Mais-Preise: mein Fazit!
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Agrar-Rohstoffe
vom 19. August 2010, 20:00 Uhr
ENL5462
Heute wollen wir nun den ausführlichen Blick auf den Maismarkt vorerst einmal abschließen!
Nachdem wir uns in den letzten Tagen vornehmlich mit den fundamentalen Rahmenbedingungen und Entwicklungen im Maismarkt beschäftigt haben, möchte ich mich heute nun - wie versprochen - noch einer Überprüfung meiner Prognose vom Februar widmen.
Am 11.02. lautete mein Fazit:
"Alles in allem würde ich aber trotz einer Flächenausweitung mit einem moderaten Plus für die Maispreise in 2010 rechnen. Sollte allerdings nicht mit einer weiteren Rekordernte gerechnet werden dürfen, dann liegt das Potenzial für die Maispreise in 2010 dementsprechend deutlich höher. Beachtenswert ist in diesem Zusammenhang auch die Weizenernte! Sollten die Weizenpreise steigen, dürfte davon auch Mais (zumindest moderat) sozusagen als "Substitutionsgut" profitieren."
Werfen wir nun einen Blick auf die Entwicklung seit Februar:
Dezember-Mais an der CBOT in US-Cent pro Scheffel
Quelle: CFX-Trader
Tja, so weit, so gar nicht mal schlecht! Vom Schlusskurs am 11.02. bei 3,92 US-Dollar ergibt sich bis dato ein Plus von 11,47%. Die vom USDA Ende Juni prognostizierte geringere Ausweitung der US-Maisanbaufläche ist ebenso ein unterstützender Faktor, wie die deutliche Abwärtsrevision der US-Endbestände.
Wobei natürlich gesagt sein muss, dass die starke Aufwärtsbewegung seit dem Tief Ende Juni, auch eine deutliche Korrelation zur Rallye der Weizenpreise aufweist. Unterstützend wirken hier also insbesondere die Dürreperioden (und Brandkatastrophen) in Russland und anderen Teilen Europas, welche zu deutlichen Abwärtsrevisionen der Getreideproduktion generell (aber natürlich insbesondere der Weizenproduktion, da hier die EU und Russland zu den weltgrößten Produzenten gehören) führen. Mais profitiert in diesem Zusammenhang also ebenfalls als Substitutionsgut zu Weizen.
Nun sind Wetterkapriolen natürlich ebenso unvorhersehbar, wie ihre Auswirkungen auf die Preise unberechenbar sind. Schnelle Kurssprünge können ebenso schnell wieder von deutlichen Rücksetzern abgelöst werden, wie wir es erst kürzlich bei den Weizenpreisen gesehen haben.
Nun ist die zuvor aufgelaufene Übertreibung in den Weizenpreisen aber nicht vergleichbar mit den Maispreisen, obwohl diese seit dem Tief Ende Juni bereits um über 25% zugelegt haben. Im Gegenteil: viele Investoren sind offenbar der Meinung, dass die Maispreise, angesichts der fundamentalen Ausgangslage, und auch im Vergleich zu den Weizenpreisen, noch deutliches Nachholpotenzial aufweisen. Dies bestätigt der große Überhang an Long-Positionen durch die Spekulanten. In der Woche bis zum 10.August haben die trendfolgenden Spekulanten ihre Netto-Long-Position um 49.000 auf 246.509 Kontrakte ausgeweitet. Das ist der stärkste Überhang an Long-Positionen seit Anfang 2008.
Ich gehe dementsprechend davon aus, dass die Maispreise vorerst nach unten hin gut abgesichert bleiben. Allerdings: wenn bereits ein starker Optimismus vorherrscht, ist dies in aller Regel kein Indikator für weitere deutliche Preissprünge.
Somit bleibe ich meinen Überlegungen vom Februar zunächst weiterhin treu und gehe von einem moderaten Plus für 2010 aus. Angesichts dessen, dass wir bereits ein schönes Preislevel erreicht haben, könnte der weitere Spielraum nach oben möglicherweise vorerst begrenzt sein, bis in den Bereich um 4,50-4,60 USD pro Scheffel bis Jahresende.
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