Long Straddle: Praxis-Beispiel 3
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Optionen und Optionsscheine
vom 10. März 2010, 12:00 Uhr
ENL5462
Hallo liebe Leser,
und ein weiteres Mal heiße ich Sie Herzlich Willkommen zu den Optionsstrategien. Wir beschäftigen uns nach wie vor mit dem Management unseres Long Straddle.
Hier noch einmal unsere ursprüngliche Position:
Kauf 75er Call (1 Monat) zu 2,90 Euro pro Aktie (= 290 Euro)
Kauf 75er Put (1 Monat) zu 2,85 Euro pro Aktie (= 285 Euro)
Wir nehmen an, eine Option bezieht sich auf 100 Aktien.
Aktie X notiert bei 75 Euro.
Die Restlaufzeit beträgt 1 Monat!
Ich habe für unser Beispiel eine implizite Volatilität von 32% angenommen!
Nach 1 Woche
In der letzten Ausgabe vom vergangenen Freitag sind wir davon ausgegangen, dass mittlerweile 1 Woche der Restlaufzeit vergangen ist. Die Restlaufzeit beträgt nun also nur noch 3 Wochen. Der von unserem Trader erwartete Anstieg der impliziten Volatilität ist nach wie vor nicht eingetreten. Die implizite Volatilität verharrt also nach wie vor bei 32%.
Hier noch einmal die Griechen für unsere Position nachdem 1 Woche vergangen ist:
| Aktienkurs | Delta | Gamma | Vega | Theta |
| 72 Euro | - 0,34 | + 0,1180 | + 0,139 | - 0,0864 |
| 73 Euro | - 0,22 | + 0,1232 | + 0,15 | - 0,0929 |
| 74 Euro | - 0,09 | + 0,1237 | + 0,157 | - 0,0972 |
| 75 Euro | + 0,03 | + 0,1244 | + 0,16 | - 0,0991 |
| 76 Euro | + 0,16 | + 0,1205 | + 0,159 | - 0,0986 |
| 77 Euro | + 0,27 | + 0,1140 | + 0,154 | - 0,0957 |
| 78 Euro | + 0,38 | + 0,1056 | + 0,146 | - 0,0908 |
Wie ist es unserem Trader nun in dieser Woche ergangen?
Das hängt natürlich von einer ganzen Reihe an Faktoren ab...wir sind davon ausgegangen, dass zumindest die realisierte Volatilität hoch genug war, damit unser Trader anhand der Aktienkursschwankungen mittels Stock Scalping profitieren konnte.
Dies wird er auch bitter nötig haben, wenn sich der Aktienkurs nicht signifikant von atm entfernt hat.
Sehen wir uns an, was mit der Position passiert, wenn der Aktienkurs nach einer Woche nach wie vor bei 75 Euro notiert:
Die Position ist also nach wie vor atm - und hier ist der Theta-Verlust am größten. Zudem steigt das Theta (und damit wächst der Verlust) je näher das Ausübungsdatum rückt. In unserem vorliegenden Beispiel hat unser Trader 7 Tage lang, jeden Tag, mehr als 9 Euro auf seine Position, durch das Theta, verloren.
Nach meinen Berechnungen ist die Position unter diesen Voraussetzungen nach 1 Woche nur noch 510,84 Euro wert. Unser Trader hat also innerhalb von nur 1 Woche bereits fast 65 Euro auf seine Position eingebüßt.
Diesen Verlust musste unser Trader mit Hilfe des Stock Scalping innerhalb der ersten Woche ausgleichen. Sie erinnern sich an die vorletzte Ausgabe: in diesem Beispiel hat unser Trader an Tag 1 mittels Stock Scalping einen Gewinn von 22 Euro erwirtschaftet. Unser Trader musste also in den darauf folgenden 4 Tagen weitere 43 Euro durch Stock Scalping erwirtschaften um den Theta-Verlust auf seine Optionsposition auszugleichen (denn schließlich wird am Wochenende - also an 2 Tagen - nicht gehandelt, die Verluste auf die offene Optionsposition summieren sich aber dennoch weiterhin).
So sieht es also aus, wenn der Aktienkurs nach 1 Woche nach wie vor atm notiert. Doch wie sieht es aus, wenn sich der Aktienkurs z.B. deutlich nach oben bewegt hat?! Das wollen wir uns in der kommenden Ausgabe am nächsten Freitag ansehen....
Damit verabschiede ich mich für heute von Ihnen und wünsche Ihnen noch einen schönen, hoffentlich nicht zu kalten und winterlichen, Tag!
Liebe Grüße
Ihre Miriam Kraus
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