Machen Sie sich auf was gefasst!
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 22. Februar 2005 18:00 Uhr
ENL5462
Jedes öffentliche Spektakel beginnt mit einer kühnen Lüge ... und endet mit Schande, Reue und Katastrophe.
Jeder Weltverbesserer ist ein kühner Betrüger ... und jede Menschenmenge ist nicht mehr als ein Haufen verdammter Dummköpfe, wenn sie ihm zuhört.
Das amerikanische Medicare-Beihilfe-Programm für Medikamente, eingeführt während Bushs erster Regierungszeit, sollte in den ersten 10 Jahren 400 Milliarden Dollar kosten. Jetzt stellte sich heraus, dass diese offizielle Schätzung die Jahre 2004 und 2005 mit berücksichtigte. Zwei Jahre, in denen das Programm überhaupt noch nicht existierte. Die wahren Kosten für 10 Jahre wurden in dieser Woche in den Nachrichten mit 720 Milliarden Dollar beziffert.
Die Amerikaner haben ihre Vertreter für den Kongress und für das Weiße Haus gewählt ... die Politiker haben die kostenlosen Medikamente gewählt. Somit handelt es sich um das göttliche Recht der Mehrheit – die brutale Macht der Vielen, mit der sie den Wenigen sagen, was zu tun ist – geläutert durch die Wahlurnen. Die Anstandsregeln der Demokratie wurden eingehalten. Aber die Aktion selbst war eine Sünde und ein Verbrechen. Warum sollten die Amerikaner ihre Medikamente auf Kosten anderer bekommen, ist das nicht Diebstahl durch die einen, und Komplizenschaft durch die anderen? Und wie sollen diese "anderen" dafür bezahlen?
Aber jetzt regiert diese Masche das Land. Und so stolpern wir weiter, während sich das große öffentliche Spektakel von einer Komödie zu einer Farce und von dort zu einer Tragödie entwickelt ... mit belanglosen Akten von Blödsinn und Täuschung.
George W. Bush möchte eine "Eigentumsgesellschaft" gründen. Aber es handelt sich um eine seltsame Form des Eigentums. Mehr und mehr Häuser sind streng genommen im Besitz der Hypothekengeber. Autos sind im Besitz der Finanzabteilungen der Autobauer oder anderen Finanzdienstleistern im Automobilbereich ... Die Leute hoffen, sich mit ihren Immobilien zur Ruhe setzen zu können. Aber in jeder Minute kann sich ein einziges Wort eines japanischen oder chinesischen Zentralbankers wie ein Tornado über Amerika bewegen und dabei die Immobilienpreise von Santa Monica bis South Beach niederreißen. Und die Sozialabsicherungen? Ein Forensiker könnte die Bücher 1000 Jahre lang akribisch untersuchen, er würde nicht eine Spur von dem Geld finden, das angeblich für die Altersabsicherung Amerikas zurückgelegt wurde. Es existiert nicht.
Bush sagt, dass er das ändern möchte. Er möchte, dass die Amerikaner ihre eigenen Altersabsicherungsfonds besitzen, mit privaten Konten, die in Aktien angelegt sind. Es gibt keine Möglichkeit, eine anständige Rückzahlung des Geldes zu erzielen, das die Menschen irgendwann eingezahlt haben. Deswegen wollen sie aus der Sache aussteigen. Die Alten hingegen sind alarmiert. Sie haben fangen langsam an zu befürchten, dass das bisschen aus nichts, das sie gelernt haben zu erwarten, vielleicht am Ende mehr von einem Nichts als von einem Bisschen haben wird. Und die Bush-Regierung will die Stimmen beider Gruppen. Deshalb tun sie das, was Betrüger immer tun – sie nehmen sich des Unsinns mit offenen Armen an ... und hätscheln noch mehr Betrug.
Machen Sie sich auf was gefasst.
Was das Land am meisten braucht, ist das, was es am wenigsten hat: Den Mut sich den Lügen zu stellen, und die Konsequenzen zu tragen. Die Amerikaner müssen aufhören, so viel Geld auszugeben ... und sparen. Die Unternehmen müssen mehr Geld in neue Ausstattung und eine neue Ausbildung stecken, ansonsten werden die relativen Lebensstandards sinken. Die Regierung muss zugeben, dass sie das, was sie versprochen hat, nicht leisten kann. Und die Anleger müssen begreifen, dass sie nicht mehr 10 % im Jahr erzielen werden.
Natürlich ist es nicht wahrscheinlich, dass die Öffentlichkeit plötzlich vernünftig werden wird. Aber wir dürfen doch wohl noch träumen.
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