Machtübernahme der Tauben
Mr N. N. in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 15. Februar 2011, 07:30 Uhr
ENL5454
Axel Weber fühlte sich alleingelassen, von der Politik und den Medien. Geldpolitik agiert nicht im luftleeren Raum, sie erfordert breite Akzeptanz, um wirken zu können. Diese Akzeptanz fehlt neuerdings - nur die Verteidigung des Euro zählt, und europäische Solidarität gilt als der vornehmste und unbegrenzte Zahlungsgrund.
Dass Weber jetzt auf das Amt verzichtet, ist der zweite Tod der Deutschen Mark in dem Sinne, dass sich in der europäischen Währungsunion die deutsche Stabilitätskultur nicht durchsetzen lässt. Anleger und Investoren sollten es wissen."
Diese Zeilen schrieb der Chefredakteur der Wirtschaftswoche, Roland Tichy, in seinem Einblick" in der aktuellen Ausgabe (Nr. 7, Seite 3).
Frank Schäffler, FDP-Abgeordneter des Deutschen Bundestags und Mitglied im Finanzausschuss, bezeichnet den Abgang Webers in seinem Blog
http://www.frank-schaeffler.de/weblog/1538
als Zäsur.
Endgültige Machtübernahme der Tauben
Schäffler zufolge sei das, was bei Euro-Einführung als die tragenden Säulen vereinbart wurde, nur noch Makulatur. Die Unabhängigkeit und Stabilitätsorientierung der Zentralbank, die Begrenzung der Schuldenpolitik der Teilnehmerstaaten durch die Konvergenzkriterien und das Nichteintreten für die Schulden eines anderen Landes gebe es nicht mehr oder gab es wohl nie. Ein EZB-Präsident Weber hätte diesen Prozess korrigieren können. Frank Schäffler ist der festen Überzeugung, dass JETZT die Tauben endgültig die Macht übernehmen würden.
Ja, liebe Leserin, lieber Leser, für Ewald Nowotny, den Gouverneur der Österreichischen Nationalbank ist die EZB einem aktuellen Interview mit der Nachrichtenagentur Dow Jones zufolge immer noch die unabhängigste Notenbank der Welt". Gleichzeitig konzediert er aber, dass er über die Teuerung in der Euro-Zone beunruhigt sei.
Fakt ist nun mal, dass dem statistischen Bundesamt zufolge der Index der Großhandelspreise in Deutschland im Januar 2011 um 9,4 Prozent über dem Vorjahresmonat lag. Der Verbraucherpreisindex lag allerdings im Januar nur zwei Prozent über dem Vorjahr. Laut statistischem Bundesamt stiegen die Preise für Nahrungsmittel und nichtalkoholische Getränke im Januar nur" um 2,8 Prozent.
Die aktuelle gefühlte Inflation dürfte allerdings deutlich höher liegen. Vermutlich irgendwo zwischen fünf und zehn Prozent. Und das Ende der Preisfahnenstange ist überdies alles andere als erreicht. Diverse saftige Verbraucherpreisanpassungen" (u.a. für Kaffee, Geflügelfleisch, Marmelade, Nougat-Creme, Reifen...etc...etc) sind bereits angekündigt.
Ja, für Roland Tichy ist es ein Treppenwitz der Geschichte, dass just am Tag des Rückzugs von Herrn Weber die IG Metall triumphal einen Tarifabschluss für die VW-Beschäftigten in Höhe von 3,2 Prozent als großen Erfolg feierte. Bei einer Laufzeit von 16 Monaten und der Euro-Inflationsrate von 2,4 Prozent werden die VW-Beschäftigten Tichy zufolge am Ende der Tariflaufzeit keinen Cent real mehr Kaufkraft haben als heute - Inflation enteignet, die Lohnsteigerung sei ein Nichts.
Gut möglich, dass selbst ein stabiler Reallohn schließlich noch als Erfolg" gewertet werden muss. Die Gefahr - zumindest gefühlt" - fallender Reallöhne sollte keinesfalls unterschätzt werden....
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Hartmut Fischer (15.02. 2011 12:57 Uhr):
Ja, das ist der Euro-Sumpf, vor dem ja Finanzfachleute schon vor Einführung gewarnt haben und die Bevölkerung ein ungutes Bauchgefühl hatte. Aber solange diese und die Gewerkschaften so "brav" sind und nicht vehement aufbegehren, werden die Sparer(nationen) von ihren Para... äh... "Partnern" weiterhin ausgesaugt; die Ausweglosigkeit der Lage ist ja von EU-phorischen Politikern und Bankern "hergestellt". Und dreimal dürft Ihr raten, was aus unserer "Schuldenbremse" dann wird. Denn Regierungspolitiker und ein Parlament, das die Staatskasse Banken und den "Partnern" widerstands- und kritklos zur gefälligen Bedienung präsentiert, wird diesem jüngsten Grundgesetzartikel auch diesen Zahn noch ziehen. Versprechungen und Verträge sind doch eh scheißegal ! Wie ist das noch mit dem Euro-"Rettungsfonds"? Der wurde doch "eigentlich" "nur" zur "Abschreckung" er "Spekulanten" aufgelegt, damit er - i wo! - nie gebraucht werden sollte! Und natürlich "zahlen" wir nicht für andere, wir "bürgen" doch nur! Und mal sehen, wie sich unsere Verfassungsrichter aus der Klage von Schachtschneider, Hankel usw. herauswinden. Wahrscheinlich werden sie irgendwie den "Primat der Politik" bemühen! Allerdings halte ich eine rein private Vorsorge nicht für ausreichend. Schließlich geht es um die Verarmung unseres Staates, seiner öffentlichen Einrichtungen und useres Sozialsystems zugunsten von Parasiten und nichts anderem! Die Iren durften trotz Milliardenrettung ihre privilegierte Unternehmenssteuer behalten und ihren "Partnern" weiterhin die entsprechenden Einnahmequellen abwerben! Ist die Mekel eigentlich die Vertreterin unseres Staats und Volkes oder irgendwie "fremdbestimmt", oder kann sie einfach dem "Charme" von Ackermann und Co. und ihrer Rolle als "angesehene" "Spendierhose" nicht widerstehen? Hartmut Fischer
Antworten - Kommentar von henry j orloff (15.02. 2011 18:19 Uhr):
Alles nur 'ohne dem Spatzen in der Hand",genau.Es ist doch hoechste Zeit des Europa-Aufwachen.Der Euro war doch eine Betrugseinrichtung:(ER kommt NOCH!)Hoechste Zeit,Deutschland die US$=entbindende Fahne hoch wehen zu lassen,um die D=Mark die Wiedergeburt zu erlauben!
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