Long Straddle: Praxis-Beispiel 1
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Optionen und Optionsscheine
vom 3. März 2010, 12:00 Uhr
ENL5462
Hallo liebe Leser,
ich freue mich sehr Sie auch heute wieder zu den Optionsstrategien begrüßen zu dürfen. Nach wie vor beschäftigen wir uns mit dem Long Straddle.
Ausgehend von den in der letzten Ausgabe vom vergangenen Freitag berechneten Daten können wir nun beginnen unsere Position zu verwalten. Hier noch einmal unsere Beispieldaten:
Kauf 75er Call (1 Monat) zu 2,90 Euro pro Aktie (= 290 Euro)
Kauf 75er Put (1 Monat) zu 2,85 Euro pro Aktie (= 285 Euro)
Wir nehmen an, eine Option bezieht sich auf 100 Aktien.
Aktie X notiert bei 75 Euro.
Die Restlaufzeit beträgt 1 Monat!
Ich habe für unser Beispiel eine implizite Volatilität von 32% angenommen!
Hier die Griechen für unsere Beispielposition:
| Aktienkurs | Delta | Gamma | Vega | Theta |
| 72 Euro | - 0,29 | + 0,102 | + 0,161 | - 0,784 |
| 73 Euro | - 0,18 | + 0,107 | + 0,17 | - 0,831 |
| 74 Euro | - 0,07 | + 0,109 | + 0,177 | - 0,862 |
| 75 Euro | + 0,04 | + 0,11 | + 0,18 | - 0,09 |
| 76 Euro | + 0,15 | + 0,107 | + 0,179 | - 0,874 |
| 77 Euro | + 0,25 | + 0,104 | + 0,175 | - 0,855 |
| 78 Euro | + 0,35 | + 0,098 | + 0,169 | - 0,822 |
Tag 1
Wir gehen davon aus, dass unser Trader diese Position eröffnet hat, weil er auf eine Veränderung der impliziten Volatilität hofft. Nehmen wir also an, dass in der kommenden Woche eine bestimmtes Event bevorsteht - unser Trader könnte z.B. eine Zinsentscheidung erwarten. Doch dies heißt nicht zwangsläufig, dass sich an Tag 1 bereits die implizite Volatilität verändert, wodurch die Position unseres Traders (wenn der Aktienkurs bei 75 Euro verharrt) bereits 18 Euro gewinnen würde. Gehen wir also einfach einmal davon aus, eine Veränderung der impliziten Volatilität tritt an Tag 1 nicht ein.
Nun muss unser Trader allerdings seinen Theta-Verlust in Höhe von 9 Euro ausgleichen. Dies geschieht mit Hilfe des Stock-Scalping.
Machen wir es unserem Trader ein bisschen einfacher an Tag 1:
Also, unser Trader eröffnet seine Position bei 75 Euro! Nun beschließt er gleich seine Prämie abzusichern und sich delta-neutral zu stellen. Dazu verkauft er 4 Aktien bei 75 Euro.
Nun fällt Aktie X auf 74 Euro - unser Trader müsste hier 7 Aktien kaufen, da er aber bereits 4 Aktien short ist muss er nun 11 Aktien kaufen um sich delta-neutral zu stellen.
Aktie X steigt nun wieder auf 75 Euro - hier verkauft unser Trader seine 11 Aktien um sich erneut delta-neutral zu stellen. (Nettogewinn: 11 Euro)
Aktie X steigt nun auf 76 Euro - unser Trader müsste hier nun 15 Aktien verkaufen um sich delta-neutral zu stellen. Da er aber bereits 4 Aktien short ist, verkauft er hier nun nur noch 11 Aktien und hat seine Position damit delta-neutral gestellt (beachten Sie auch jeweils die Gamma-Verschiebung, welche dies anzeigt).
Nun fällt Aktie X wieder auf 75 Euro und unser Trader kauft 11 Aktien zurück um seine Position wieder delta-neutral zu stellen. (Nettogewinn: 11 Euro)
Aktie X schließt bei 75 Euro und unser Trader ist wieder in seiner Ausgangsposition!
Unser Trader hat es also im vorliegenden Beispiel geschafft Tag 1 netto mit einem Gewinn abzuschließen. (der Nettogewinn beträgt 22 Euro aus dem Scalping - 9 Euro Theta-Verlust = 13 Euro). Doch dies war nur der erste Tag und es gibt natürlich keine Garantie dafür, dass unser Trader die darauf folgenden Tage ebenfalls mit einem Nettogewinn abschließen kann.
Am kommenden Freitag sehen wir uns an, wie es mit der Position unseres Traders weitergehen könnte, was passiert, wenn die Zeit vergeht und wenn schließlich die erhoffte Veränderung der impliziten Volatilität eintritt.
Damit verabschiede ich mich für heute und wünsche Ihnen noch einen schönen Tag!
Liebe Grüße und bis nächsten Freitag, wenn wir uns wiederlesen
Ihre Miriam Kraus
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