Manipulieren Short Seller grundsätzlich den Markt?
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 23. November 2009, 20:00 Uhr
ENL5454
Nun beschäftigen wir uns bereits seit einigen Ausgaben - innerhalb einer neuen Reihe - mit den Leerverkaufsaktivitäten. Wir haben uns die Geschichte des Short Selling und die über die Jahrhunderte hinweg eingeführten - und wieder aufgehobenen - Verbote und Restriktionen angesehen. Wir haben uns mit der Funktionsweise der gedeckte und ungedeckten Leerverkäufe beschäftigt. Wir haben uns die Risiken, welche vom Naked Short Selling ausgehen, angesehen. Und wir haben uns ansatzweise damit beschäftigt, warum Leerverkäufe für die Finanzmärkte wichtig sind.
Doch, trotz der wichtigen Funktionen, die Leerverkäufer für die Finanzmärkte erfüllen (und aufgrund derer Verbote und Restriktionen im Laufe der Geschichte auch immer wieder aufgehoben worden sind) haftet dem Short Selling weitläufig ein negativer Beigeschmack an.
Der Grund dafür ist, dass Leerverkäufern oft vorgeworfen wird, den Markt zu manipulieren.
Manipulative Taktiken sind immer möglich
Grundsätzlich ist es allen Marktteilnehmern möglich manipulative Taktiken einzusetzen - das muss man schon so sagen.
Marktteilnehmer, die Long-Positionen halten, könnten zum Beispiel falsche, positive Gerüchte streuen, um den Aktienkurs nach oben zu drücken und schließlich zu einem hohen Preis zu verkaufen.
Das Gleiche - im umgekehrten Sinn versteht sich - können natürlich auch Short Seller tun. Allerdings können Short Selling-Aktivitäten eine höhere Kursvolatilität hervorrufen. Was zu der Annahme führt, dass Short Seller, welche zu manipulativen Taktiken greifen, einen größeren Schaden anrichten, als die übrigen Marktteilnehmer.
Wenn man aber davon ausgeht, dass Short Selling-Aktivitäten, abnormale Kursverluste zur Folge haben, dann bedeutet dies nicht nur, dass Leerverkaufsaktivitäten zu höheren Kursschwankungen führen, sondern eben auch zu einer effizienteren Preisfindung beitragen.
Ist Short Selling manipulativ?
Von der obigen Argumentation ausgehend, ist der springende Punkt folgender: sollte Short Selling tatsächlich einen manipulativen Charakter aufweisen, muss davon ausgegangen werden, dass die Leerverkaufsaktivitäten einen Kursrückgang forcieren oder prognostizieren.
Tatsächlich ist man innerhalb der Wissenschaft allerdings geteilter Meinung in Bezug auf diese These. Einige Wissenschaftler gehen stattdessen nämlich sogar davon aus, dass Short Selling-Aktivitäten einem Kursrückgang eher folgen, anstatt ihn auszulösen.
Wenn man die Frage danach, ob Short Selling manipulativ ist, beantworten will, muss man sich folglich zunächst die Frage nach der Kausalität stellen.
Im 2.Teil habe ich für Sie einige Meinungen aus der Wissenschaft zu diesem Thema zusammengetragen.....
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Oliver (24.11. 2009 14:07 Uhr):
Das sehe ich überhaupt nicht so. Der Preis eines Gutes (sei es einer Immobilie oder einer Aktie) richtet sich in der Marktwirtschaft nach Angebot und Nachrage. Wenn es z.B. mehr Wohnraum gibt als nachgefragt wird, dann sinken logischer Weise die Preise und wenn es weniger Wohnraum gibt als nachgefragt wird steigen die Preise. Der Markt stellt das Gleichgewicht her, indem es entweder bei hohen Preisen interessant ist neuen Wohnraum zu schaffen oder es eben nicht zu tun, wenn die Preise nicht interessant genug sind. Bei nackten Leerverkäufen von Aktien wird ein Angebot geschaffen, dass es eigentlich nicht gibt und damit künstlich die Preise gedrückt. Kein Mensch würde auf die Idee kommen, Immobilien zu verkaufen, die es nicht gibt, um die Preise zu drücken und dann behaupten, dass das einer fairen Preisbildung dient ... Daher sind für mich nackte Leerverkäufe eine reine Kursmanipulation und nichts anderes. (Selbst bei gedeckten Leerverkäufen wird eigentlich ein Angebot geschaffen, dass eigentlich nicht existiert.)
Antworten - Kommentar von Holger Lamberts (27.11. 2009 16:07 Uhr):
Liebe Frau Kraus, wie der folgende Kommentar von Oliver richtig bemerkt, steigen Preise, beginnt die Inflation wenn die Waren knapp werden. Solange Produzenten produzieren und ihre Waren im Wettbewerb an den Mann bringen, bleiben die Preise stabil und auch die größte Geldmenge kann nur Blasen aufblähen und zum Plazten bringen. Erst wenn Platzende Blasen die Betriebe lahm legen oder via Short-Shelling aufgeblasene Rohstoffblasen den Rohstoffnachschub für die Industrie blockieren, erst dann droht eine Iflation, die dank der derzeit rotierenden Geldmenge eine Hyperinflation werden müsste. Haben sie mal nachgedacht über den Einfluß von Leer-Angeboten und Leer-Nachfragen auf den Warenfluss ?? Hier drohen die Gefahren, die durch alle Leerverkäufe zusätzlich verschlimmert werden. Mfg. Holger Lamberts
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