Märkte: Doch Schwäche voraus?

Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien
vom


 

es ist kein Geheimnis. Die US-Wirtschaft kommt nur schleppend auf die Beine und die massive Arbeitslosigkeit ist auch trotz entsprechender Statistiktricks des amerikanischen Behörden ein großes Problem.

Bezeichnend in diesem Zusammenhang ist etwa, dass die St. Louis Fed kürzlich gar ihre Charts erweitern musste, da man die hohen Anzahlen an Arbeitslosen bzw. Leuten, die als "not in labor force" (=nicht in der arbeitsfähigen/-willigen Bevölkerung) gelten, einfach nicht mehr abbilden konnte (hier können Sie sich übrigens davon selbst ein Bild machen...). Und hierbei handelt es sich ja erst um die "offiziellen" Zahlen. Rechnet man all die Leute ein, die durch diverse Tricks noch zusätzlich überhaupt nicht mehr auftauchen, wären die Zahlen sicher noch größer.


Aus diesem Grund habe ich in der heutigen Ausgabe von Nebenwerte Daily nochmals einen Gastartikel meines Kollegens Claus Vogt für Sie, der in seinem Dienst "Sicheres Geld", die Arbeitslosenzahlen kürzlich kommentierte.

 

Die Märkte zum Wochenbeginn

Sehen wir uns zunächst jedoch die technische Marktlage zum Wochenbeginn an und werfen zuerst einen Blick auf den Russell 2000:

Quelle: Stockcharts

Sah es zunächst danach aus, als würde der Kurs des Russell 2000 einen neuen Anlauf nach oben unternehmen, revidierte sich der Eindruck doch inzwischen wieder stark.

Der obige Chart legt relativ nahe, dass wir wohl die nächsten Tage nochmals einen Test der horizontalen Unterstützungslinie im Bereich um die 785-790 Punkte sehen werden.

Auch das Indikatorbild zeigt sich wieder deutlich schwächer:

Waren zunächst MACD und RSI wieder etwas in den positiven Bereich geklettert, so ist inzwischen die Ausrichtung wieder klar negativ.

 

Im S&P 500 bietet sich ein ähnliches Bild

Die vergangenen Tage und Wochen hatte sich der S&P 500 im Vergleich zum Russell 2000 stets ein wenig besser geschlagen und Abwärtsentwicklungen auch deutlich besser Stand gehalten.

Doch inzwischen sehen wir auch hier ein ähnliches Bild wie im Russell 2000:

Quelle: Stockcharts

Die Indikatoren sind beide etwas schwächer: Der RSI ist unter der wichtigen 50er-Linie und der MACD steht kurz vor einem Verkaufsignal.

Und auch der Kurschart deutet sehr stark darauf hin, dass ein erneuter Test der unteren Unterstützung bzw. steigenden Trendlinie zu erwarten ist.

 

Interner Markt: Konstant schwach

Wenig verändert hat sich bisher im internen Markt. Hier zeigte ja der NYSE BP Index schon seit Wochen konsequent ein erhöhtes Risiko an, so dass die aktuelle Schwächeentwicklung der letzten Tage keinesfalls für Sie unerwartet gewesen sein dürfte.

Sehen wir uns zuerst den VIX an:

Quelle: Stockcharts

Der obige Chart ist aus meiner Sicht sehr spannend.

Sah es kürzlich erst noch so aus, als wollte der VIX wieder nach unten in Richtung 13 Punkte wegbrechen, nahm er nun doch wieder sehr schnell Kurs auf den kritischen Widerstand im 21er-Bereich. Sollte dieser tatsächlich gebrochen werden, wäre das ein deutliches Warnsignal an die Bullen.

Für die Bullen weniger schön war die Woche auch das Geschehen im "Prozent der 10"-Index, dem kleinen und kurzfristigeren Bruder des NYSE BPI.

Der Index verlor allein am Freitag über 20%, was einem absoluten Punktestand von rund 9.6 Punkten entspricht (siehe nachfolgender Chart):

Quelle: Stockcharts

Kurzfristig sind die Märkte damit aus Sicht des "Prozent der 10"-Index klar auf dem Rücklauf.

Und auch mittelfristig sieht es nicht allzu rosig aus, denn der Zustand "Bärenalarm" (bear alert) bleibt im NYSE BP Index nach wie vor erhalten und der Index gab auch am Freitg weiter ab:

Quelle: Stockcharts

Zur Erinnerung:

Der NYSE BPI wird berechnet, indem alle an der New Yorker Börse gelisteten Aktien betrachtet werden und ausgewertet wird, welche dieser Aktien sich auf einem Point & Figure Kaufsignal befinden. Diese Anzahl wird durch die Gesamtzahl der an der NYSE gelisteten Aktien dividiert. Um einen anschaulicheren Indexwert zu erhalten, multipliziert man anschließend das Ergebnis nochmals mit 100.

Wenn nun eine größere Anzahl an Aktien von einem Point & Figure Kaufsignal in ein Point & Figure Verkaufsignal wechseln, so lässt sich daraus folgern, dass in einem gewissen Umfang Kapital aus dem Markt gezogen wird.

Damit bleibt natürlich noch die Frage, ab wann ein derartiger Mittelabzug relevant ist, denn man möchte ja als Anleger sich nicht bei jedem kleineren Mittelabzug die Frage stellen, wie ernst dies nun zu nehmen ist (oder auch nicht). Historisch bewährt hat sich hier die Schwelle von 3 Boxen. Wenn also der Index über 3 Boxen fällt, findet ein Wechsel in eine O-Spalte statt.

Eine besondere Bedeutung kommt hierbei einem Wechsel in eine O-Spalte zu, wenn dieser aus einer X-Spalte von über 70 auf unter 70 erfolgt bzw. wenn der Index von oben kommend das 70er-Level unterschreitet, denn spätestens ab hier kann sich der Gesamtmarkt (gemessen an den Leitindizes) dem Abwärtssog in der Regel kaum noch entziehen.

Angesichts des aktuellen Bildes rate ich auf der Long-Seite der Märkte somit ganz klar zur Vorsicht und zum Abwarten. Entscheidend wird sein, ob in den nächsten Tagen die Unterstützungen nach unten gebrochen werden. Das muss nicht der Fall sein, aber möglich wäre es momentan durchaus.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Start in die Woche.

Herzliche Grüße, Ihr

Klaus Buhl

 

 

 


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