Märkte: Bald zweite Welle abwärts?
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 18. August 2011, 17:00 Uhr
ENL5454
die Märkte haben sich die letzten Tage recht konstant gehalten, nachdem sie ihren kurzfristig doch sehr überverkauften Zustand etwas abgebaut haben. Doch wie wird es ab hier weiter gehen? Geht es nun wieder aufwärts oder ist eine zweite Abwärtswelle zu befürchten?
Mit dem heutigen kurzen Blick auf die Märkte möchte ich versuchen, hierauf mit Ihnen eine Antwort zu finden.
Beginnen wir, wie auch sonst üblich, mit dem Russell 2000 Index als dem wichtigsten Leitindex für das globale Universum der Nebenwerte:
Quelle: Stockcharts
Hier gibt es ein paar Punkte anzumerken:
Zunächst einmal hat sich der überverkaufte Zustand in den Indikatoren deutlich gelöst und es gelang den Indikatoren beinahe, zurück zur neutralen Mitte zu finden. RSI und Williams %R etwa berührten beinahe die 50er Linie. Auch der MACD zeigte Entspannungsanzeichen.
Doch ist damit die sprichwörtliche Kuh aus technischer Sicht wirklich vom Eis?
Ich denke nicht. Zwar ist der Preischart (siehe oben) momentan ebenfalls noch stabil, aber die letzten beiden Tage waren eher schwach und auch heute sehen die Futures zum Zeitpunkt des Entstehens dieser Zeilen bisher nicht so wirklich toll aus, was mich eher mit einem schwächeren Markt rechnen lässt.
In diesem Falle wäre es also sehr wahrscheinlich, dass die obige horizontale Unterstützung nach unten gebrochen wird und der Index den Boden bei 640 nochmals mindestens antesten wird.
Ein klein wenig stärker wirkt da hingegen der S&P 500, doch insgesamt ist die Situation doch eher dem Russell 2000 Index recht ähnlich:
Quelle: Stockcharts
Auch die Marktinterna zeigen ein eher gemischtes Bild.
Eine wirkliche Erholung hat sich etwa im NYSE BP Index noch nicht eingestellt und er verbleibt in einer O-Spalte. Diese ist zwar überverkauft, aber ein wenig Stärke täte dem Index aus Bullensicht hier sicher gut...
Quelle: Stockcharts
Zur Erinnerung:
Der NYSE BPI wird berechnet, indem alle an der New Yorker Börse gelisteten Aktien betrachtet werden und ausgewertet wird, welche dieser Aktien sich auf einem Point & Figure Kaufsignal befinden. Diese Anzahl wird durch die Gesamtzahl der an der NYSE gelisteten Aktien dividiert. Um einen anschaulicheren Indexwert zu erhalten, multipliziert man anschließend das Ergebnis nochmals mit 100.
Wenn nun eine größere Anzahl an Aktien von einem Point & Figure Kaufsignal in ein Point & Figure Verkaufsignal wechseln, so lässt sich daraus folgern, dass in einem gewissen Umfang Kapital aus dem Markt gezogen wird.
Damit bleibt natürlich noch die Frage, ab wann ein derartiger Mittelabzug relevant ist, denn man möchte ja als Anleger sich nicht bei jedem kleineren Mittelabzug die Frage stellen, wie ernst dies nun zu nehmen ist (oder auch nicht). Historisch bewährt hat sich hier die Schwelle von 3 Boxen. Wenn also der Index über 3 Boxen fällt, findet ein Wechsel in eine O-Spalte statt.
Der VIX hingegen zeigt sich deutlich bullischer, was auf eine rückgehende Angst im Markt schließen lässt:
Quelle: Stockcharts
Wie Sie im obigen Chart sehen können, brach der VIX sogar, wie von mir vermutet, den Doppelboden (kurze braune Linie) und verbleibt somit erstmals in seiner Handelsspanne zwischen 48 und 16. Ein weiterer Rückgang wäre hier definitiv als bullisch für die Märkte zu werten.
Idealerweise laufen jedoch VIX und NYSE BP Index sich gegenseitig bestätigend. Dies haben wir im Moment bisher jedoch nicht.
Insgesamt würde ich daher eher ein wenig Vorsicht walten lassen im Moment. Ich sehe beide Varianten als Möglich an: Sowohl ein weiteres Abkippen als auch ein weiterer Anstieg nach einem kurzen erneuten Test der letzten lokalen Böden. Insgesamt neige ich hier etwas mehr zur bullischen Seite von den Wahrscheinlichkeiten her. Das bärische Risiko ist mir aber im Moment noch zu hoch, um größere, längerfristigere bullische Positionen in den Markt zu setzen.
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