Mais und die kommende Ernte
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Agrar-Rohstoffe
vom 18. August 2010, 20:00 Uhr
ENL5462
Nachdem wir uns gestern einen Blick auf die aktuellen fundamentalen Rahmenbedingungen zum Maismarkt gegönnt haben, wollen wir uns heute noch ein paar weitere wichtige Faktoren im Zusammenhang mit der kommenden Ernte ansehen.
Gestatten Sie mir zunächst noch einmal einen kurzen Rückblick auf meine Prognose vom 11.Februar dieses Jahres.
Stichwort: Flächenausweitung
In meiner Prognose vom Februar hatte ich besonderes Augenmerk auf die Flächenausweitung gerichtet. In 2008/09 hatten die US-Farmer ihre Maisanbaufläche von 93,5 Millionen Acres im Vorjahr zunächst deutlich bis auf 86 Millionen Acres reduziert, zugunsten anderer Getreide. Doch, wie das so ist im Agrarmarkt, alle Handlungen zeigen alsbald Konsequenzen und Trends kehren sich rasch wieder um.
Im letzten Herbst hatten die US-Farmer ihre Anbaufläche für Winterweizen (Soft Red Winter Wheat, der an der CBOT gehandelt wird) deutlich reduziert. Unter anderem aufgrund dieser Reduktion standen theoretisch ein paar Millionen Acres zur Verfügung für den Anbau anderer Getreidesorten.
So wurde zu Beginn dieses Jahres noch eifrig auf eine deutliche Ausweitung der Maisanbaufläche spekuliert. Die Erwartungen gingen von einer Ausweitung der Anbaufläche auf bis zu 89,5 Millionen Acres (entspricht etwa 36,2 Millionen Hektar) aus.
Schließlich dann die Überraschung: die Anbaufläche wurde nach Schätzungen des USDA auf 87,87 Millionen Acres ausgeweitet. Das entspricht zwar einem Plus von 2% gegenüber dem Vorjahr 2009/10 ist aber immerhin deutlich geringer als angenommen. Ein Faktor der seit Ende Juni mit dazu beigetragen hat die Preise zu unterstützen.
Noch auf ein Wort zum Faktor China
Lassen Sie uns an dieser Stelle noch einmal einen tiefer gehenden Blick auf den Nachfragefaktor China werfen. Wie ich am Montag schon schrieb, schossen Chinas Maispreise auf ein Rekordhoch, da Peking den Maisverkauf aus den Reserven drosselt, was Spekulationen auf stark rückläufige chinesische Lagerbestände zulässt.
So weit so gut...doch lassen wir dies einmal außer Acht und betrachten den Nachfragefaktor China auf zwei Zeitebenen.
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Langfristig
Wir wissen alle: Chinas Wirtschaft wächst, Chinas Wohlstand wächst, die Ansprüche der Chinesen wachsen, damit wächst die Nachfrage nach höherwertigen Lebensmitteln (also auch die Nachfrage nach Fleisch, Milch und Eiern), wodurch automatisch die Nachfrage nach Futtermitteln, also auch die Nachfrage nach Mais wächst.
Im Moment sind unter anderem schwache Ernten dafür ausschlaggebend, dass auch Chinas (Mais)-Importbedarf unerwartet deutlich gestiegen ist. Und - wie jedes Land - bliebe auch China gerne ein reiner Selbstversorger. Doch, das rasante Nachfragewachstum, kombiniert mit Engpässen in der Wasserversorgung und einer in Relation zum Nachfragewachstum knapper werdenden Agrarfläche, lassen eher darauf schließen, dass China kein agrartechnischer Selbstversorger bleiben wird. Schätzungen gehen davon aus, dass China dessen Importbedarf in diesem Jahr auf bis zu 1,7 Millionen Tonnen steigen könnte, bis 2015 rund 15 Millionen Tonnen Mais importieren muss. Das entspricht dem aktuellen Importbedarf Japans.
Natürlich werden wir erst in 5 Jahren wissen, wie hoch Chinas Importbedarf dann tatsächlich ist, aber ich denke wir können davon ausgehen, dass Chinas Getreidenachfrage generell und die Maisnachfrage im besonderen mit Sicherheit weiter steigen wird, was wiederum zu höheren Importen und damit auch langfristig zu steigenden Maispreisen (und Getreidepreisen generell) führen wird.
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Kurzfristig
Neben dieser langfristigen Prognose, sollten wir uns aber auch einen ganz kurzfristigen Blick gönnen. Nun ist Chinas Importbedarf in diesem Jahr generell gestiegen und die staatlichen Reserveverkäufe wurden in dieser Woche gedrosselt.
Wer aber nun glaubt, dass China aus diesem Grund nun sofort weiteren US-Weizen aufkaufen muss, der könnte enttäuscht werden. Denn wenn China kauft, dann zumeist unter Berücksichtigung eines Faktors: der Preise! China ist generell immer versucht preisbewusst zu kaufen. Bis vor einigen Wochen machte es auch durchaus Sinn für die Chinesen in Übersee zu kaufen, denn die heimischen Preise lagen deutlich über den Importpreisen. Doch mittlerweile sind die Maispreise auch in Übersee deutlich gestiegen. Dezember-Mais notiert aktuell über 4,30 US-Dollar pro Scheffel an der CBOT. Das ist jetzt nicht mehr so günstig - vor allem aber im Hinblick darauf, dass auch die US-Exporteure im Moment nur noch mit den Restbeständen aus der alten Ernte dienen können. In diesem Zusammenhang macht es also wesentlich mehr Sinn für China auf die frische Ernte (die in den USA im Oktober beginnt) zu warten und erst dann wieder zu kaufen.
Mit diesen Überlegungen im Hinterkopf würde ich zunächst keine starken Preisausbrecher nach oben erwarten. Dennoch, wie wir heute und in den letzten Tagen gesehen haben, stimmen eine ganze Reihe an fundamentalen Faktoren positiv, was die Preise nach unten absichern sollte und bei entsprechend positiver Nachrichtenlage auch moderate Zugewinne erwarten lässt.
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