich ein "Non-Event": Wie erwartet kam es zur Zinserhöhung von 25 Basispunkten, und weitere Zinserhöhungen behält sich die Fed vor, so sie denn nötig sein sollten (also: die Fed will sich alles offen halten, ist ja auch in Ordnung so!).
*** Endlich mal eine gute Nachricht! Sie werden es wahrscheinlich schon mitbekommen haben (ich erst jetzt, war ja „ausgeknockt“):
Warren Buffett spendet 37 Milliarden Dollar für wohltätige Zwecke.
37 Mrd. Dollar!
37.000.000.000 Dollar. Das entspricht in etwa dem Bruttoinlandsprodukt der drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen. Mit anderen Worten: Buffett spendet einen Betrag, der der jährlichen Wirtschaftskraft dieser drei Staaten entspricht.
Oder, noch ein Vergleichswert: Der von Buffett gespendete Betrag entspricht mehr als dem Dreifachen des JÄHRLICHEN BUDGETS der Vereinten Nationen.
Mit anderen Worten: Wow!
Ich habe den inzwischen 76jährigen Amerikaner Warren Buffett schon immer (nun, sagen wir mal seit Beginn meines Börsenlebens) gewissermaßen verehrt:
Einer der besten Investoren aller Zeiten, und dennoch absolut auf dem Teppich geblieben. Er rennt immer noch in seiner 70er Jahre Hornbrille rum, wohnt immer noch in demselben Einfamilienhaus, das er 1957 zusammen mit seiner Frau in seiner Heimatstadt Omaha im US-Bundesstaat Nebraska gekauft hat. Er spielt Ukulele, mag Hamburger und Cola, verfasst seine Aktionärsbriefe verständlich. Einmal hatte ich über meinen Chef eine Einladung zu einem Treffen mit Warrren Bueffett erhalten (konnte allerdings nicht): Das fand keineswegs in einem der üblichen Business-Tempel statt, sondern im örtlichen „Dairy Queen“ (ganz einfache Eisdiele) seiner Heimatstadt.
Gerade wenn man mit so vielen selbstverliebten Gurus, Luftnummern und aufgeblasenen Investmentbankern zu tun hat (und das ist an der Börse ja nun mal so, ich möchte es gar nicht beklagen, ist ja auch unterhaltsam), tut es unglaublich gut, wenn dann doch einmal eine so ehrliche Haut wie Warren Buffett richtig Erfolg hat, und zwar ausschließlich aufgrund der eigenen Fähigkeiten.
Ich hatte mich allerdings bisher gefragt, was Warren Buffett denn eigentlich von seinem Reichtum hat. Wenn er so lebt, wie er lebt, macht es ja keinen Unterschied, ob er 20.000 oder 20 Mrd. Dollar auf der Bank hat.
Nun wissen wir es. Warren Buffett hat mitgeteilt, dass er seit Jahrzehnten darauf gewartet hat, eine richtig große Spende für einen guten Zweck geben zu können.
Die 37 Mrd. Dollar lässt er – auf einige Jahre verteilt – der Bill Gates Stiftung zukommen. (Übrigens existieren diese 37 Mrd. Dollar in Form von Aktien seiner Berkshire Hathaway-Gesellschaft, und diese Aktien werden übertragen). Bill Gates-Stiftung? Ja, er „spiele Bridge mit Bill und Melinda Gates“, und sei davon überzeugt, dass die beiden es ehrlich meinen.
(Stellen Sie sich das mal vor: Warren Buffett entscheidet beim Kartenspielen, dass er der Stiftung seiner Mitspieler 37 Mrd. Dollar spenden möchte! Solche Skatbrüder/schwestern hätte ich gerne!)
Kurzer Exkurs zu Bill Gates:
Sie wissen ja, Bill Gates hat den größten Teil seines Vermögens in diese Stiftung übertragen, die ausschließlich wohltätige Zwecke verfolgt, aus der Leitung von Microsoft hat er sich zurückgezogen, um sich ganz dieser Stiftung widmen zu können.
Immer wieder erstaunlich, wie viele Facetten die Dinge im Leben haben können….ich habe ja einige Linux-Fans in meinem Bekanntenkreis, die niemals einen Cent für Microsoft-Software ausgegeben hätten, da sie deren Monopol anprangerten. Sah ich ähnlich – nur andererseits: Wenn Microsoft-Gründer Gates die erhaltenen Monopol-Gewinne einer gemeinnützigen Stiftung übertragen hat, dann hat es ja doch sein Gutes gehabt. Indirekt haben die Käufer von Microsoft-Produkten damit diese Stiftung unterstützt.
Und jetzt, wo auch noch Warren Buffett diese Stiftung unterstützt, kann die wirklich was bewegen. Sie kann die jährlichen Entwicklungshilfe-Etats ganzer Industriestaaten klein aussehen lassen. Sie kann hoffentlich wirklich was Positives bewirken. Hoffentlich.
Doch zurück zu unserem Mann des Tages:
Als Warren Buffett seine Entscheidung mitteilte, war er nach eigenen Angaben überglücklich. Seit 50 Jahren sei ihm klar gewesen, dass es nie einen anderen Plan gegeben hätte, was er mit seinem selbst erworbenen Reichtum tun würde. (Natürlich sollen die Enkel ein paar Hunderttausend oder auch „Milliönchen“ bekommen, aber ansonsten soll alles wohltätigen Zwecken gespendet werden.)
Eigentlich habe er gedacht, dass seine Frau Susan länger als er leben würde – doch nach ihrem Tod vollzieht er nun den abgesprochenen Schritt. Respekt. Hochachtung.
Michael Vaupel