Luxusgüteraktien: Erholung wird sich fortsetzen
Andreas Wolf in DAX Daily
vom 30. Juni 2009, 09:36 Uhr
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Krise ist nicht gleich Krise. Im Luxusgütersegment wird ein schwacher Konjunkturverlauf häufig anders wahrgenommen als bei den „normalen" Konsumgüterherstellern. Zwar spüren auch die Hersteller von Luxusgütern die Auswirkungen einer Rezession, in den vergangenen zwanzig Jahren erfreute sich dieses Segment allerdings einer ständig steigenden Nachfrage bei den aufstrebenden Schwellenländern. Umso überraschte viele Edelmarken der globale Einbruch der Nachfrage, bastelten die Vorstände der meisten Unternehmen doch an immer neuen Wachstumsplänen. Die Reaktionen der Manager fallen dementsprechend höchst unterschiedlich aus. Während es bei Firmen wie Escada oder Porsche eher um eine verfehlte Unternehmensstrategie geht, die aktuelle Krise im Wesentlichen bestehende Probleme nur weiter verschärft hat, verfolgen andere Hersteller wie LVMH oder Swatch ihre eher konservativ ausgelegte Geschäftspolitik grundsätzlich weiter. An der grundsätzlichen Ausrichtung ändert sich aber kaum etwas. Die Ergebnisse der Unternehmen für das erste Quartal 2009 fielen unter Beachtung der jeweiligen Branche höchst unterschiedlich aus. Während LVMH als breit aufgestellter Konzern der Branche seinen Umsatz nur geringfügig erhöhen konnte, legte der Lederwarenhersteller Tod's bei Umsatz und Gewinn um knapp fünf Prozent zu. Bezahlbarer Luxus erfährt in diesem Rahmen noch eine gewisse Stabilität, während teure Juwelier-und Uhrenmarken wie Bulgari und Richemont deutliche Umsatzeinbrüche hinnehmen müssen. Im Hinblick auf eine zu erwartende Erholung der Weltwirtschaft sollten aber gerade die deutlich unterbewerteten Edelmarken bald wieder zu gefragten Titeln an der Börse gehören.
Schlechte Nachrichten sind in den Kursen enthalten
Die besonders negative Wirtschaftsentwicklung in den USA, dem nach wie vor größten Absatzmarkt für Luxusgüter, setzte in den vergangenen zwölf Monaten die Kurse der meisten Unternehmen unter Druck. Diese Phase scheint sich langsam ihrem Ende zuzuneigen, denn obwohl die Prognosen vieler Hersteller für das laufende Jahr noch sehr zurückhaltend klingen, sollte es mit einer Rückkehr zu einem moderaten Wachstum in den USA im nächsten Jahr wieder zu einer deutlichen Nachfragebelebung kommen. Die Belastungen dieses Jahres sind in den meisten Aktienkursen bereits eingepreist. Allerdings wird sich, wie so oft, die Spreu vom Weizen trennen. Während die Absatzzahlen bei kleineren Luxusgütern wie Schuhe, Handtaschen oder Accessoires relativ stabil halten, müssen Hersteller von Uhren, Schmuck oder Champagner deutliche Umsatzeinbußen hinnehmen. Dieses Phänomen dürfte aber nur eine vorübergehende Erscheinung sein, denn solange es sich bei den betroffenen Unternehmen um starke Marken mit stabilen Bilanzen handelt, ist nicht von einer längeren Durststrecke in diesem Segment auszugehen. Zudem sind viele Firmen trotz der deutlichen Erholung der vergangenen drei Monate immer noch günstig bewertet.
Entspannung im zweiten Halbjahr 2009 angesagt
Die starken Einbrüche bei Umsatz und Gewinn im letzten Quartal 2008 und im ersten Quartal 2009 sind bereits in den Aktienkursen enthalten. Im zweiten Halbjahr 2009 wird sich die Bilanz von Firmen wie LVMH, Hermes, Richemont, Tiffany's oder Swatch wieder deutlich verbessern, ein kleiner bis mittlerer Gewinn könnte am Ende des Jahres dabei zu bilanzieren sein. Schwierigkeiten dürften allerdings jene Unternehmen bekommen, die sich auf die Rabattschlachten der jüngsten Vergangenheit eingelassen haben. Ist die Qualität der Marke durch unvorsichtige Schnellschüsse erste einmal beschädigt, bedarf es eines Vielfachen an Aufwandes, um den Ruf am Markt wieder zurückzugewinnen. Deshalb wird auch der Markt für Luxusgüter nicht von Bereinigungen verschont bleiben. Insbesondere kurzlebige Trendmarken verwässern dabei immer mehr das Geschäft der Schwergewichte. Ein Konzentrationsprozess, wie er bereits in Branchen gestartet wurde, wäre aber eine zusätzliche Stimulierung für die Aktienkurse der kleineren Wettbewerber. Verfügen diese Unternehmen darüber hinaus noch über einen hohen Cash-Flow und einen stabilen Absatzmarkt wird das sicher das Begehren der Marktführer wecken.
LVMH korrigiert Erholungswelle
Die Aktie von LVMH bewegt sich seit Herbst 2007 in einem klaren Abwärtstrend. Von den Höchstkursen um 90 Euro fiel das Papier bis zum November 2008 auf unter 40 Euro zurück. Seit Ende Februar 2009 setzte bei LVMH eine Erholung ein, die dem Anteilsschein einen Gewinn von mehr als 50 Prozent bescherte. Am mittelfristigen Abwärtstrend machte die Aktie allerdings kehrt und leitete eine kleine Konsolidierung ein. Begleitet wurde diese Trendwende von einem Verkaufssignal im MACD, dass in den vergangenen Tagen nochmals bestätigt wurde. Ein Großteil der Korrekturbewegung hat das Papier damit hinter sich gebracht. Test der überwundenen 200-Tage-Linie und des seit Februar 2009 gültigen, untergeordneten Aufwärtstrends sollten in den kommenden zwei bis drei Wochen zu einer erneuten Trendwende führen. Durchbricht die Aktie allerdings den Unterstützungsbereich um 50 Euro, muss mit einer Ausweitung der Korrektur und einem erneuten Test der 40-Euro-Marke gerechnet werden. Auf der Oberseite steht der massive Widerstand bei 61,31 Euro im Zentrum des Geschehens. Erst wenn die Bullen diese Hürde nehmen können, wäre der Weg nach oben, in Richtung 68/70 Euro frei. Mit einer Beendigung des Abwärtstrends ist aber aus zyklischen Gründen vor Herbst nicht zu rechnen. Die aktuelle Handelsspanne zwischen 50 und 61 Euro dürfte deshalb über den Verlauf des Sommers hin erhalten bleiben.