Mal Sesamstraße spielen: Wer, wie, was ist der Josefs-Pfennig?

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Im Zusammenhang mit der Finanzkrise und auch aktuell im Hinblick auf die extrem hohe Staatsverschuldung vieler Nationen fällt des Öfteren der Begriff des "Josefs-Pfennigs". Ich selbst bin diesem Begriff heute das erste Mal begegnet, als mein Kollege mich danach fragte. Und ich habe recherchiert, denn eine erste kurze Erklärung weckte mein Interesse.


 

Grundsätzlich stellt sich im Bezug auf den Josefs-Pfennig die Frage: Wenn der heilige Josef im Jahre Null für seinen Sohn Jesus ein Sparbuch mit nur einem Pfennig Einlage bei 5% Verzinsung bei einer Bank angelegt hätte und diese dort belassen hätte, wie viel wäre dann heute auf diesem Sparbuch? Eigentlich eine ganz einfache Zinseszinsrechnung.

 

Die Formel lautet: Kn = K0 x (1 + (p/100))n

 

Das eingesetzte Kapital 0 wird also mit dem 100ertstel des Zinssatzes plus eins hoch der Anzahl der Jahre multipliziert. Doch das Ergebnis ist ebenso beeindruckend wie fatal: So hätte Josefs Bank beispielsweise im Jahre 1466 bereits einen Goldklumpen in Größe der Erdkugel als Zinsen auszahlen müssen!

 

Gut 500 Jahre später, im Jahre 1990 wären  es bereits 134 Mrd. goldene Erdkugeln gewesen, welche man hätte auszahlen müssen. Und im Jahr 2000: 200 Mrd. goldene Erdkugeln. Und das für nur einen Sparer.

 

Fazit dieses Szenarios: Eine Rückzahlung der zinsesverzinsten Einlage ist nicht möglich; die Bank wäre pleite! Werden wir jetzt mal allgemeiner, dann zeigt sich wie der Gedanke weitergesponnen werden kann: In der Lebenswahrheit haben wir es mit vielen Millionen Anlegern und wesentlich höheren Beträgen zu tun. Weshalb man schnell zu dem Schluss kommen kann, dass der Zusammenbruch eines Zinssystems eigentlich viel früher kommen müsste als im obigen Beispiel.

 

Zahlreiche Ökonome und auch Philosophen debattieren nun über die Frage: "Wann wird dieses System zusammenbrechen?" Viele sind sich sicher, dass ein Zinssystem eigentlich nach spätestens drei Generationen Laufzeit notwendigerweise zusammenbrechen muss! Denn es müssen ja nicht nur für die Sparbücher privater Anleger, sondern auch für aufgenommene Kredite bezahlt werden.

 

Dieser Sachverhalt ist den Verantwortlichen natürlich bekannt, und durch die Geschichte exakt bestätigt. Bedenkt man die letzte katastrophale, in einen Weltkrieg mündende Wirtschaftskrise setzte Ende der Zwanzigerjahre des 20. Jahrhunderts ein, die nächste kam wieder rund 80 Jahre später) "Das Ziel der Verantwortlichen geht dahin, die zur Verfügung stehende Zeitspanne geeignet auszunützen, d.h. maximale Gewinne zu erzielen, selbstverständlich auf Kosten der einfachen Steuerzahler, die nach dem Zusammenbruch des Systems auf dem Scherbenhaufen sitzen bleiben", gibt Arnim Becker auf der österreichischen Homepage "Finanzchrash.at" zu bedenken.

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Cindy Bach
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Kommentar von Klemens

Der "Josefs-Pfennig" ist ein schönes Beispiel dafür, was passiert, wenn man mathematische Formel unter Missachtung der in der Naturgesetze anwendet. Jeder Gymnasiast lernt - nein - die Missionare des Josefs-Pfennig haben es vom Lehrer nur gehört, daß man die Ergebnisse mathematischer Gleichungen nur unter bestimmten Umgebungsbedingungen als gültig annehmen darf. So war ein bestimmtes Ereignis zwar x Jahr vor Christi Geburt, aber eben NICHT als Jesus minus x Jahre alt war ! Und bei der Zinsberechnung sollte eigentlich klar sein, daß zu einem Kredit, welcher ja die Grundlage für die Verzinsung darstellt, immer ZWEI gehören. Eben nicht nur der Geldverleiher, sondern auch der Kreditnehmer. Und obgleich sich mit etwas Mühe immer jemand finden lassen wird, der einen kleinen Kredit zu günstigen Zinsen haben möchte, wird es, je größer die zu verleihende Summe wird, zunächst immer schwieriger, und später dann unmöglich, jemanden zu finden, der alles angebotene Geld haben möchte. Und somit ist es zum einen unmöglich, einen Kredit mit "ewiger" Laufzeit zu erzeugen, Oder anders ausgedrückt: der Josefs-Pfennig ist eine nette Spielerei, taugt aber nicht wirklich als Begründung für eine Regulierung des Zinssystems.

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Kommentar von Eugen Renz

Es sollten noch viel mehr Volkswirtschaftler sich mit diesem Problem beschäftigen. Es ist schon erstaunlich, wie viel über diese Zusammenhänge bekannt ist. Wahrscheinlich auch den Politikern. Aber ein Umsteuern ist wohl (noch) nicht opportun.

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