Märkte: Am Widerstand

Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien
vom


Es ist wieder einmal sehr interessant an den Märkten. Wie erwartet hat sich der kurzfristig überverkaufte Zustand nun abgebaut und die Märkte sind in den Leitindizes angestiegen. Allerdings steht nun der nächste Widerstand nach oben unmittelbar bevor.

Betrachten wir zunächst, wie üblich, den Russell 2000 Index als weltweit wichtigsten Leitindex für das Universum der Nebenwerte.


Hier der Tageschart:

Quelle: Stockcharts

Es ist nicht zu übersehen: Der Index steht kurz vor seiner Widerstandslinie, an der er bereits zwei mal scheiterte. Es wird nun also wieder einmal sehr spannend, denn ich sehe zwei Möglichkeiten:

  1. Bricht der Index die Abwärtstrendlinie nach oben, so gehe ich von einer weiteren bullischen Phase in den nächsten Wochen aus. Zunächst würde ich dies als Vermutung betrachten; sollte es dem Russell 2000 jedoch nach einem Bruch der Abwärtstrendlinie dann auch gelingen, noch über das alte lokale Hoch bei 860 Punkten zu steigen, dürfte die Lage absolut klar sein.
  2. Scheitert der Index an der Abwärtstrendlinie, so dürfte die Unterstützung bei ca. 780 Punkten erneut getestet werden. Würde diese brechen, wäre wohl mit einer Abwärtswelle an den Märkten zu rechnen. Hielte diese jedoch, wäre nach wie vor alles offen.

Die Märkte stehen also vor einer klaren Entscheidung, welche mit Sicherheit morgen bzw. die nächsten Handelstage fallen wird.

Dies lässt sich übrigens auch sehr gut am S&P 500 als Vertreter des "breiteren" Marktes erkennen.

Auch hier der Tageschart für Sie:

Quelle: Stockcharts

Wie Sie im obigen Chart sehen können, hat auch der S&P 500 deutlich mit dem Russell 2000 nachgezogen, was den Anstieg angeht. Spannenderweise steht aber auch hier genau der Kurs vor seiner Abwärtstrendlinie und scheint sich zu überlegen, ob er diese brechen möchte oder nicht.

Wie beim Russell 2000 Index gibt es auch hier interessante Kursschwellen, auf die Sie achten können. Für mich wäre dies beispielsweise im Falle eines Bruches der Abwärtstrendlinie des S&P 500 ab einem Überwinden des lokalen Hochs von etwa 1320 Punkten.

 

Vergleichen wir die Lage mit den Marktinterna

Wie ich hier im "Nebenwerte Daily" ja schon mehrfach in der Vergangenheit erwähnte, sind Marktbewegungen mit am verlässlichsten zu prognostizieren, wenn die sog. Marktinterna mitberücksichtigt werden.

Marktinterne Indizes gibt es natürlich sehr viele, doch wenn Sie nur einen Index beherrschen und nutzen sollten (aus dem Bereich der marktinternen Methoden), so sollte es auf jeden Fall der NYSE BP Index sein.

Zur Erinnerung und besonders für die Gelegenheits- und Neuleser:

Der NYSE BPI wird berechnet, indem alle an der New Yorker Börse gelisteten Aktien betrachtet werden und ausgewertet wird, welche dieser Aktien sich auf einem Point & Figure Kaufsignal befinden. Diese Anzahl wird durch die Gesamtzahl der an der NYSE gelisteten Aktien dividiert. Um einen anschaulicheren Indexwert zu erhalten, multipliziert man anschließend das Ergebnis nochmals mit 100.

Wenn nun eine größere Anzahl an Aktien von einem Point & Figure Kaufsignal in ein Point & Figure Verkaufsignal wechseln, so lässt sich daraus folgern, dass in einem gewissen Umfang Kapital aus dem Markt gezogen wird.

Damit bleibt natürlich noch die Frage, ab wann ein derartiger Mittelabzug relevant ist, denn man möchte ja als Anleger sich nicht bei jedem kleineren Mittelabzug die Frage stellen, wie ernst dies nun zu nehmen ist (oder auch nicht). Historisch bewährt hat sich hier die Schwelle von 3 Boxen. Wenn also der Index über 3 Boxen fällt, findet ein Wechsel in eine O-Spalte statt.

Eine besondere Bedeutung kommt hierbei einem Wechsel in eine O-Spalte zu, wenn dieser aus einer X-Spalte von über 70 auf unter 70 erfolgt bzw. wenn der Index von oben kommend das 70er-Level unterschreitet, denn spätestens ab hier kann sich der Gesamtmarkt (gemessen an den Leitindizes) dem Abwärtssog in der Regel kaum noch entziehen

Betrachten wir nun also den aktuellen Stand der NYSE BPI:

Quelle: Stockcharts

Was soll man hier sagen? Der Index scheint nahezu unverändert die letzten Tage. Einen voluminösen Marktausbruch nach oben bestätigt er damit mit Sicherheit (noch?) nicht (wichtig: der NYSE BPI läuft aber durchaus manchmal auch etwas nach). Was nicht ist, kann natürlich aber noch werden.

Auich beim VIX zeichnet sich bisher kaum etwas ab:

Quelle: Stockcharts

Wie Sie im obigen Chart sehen können, läuft der Index seit August 2010 primär seitwärts. Hierbei hat sich ein massiver Boden auf Höhe des 16er-Levels gebildet, jedoch gelingt es dem Index bisher ebenfalls noch nicht, sich nach oben zu lösen (mehr zum VIX lesen Sie übrigens hier). Ein unter dem Strich doch eher langweiliges Bild, besonders für die Bären.

 

Fazit:

Ich würde mit weiteren Schritten abwarten, ob es die Märkte schaffen, über ihre Widerstände zu klettern. Die Klarheit, die Sie hierdurch gewinnen, sollte Ihr Risiko, zum falschen Zeitpunkt einzusteigen, deutlich reduzieren.

 


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