Mais – es kommt auf die Ausweitung der Anbaufläche an
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Agrar-Rohstoffe
vom 11. Februar 2010, 20:00 Uhr
ENL5462
Im Grunde genommen, sollte 2010 nach den Prognosen zu urteilen ein gutes Jahr für die Maispreise werden. Das hohe Angebot steht einer deutlich wachsenden Nachfrage entgegen - und weltweit wird sogar ein Angebotsdefizit für das aktuelle Erntejahr prognostiziert.
Doch ganz so einfach ist es nicht, denn ein wesentlicher Faktor fehlt noch in dieser Gleichung: die zu erwartende Produktion aus der kommenden Ernte, deren Aussaat im April beginnt.
Eine deutliche Flächenausweitung könnte erneut deutlich preisdämpfend wirken
Bereits im vergangenen Jahr hat die deutliche Produktionsausweitung den Maispreisen trotz steigender Nachfrage (insbesondere von Seiten der Ethanolindustrie) im Jahresabschluss nur ein äußerst moderates Plus eingebracht.
Sollte also auch in diesem Jahr wieder mit einer deutlichen Angebotsausweitung gerechnet werden, dürfte sich dies erneut belastend auf die Preise auswirken.
Die Frage ist also, ob und wie stark insbesondere die US-Anbaufläche (denn die USA sind der wichtigste Maisproduzent) in diesem Jahr ausgeweitet werden wird.
Wie stark könnte die Flächenausweitung ausfallen?
Wie ich Ihnen gestern schon berichtet hatte, wurde die US-Anbaufläche für Winterweizen im letzten Herbst aufgrund der schwachen Preisperformance bereits drastisch reduziert. Aufgrund dieser Reduktion stünden rund 6,2 Millionen acres für die Ausweitung der Maisanbaufläche zur Verfügung. Hinzu kommen 2,4 Millionen acres aufgrund der in 2009 ausgelaufenen Conservation Reserve Program -Verträge (also Flächen die unter diesem Programm zeitweilig aus der Agrarrohstoff-Produktion heraus genommen wurden, damit sich die Böden erholen können - Stillegung). Somit wären grundsätzlich rund 8,6 Millionen acres frei für die Ausweitung der Maisanbaufläche.
Tatsächlich aber ist es sehr schwierig hier zum gegenwärtigen Zeitpunkt überhaupt richtige Prognosen zu erstellen, denn die Aussaat beginnt - wie gesagt - erst im April. Die schlussendliche Entscheidung, welche die Farmer treffen werden, hängt von einer ganzen Reihe unterschiedlicher Faktoren ab: zunächst einmal natürlich von der Preisentwicklung des Getreides, aber auch vom zu erwartenden Nettogewinn (also auch von den Kosten für den Anbau) und natürlich auch von den Aussaatbedingungen (also vom Wetter). Zudem gibt es Bedenken, dass die sehr späte US-Maisernte im letzten Jahr einen höheren Aufwand an Ackerbau und Düngemittel-Verbrauch zur Folge hatte - die Kosten-Nutzen-Rechnung muss schon stimmen, damit sich eine Ausweitung lohnt. Auf anderen Böden könnte es zudem Probleme geben, wenn Mais direkt nach Mais gepflanzt wird.
Nun ja, wie gesagt, es ist nicht einfach hier eine treffende Prognose zu stellen, allerdings bezweifle ich stark, dass die gesamte theoretisch freie Fläche dem Maisanbau zur Verfügung gestellt wird. Die aktuellen Schätzungen gehen von einem Anstieg um 3 Millionen acres auf 89,5 Millionen acres (etwa. 36,2 Millionen Hektar) aus.
Fazit
Grundsätzlich sollten die Maispreise aufgrund der positiven Prognosen für 2009/10 und auch saisonal bedingt, zumindest bis in die kommende Aussaat hinein, eine eher steigende Tendenz aufweisen. Dann kommt es insbesondere darauf an, wie sich die Aussaatbedingungen entwickeln und ob es zu einer deutlichen Ausweitung der Anbaufläche kommen wird. Alles in allem würde ich aber trotz einer Flächenausweitung mit einem moderaten Plus für die Maispreise in 2010 rechnen. Sollte allerdings nicht mit einer weiteren Rekordernte gerechnet werden dürfen, dann liegt das Potenzial für die Maispreise in 2010 dementsprechend deutlich höher. Beachtenswert ist in diesem Zusammenhang auch die Weizenernte! Sollten die Weizenpreise steigen, dürfte davon auch Mais (zumindest moderat) sozusagen als "Substitutionsgut" profitieren.
So long liebe Leser...so viel einmal zu den Aussichten aufgrund fundamentaler Begründungen...wie ich gestern allerdings schon schrieb, kommt es natürlich für die Preisentwicklung auch auf weitere Faktoren und nicht zuletzt auch auf den spekulativen Faktor an....eigentlich wollte ich mich heute schon damit beschäftigen, doch dies muss ich nun auf nächste Woche verschieben...dann wollen wir uns zudem noch ein paar anderen Agrarrohstoffen widmen, die im vergangenen Jahr eine äußerst beachtliche Entwicklung hinter sich gebracht haben...morgen gibt's dann wie gewohnt den Wochenrück- und Ausblick....also bis morgen und noch einen schönen Abend....
Ihre Miriam Kraus
Artikel weiterempfehlen