Luxusgüteraktien: Hier ist die Krise (vorerst) vorbei
Andreas Wolf in DAX Daily
vom 30. Oktober 2009, 08:00 Uhr
ENL5462
Krise ist nicht gleich Krise. Im Luxusgütersegment wird ein schwacher Konjunkturverlauf häufig anders wahrgenommen als bei den „normalen" Konsumgüterherstellern. Zwar spüren auch die Hersteller von Luxusgütern die Auswirkungen einer Rezession, in den vergangenen zwanzig Jahren erfreute sich dieses Segment allerdings einer ständig steigenden Nachfrage bei den aufstrebenden Schwellenländern. Umso mehr überraschte viele Edelmarken der globale Einbruch der Nachfrage, bastelten die Vorstände der meisten Unternehmen doch an immer neuen Wachstumsplänen.
Die Reaktionen der Manager fallen dementsprechend höchst unterschiedlich aus. Während es bei Firmen wie Escada oder Porsche eher um eine verfehlte Unternehmensstrategie geht, die jüngste Krise im Wesentlichen bestehende Probleme nur weiter verschärft hat, verfolgen andere Hersteller wie LVMH oder Swatch ihre eher konservativ ausgelegte Geschäftspolitik grundsätzlich weiter. An der grundsätzlichen Ausrichtung ändert sich aber kaum etwas. Die Ergebnisse der Unternehmen haben sich im dritten Quartal 2009 deutlich verbessert. Bezahlbarer Luxus erfährt bereits wieder höheren Zuspruch, exquisite Juwelier-und Uhrenmarken wie Bulgari und Richemont verzeichnen ebenfalls leicht steigende Umsätze. Im Hinblick auf eine zu erwartende Erholung der Weltwirtschaft werden gerade die deutlich unterbewerteten Edelmarken bald wieder zu gefragten Titeln an der Börse gehören.
Steigende Ölpreise, höhere Nachfrage
Die besonders negative Wirtschaftsentwicklung in den USA zwischen Mitte 2008 und Frühjahr 2009, dem nach wie vor größten Absatzmarkt für Luxusgüter, setzte die Aktienkurse der meisten Unternehmen unter Druck. Diese Phase ist seit knapp sechs Monaten beendet, denn obwohl die Prognosen vieler Hersteller für das laufende Jahr sehr zurückhaltend klangen, setzten Investoren schon frühzeitig auf eine Rückkehr zu einem moderaten Wachstum in den USA im nächsten Jahr.
Vor allem der steigende Ölpreis hat dass von der Krise auch schwer getroffene Klientel aus Russland und dem Nahen Osten wieder aufgemuntert, die Umsätze bei Uhren, Schmuck oder Champagner dürften in den kommenden drei Monaten deshalb wieder stärker ausfallen als im vergangenen Jahr. Die Diskussion um geringere Boni zeigt hingegen kaum Wirkung. So sehr das Bestreben der Politik auch sei, diese Praxis zu begrenzen, sowenig sehen sich die Unternehmen in der Lage, diesen Wünschen effektiv nachzukommen. Eine weitere gute Nachricht für das Luxusgütersegment, das davon profitieren wird.
Nachfragebelebung setzt sich in 2010 fort
Die starken Einbrüche bei Umsatz und Gewinn im letzten Quartal 2008 und im ersten Quartal 2009 sind schon fast vergessen. Wie Ende Juni an dieser Stelle von mir erwartet, fielen im zweiten Halbjahr 2009 die Bilanzen von Firmen wie LVMH, Hermes, Richemont, Tiffany's oder Swatch wieder deutlich besser aus , ein kleiner bis mittlerer Gewinn könnte am Ende des Jahres durchaus erzielbar sein. Die Nachfragebelebung wird sich aller Voraussicht nach im ersten Halbjahr 2010 nicht nur fortsetzen, sondern noch verstärken.
Allerdings wird auch der Markt für Luxusgüter nicht von Bereinigungen verschont bleiben. Insbesondere kurzlebige Trendmarken verwässern dabei immer mehr das Geschäft der Schwergewichte. Ein Konzentrationsprozess, wie er bereits in Branchen gestartet wurde, wäre aber eine zusätzliche Stimulierung für die Aktienkurse der kleineren Wettbewerber. Verfügen diese Unternehmen darüber hinaus noch über einen hohen Cash-Flow und einen stabilen Absatzmarkt wird das sicher das Begehren der Marktführer wecken. Diese wollen die Wirtschaftskrise nutzen, um ihre Strukturen weiter zu verschlanken und Kosten zu sparen. Übernahmen und Fusionen bieten sich dafür geradezu an.
LVMH: Eine kleine Pause auf dem Weg zum Gipfel
Die Aktie von LVMH bewegt sich seit Herbst 2007 in einem klaren Abwärtstrend. Von den Höchstkursen um 90 Euro fiel das Papier bis zum November 2008 auf unter 40 Euro zurück. Seit Mitte Januar 2009 setzte bei LVMH eine Erholung ein, die dem Anteilsschein einen Gewinn von mehr als 80 Prozent bescherte. Leicht oberhalb des aktuellen Aufwärtstrendkanals machte die Aktie allerdings kehrt und leitete eine kleine Konsolidierung ein. Begleitet wurde diese Trendwende von einem Verkaufssignal im MACD, dessen Bestätigung allerdings noch aussteht. Möglicherweise handelt es sich bei den Kursverlusten auch nur um eine Bärenfalle.
Seit August vollzieht der MACD allerdings die Aufwärtsbewegung des Basiswerts nur noch wenig ausgeprägt mit. Eine nachhaltige Korrekturbewegung muss sich aus diesem Verhalten nicht unbedingt ergeben, eine längere Seitwärtsphase ist infolge der Ermüdungserscheinungen der Trendinkatoren durchaus denkbar. Zumindest hat sich am Widerstandbereich von 76 Euro eine deutliche Kehrtwende vollzogen. Die aktuell im Test stehenden 38- und 50-Tage-Linien dienten den Bullen zunächst als Unterstützung.
Ein erneuter Anlauf auf den starken Widerstand bei 76,70 Euro ist kurzfristig wahrscheinlich, ein Bruch dieser Marke indes nicht. Stattdessen werden die Bullen noch einige Kräfte sammeln müssen um, die Aufwärtsbewegung fortsetzen zu können. Gelingt den Bären hingegen ein Abtauchen unter die Unterstützungszone bei 68/70 Euro, käme auch ein Test des unteren Randes des aktuellen Aufwärtstrendkanals bei 61,50 Euro in Betracht.
ähnliche Beiträge:
weitere Ausgaben von
DAX Daily
weitere Artikel dieser Ausgabe:
Donnerstag, 09. Februar 2012
Mittwoch, 08. Februar 2012
Dienstag, 07. Februar 2012
alle AusgabenFuture Profi
Woran liegt es, dass die Masse aller Trader nur Geld verliert ... während sich die besten 5 % sogar noch in fallenden Märkten dumm und dämlich verdienen?

Artikel weiterempfehlen