Mammut-Rückzahlung
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 1. Juli 2010, 08:30 Uhr
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heute ist es so weit: Die Banken der Euro-Zone müssen der Europäischen Zentralbank (EZB) Kredite im Wert von 442 Milliarden Euro zurück überweisen - ein Test für die Finanzbranche. Die EZB lässt damit eine wichtige Notmaßnahme der Finanzkrise auslaufen: Die Banken hatten im vergangenen Sommer für die ungewöhnlich lange Zeit von einem Jahr Geld von der Zentralbank zum günstigen Zins von einem Prozent geliehen. Es handelte sich seinerzeit um die höchste von der EZB jemals vergebene Kreditsumme.
Nebenbei bemerkt fiel der Ausleihungszeitpunkt damals sicher nicht zufällig mit dem Start der Sommerrally 2009 an den Aktienmärkten zusammen. Mit billigem Geld wird eben immer gern auf Kredit gezockt. Wenn`s schiefgeht, springt ja (noch) der Steuerzahler ein. Im Vorfeld des Rückzahlungstermins kam es nun zu Kurseinbrüchen am Aktienmarkt. Da merken Sie schnell, wie Börse (neben anderen Einflussfaktoren) wirklich funktioniert. Nun wird die bereitgestellte Liquidität allerdings nicht komplett abgeschöpft, sondern die Banken konnten sich gestern als Ersatz für das auslaufende Jahresgeld in beliebiger Höhe Dreimonatsgeld von der EZB zu einem Prozent sichern. Im Endeffekt hat sich also nur die Fristigkeit geändert.
Da dürften vor allem Banken in Griechenland, Spanien, Irland und Portugal, die kaum noch Geldmarktkredite erhalten, beherzt zugegriffen haben. Diese Institute hängen jedoch mittlerweile komplett am kurzfristigen Refinanzierungstropf der EZB und wären ohne diesen kaum mehr lebensfähig. Eigentlich müssten diese Institute geschlossen oder von den entsprechenden nationalen Regierungen refinanziert werden. Für die letztgenannte Maßnahme dürfte den betroffenen Staaten die Mittel fehlen. Die erstgenannte Maßnahme würde hingegen das riesige Bankenproblem in der EU offensichtlich (und womöglich unbeherrschbar) machen. Pest oder lieber Cholera? Ich denke, die EZB wird sich stattdessen weiter fürs „unter den Teppich kehren" entscheiden. Solange es eben geht.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Dr Y M Oebike (01.07. 2010 10:13 Uhr):
Hallo, Herr Voigt, Sie schaffen es in aller Regel, Ihre Börsen-Kommentare nicht zu lang und nicht zu kurz zu halten, sodass es sich selbst und gerade für Berufstätige meistens lohnt, sich die Zeit für sie (Ihre Komm.) zu nehmen (besonders eine Ihrer Kolleginnen tut sich im Kurzfassen etwas schwer). M.fr.Grüßen und viel Erfolg, Oebike.
Antworten - Kommentar von Klaus Keil (15.07. 2010 15:25 Uhr):
Sehr geehrter Herr Voigt, für den publizistischen Aufwand, der um die sogen. "Mammut-Rückzahlung" von über 400 Mrd. EUR gemacht wurde, ist das Thema quasi von einem zum anderen Tag von der publizistischen Agenda aller Börsen-Info-Dienste verschwunden. Was ist denn nun passiert? Alles zurück gezahlt? Nur umgeschuldet? Nichts zurück gezahlt? Jedenfalls scheinen rd. 400 Mrd. heutzutage keinerlei Auswirkungen welcher Art immer zu zeigen. Oder irre ich mich da? MfG
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