Ölpreis
Henrik Voigt in DAX Daily zum Thema Rohöl als Geldanlage
vom 9. März 2011, 08:30 Uhr
ENL5454
der Ölpreis (WTI) hat die charttechnische Hürde bei 100 Dollar (siehe letzte Analyse) mit Leichtigkeit genommen und befindet sich nun auf dem Weg zum nächsten Widerstand bei 125 Dollar. Auch das dürfte aber noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Drei Faktoren begünstigen diesen Anstieg, der uns vermutlich noch viele Monate beschäftigen wird:
1. Die Unruhen im arabischen Raum. Selbst wenn Gaddafi endlich abtritt (oder abgetreten wird) gibt es noch mehr arabische Despoten, die das dortige Volk gern loswerden würde.
2. Die große Nachfrage vor allem durch die boomende Konjunktur in den Schwellenländern. Diese dürfte erst wieder zurückgehen, wenn ein zu hoher Ölpreis den Boom abwürgt.
3. Die lockere Geldpolitik der westlichen Notenbanken, die "Flucht in Sachwerte" oder ganz einfach Spekulation stark begünstigt. Da diesen Notenbanken in Bezug auf das fragile westliche Wachstum bei Zinsanhebungen die Hände gebunden sind, ist von dieser Seite her höchstens mit Verbalakrobatik zu rechnen.
Wie Sie es auch drehen und wenden, an einem weiter steigenden Ölpreis scheint kaum noch ein Weg vorbeizuführen. Von daher sind Bestrebungen, die Konjuktur-Bedrohung durch einen zu hohen Ölpreis irgendwie abzuwenden, ganz richtig. Aber wir brauchen Maßnahmen, die kurzfristig wirken. Die Biospritgeschichte wurde leider völlig falsch angegangen und dürfte bis zur erfolgreichen Verwirklichung noch einen langen Atem brauchen. Billiger wurde das Benzin dadurch auch nicht, sondern eher teurer. Wozu das Ganze also?
Unmittelbar wirken würde beispielsweise eine Mineralölsteuersenkung. Etwa so: die Benzinpreise werden bei 1,60 € oder etwas tiefer (Schmerzgrenze) gedeckelt, in dem der Staat bei Ölpreissteigerungen entsprechend teilweise die Mineralölsteuer aussetzt. Die Öl- und Tankstellenkonzerne werden gleichzeitig stärker auf Preisabsprachen überwacht. Ein Konjunkturprogramm für alle also (nicht nur für Lieblingsbanken). Die Steuereinnahmen aus der Mineralölsteuer sind ohnehin bei diesen Benzinpreisen sehr hoch, geringe teilweise Steuerausfälle verschmerzbar. Erst recht, wenn damit die Konjunktur gestützt wird und die daraus resultierenden großen Steuereinnahmen (Gewerbe,- Einkommens,-...) überhaupt erhalten bleiben. Aber ja, ich weiß, das wird politisch nie durchgesetzt werden. Vorausschauendes Denken ist in diesen Gefilden leider wenig gefragt. Politiker agieren nicht, sie reagieren. In der Regel, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.
Hier zeige ich Ihnen, wann sich ein Einstieg beim DAX wieder lohnt:
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von PS (09.03. 2011 17:45 Uhr):
Warum nehmen wir uns eigentlich kein Beispiel an Spanien? Einführung einer Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen (müssen ja nicht 110 sein, 130 wäre auch schon was?) würde sofort den Verbrauch senken und damit zwar nicht den Preis, aber die aufzuwendenden Kosten. Eine Senkung der Mineralölsteuer wäre ja wohl das völlig falsche Signal. Und wer daran glaubt, dass Preisabsprachen der Mineralölkonzerne überwacht oder sogar unterbunden werden können, glaubt auch an Weihnachtsmann und Klapperstorch...
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