Mais-Update
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Agrar-Rohstoffe
vom 17. August 2010, 20:00 Uhr
ENL5462
Heute wollen wir uns, wie versprochen, einmal wieder ein Update zu den fundamentalen Rahmenbedingungen des Maismarktes gönnen.
Zu diesem Zweck sehen wir uns einmal an, wie sich die Fundamentaldaten im Vergleich zur Jahresprognose vom 11.02.2010 entwickelt haben.
Stichwort: Angebots- und Nachfragewachstum
Im Mais-Jahresausblick vom 11.02. hier im Rohstoff-Daily schrieb ich, dass das US-Landwirtschaftsministerium für das Erntejahr 2009/10 eine Rekordproduktion in Höhe von 13,05 Milliarden Scheffel erwartet. Tatsächlich gehen die Schätzungen nun von einer US-Produktion in Höhe von 13,11 Milliarden Scheffel in 2009/10 aus. Für 2010/11 wird sogar ein Produktionsvolumen in Höhe von 13,37 Milliarden Scheffel erwartet.
Hoppla, Rekordwerte jagen einander - doch, das ist nur die eine Hälfte der Medaille! Auf der anderen Seite steht nämlich die Nachfrageentwicklung und die zeigt sich ebenso rasant.
Anfang des Jahres erwartete das USDA noch einen Verbrauch in Höhe von 13,12 Milliarden Scheffel für 2009/10 - ein Wachstum von 8,8% gegenüber dem Vorjahr. Doch mittlerweile gehen die Schätzungen von einem Gesamtverbrauch in Höhe von 13,36 Milliarden Scheffel aus - ein Wachstum von fast 11% gegenüber dem Vorjahr. Für 2010/11 wird sogar ein Verbrauch in Höhe von 13,49 Milliarden Scheffel erwartet.
Faktor China und Ethanol
Wie ich gestern schon schrieb, ist China mittlerweile auch zu einem der bedeutendsten Nachfragefaktoren im Maismarkt geworden. Mit einem Angebotsdefzit im aktuellen Erntejahr ist das Land in diesem Jahr verstärkt auf Importe angewiesen - und importiert somit natürlich auch US-Mais. Tatsächlich erwartet das USDA für 2009/10 ein Exportwachstum in Höhe von 7%, aktuell beträgt das Exportwachstum sogar 8%.
Doch es gibt noch einen weitere Faktor, der wesentlich wichtiger für ein stabiles Nachfragewachstum nach Mais ist: der Ethanol-Faktor. Wir alle wissen, die USA, als weltweit größter Mais-Produzent, nutzen als Biotreibstoff am liebsten das aus Mais gewonnene Ethanol. Bereits im vergangenen Jahr flossen so rund 3,71 Milliarden Scheffel US-Mais in die US-Ethanol-Herstellung. Für das aktuelle Erntejahr wird bereits ein Mais-Verbrauch seitens der Ethanol-Industrie in Höhe von 4,5 Milliarden Scheffel vom USDA prognostiziert. Im kommenden Erntejahr soll der Verbrauch sogar auf 4,7 Milliarden Scheffel steigen.
Unterstützend wirken hierbei zudem die Erwartungen, dass die amerikanische Umweltschutzbehörde den Ethanol-Anteil am Treibstoff von aktuell 10% auf bis zu 12-15% anheben wird.
Somit sehen wir also die erwartete grundlegende Tendenz: Ein zwar steigendes Angebot, aber ebenso ein rasantes Nachfragewachstum, mit dem das Angebotswachstum im Moment nicht Schritt halten kann.
Stichwort Lagerbestände
Dieses Nachfragewachstum wirkt sich natürlich auch auf die Lagerbestandsentwicklung aus. Rechnete die US-Landwirtschaftsbehörde im Februar noch für 2009/10 mit einem Endbestandslevel in Höhe von 1,719 Milliarden Scheffel und einer stocks to use ratio von 13%, so sind die Schätzungen mittlerweile deutlich nach unten revidiert worden. Mittlerweile schätzt das USDA für 2009/10 ein Endbestandslevel in Höhe von 1,43 Milliarden Scheffel. Für 2010/11 prognostiziert das Ministerium nur noch Endbestände in Höhe von 1,31 Milliarden Scheffel - dies führt zu einer stocks to use ratio von nur noch 10%. Das entspricht dem niedrigsten Wert seit 2004. Und auch auf der Weltbühne zeigt sich das Endbestandslevel rückläufig. Von 146 Millionen Tonnen im vergangenen Jahr auf 139 Millionen Tonnen in 2010/11, so schätzt das USDA.
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