Long Straddle: die Wiederholung
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Optionen und Optionsscheine
vom 12. Februar 2010, 12:00 Uhr
ENL5462
Hallo liebe Leser,
ich freue mich sehr Sie auch heute wieder zu den Optionsstrategien begrüßen zu dürfen! Am letzten Mittwoch haben wir unser eingeschobenes Thema "Rollen von Spreads" beendet und wollen uns nun wieder unserem alten Thema zuwenden: dem Long Straddle!
Sie erinnern sich vielleicht: wir hatten mit dem Thema im vergangenen Juli begonnen und haben nach der Einführung mehrmals, für das Verständnis des Long Straddle relevante Themen eingeschoben: die Delta-Neutralität, das Gamma-Scalping und die Analyse von Vola-Szenarien. Sie können gerne die entsprechenden Themen im Archiv des Devisen-Monitor ab der Ausgabe vom 1.Juli noch einmal nachlesen.
Damit wir nun gemeinsam einen besseren Wiedereinstieg in unser altes Thema finden, habe ich heute zunächst noch einmal eine Wiederholung für Sie vorbereitet:
Was ist ein Long Straddle?
Ein Long Straddle wird gebildet aus dem Kauf eines Calls und eines Puts mit dem gleichen Strike-Preis, dem gleichen Underlying und der gleichen Restlaufzeit. Wenn der Kurs des Underlyings steigt, dann weist der Call im Grunde ein unlimitiertes Gewinnpotenzial auf, während das Verlustpotenzial des Puts limitiert ist. Denn schließlich kann der Put nur wertlos verfallen - der Trader verliert dann lediglich die für den Kauf des Puts eingesetzte Prämie. Wenn der Kurs des Underlyings fällt, dann profitiert davon der Put. Dessen Gewinnpotenzial ist nur insoweit begrenzt, wenn der Kurs des Underlyings auf Null fallen sollte. Das Verlustpotenzial des Calls wiederum ist ebenfalls begrenzt - und zwar auch hier wieder auf die für den Kauf des Calls eingesetzte Prämie, wenn der Call wertlos verfällt. Der Long Straddle profitiert immer dann, wenn der Kurs des Underlyings sich stark genug bewegt, damit der Gewinn aus einer Option, den Verlust aus der anderen übersteigt. Das heißt, der Long Straddle wird dann zu einem Gewinn, wenn der Kurs des Underlyings sich so weit bewegt, dass er über oder unter dem Break Even (der durch die eingesetzte Nettoprämie entsteht) notiert. Doch wenn der Kurs stagniert, verliert der Trader seine komplette für den Kauf beider Optionen eingesetzte Prämie.
Der Long Straddle ist in diesem Zusammenhang sozusagen ein Gamma-Play. Denn der Long Straddle gewinnt durch die Bewegung im Underlying aufgrund eines positiven Gammas. Denn bei einem Long Straddle ist das Gamma immer positiv. Je höher das positive Gamma, desto mehr positives Delta ergibt sich, wenn das Underlying steigt und umgekehrt, desto mehr negatives Delta ergibt sich, wenn das Underlying fällt. Doch das Gamma ist am höchsten, wenn der Strikepreis gleich dem Kurs des Underlyings ist. Entfernt sich der Kurs des Underlyings vom Strikepreis, dann fällt der Wert des Gammas. Dagegen steigt der Wert des Gammas, je näher der Straddle dem Laufzeitende kommt (oder wenn die implizite Volatilität fällt - doch dazu in einer folgenden Ausgabe mehr).
Das heißt: Bei einem Long Straddle mit einer langen Restlaufzeit verändert sich das Delta nicht so stark (wenn sich der Kurs des Underlyings bewegt), als bei einem Long Straddle mit kürzerer Restlaufzeit. Mit anderen Worten: der Preis des Straddles verändert sich (aufgrund des Gammas) bei kürzerer Laufzeit stärker.
Warum also nicht einen Long Straddle kurz vor dem Ausübungsdatum kaufen?
Antwort: Aufgrund des Thetas!
Das Theta ist umso höher, je kürzer die Restlaufzeit ist, also je näher der Long Straddle dem Ausübungsdatum kommt. Und was ein hohes Theta bedeutet, wissen Sie ja bereits: einen enormen Zeitwertverfall! Das bedeutet, dass es durchaus möglich sein kann, dass das Theta am Ende den gesamten Gamma-Gewinn wieder auffrisst. Dies ist der Grund dafür, dass ein Trader einen Long Straddle meist nicht bis zur Ausübung halten wird, und stattdessen versucht seinen Gamma-Gewinn vorher mitzunehmen.
Mein Rat: Geben sie einem solchen Trade Zeit! Wählen Sie die Restlaufzeit nicht zu kurz (auch wenn das die Gamma-Gewinne etwas schmälert), denn Theta kann sehr gefährlich werden! Wichtig ist es vor allem eine ausgewogen Balance zwischen den drei für diesen Trade bestimmenden Griechen zu finden: Gamma, Theta und Vega.
Ein Long Straddle weist immer ein positives Vega auf! Aus diesem Grund ist er vor allem eine sehr beliebte Strategie um auf Volatilitätsveränderungen zu setzen. Wenn ein Trader davon ausgeht, dass die Volatilität steigen wird, sich aber unsicher in Bezug auf die Richtung der Kursveränderung des Underlyings ist, dann ist ein Long Straddle eine gute Strategie mit limitiertem Risiko.
Das Vega im Long Straddle hat den höchsten Wert, wenn...
...der Kurs des Underlyings gleich dem Strike-Preis ist
...und noch wichtiger: wenn die Restlaufzeit höher ist
Vega und Gamma und Theta
Dies steht natürlich nun im Gegensatz zum Gamma. Wir erinnern uns: wenn ein Trader einen Long Straddle als Gamma-Trade betrachtet, wird er Optionen mit kürzerer Restlaufzeit kaufen. Doch hier liegt eben auch eine Vega-Gefahr: ein Gamma-Trade kann sehr schnell zu einem Verlust werden, aufgrund der impliziten Volatilität. Auf der anderen Seite, muss ein Trader der einen Vega-Trade eingeht auch das Theta bedenken. Auch hier besteht ein Risiko: die Zeit kann bisweilen den ganzen Vega-Gewinn wieder auffressen. Hier heißt es also aufpassen: ein Long Straddle der wunderbar auf Veränderungen der impliziten Volatiliät ausgelegt ist, funktioniert nicht zwangsläufig auch so gut, bei Veränderungen des Underlying-Kurses - und umgekehrt. Wichtig ist es deshalb eine ausgeglichene Balance zwischen Vega, Gamma und Theta zu finden. Bevor Sie sich für einen Long Straddle entscheiden, müssen Sie diese Einflussfaktoren unbedingt bedenken.
Ein Tipp: wenn die implizite Volatilität gespielt werden soll
Wie gesagt: für einen reinen Gamma-Trade wäre es richtig auf Optionen mit kürzerer Restlaufzeit zu setzen. Oben habe ich Ihnen jedoch bereits geraten, aufgrund der anderen wichtigen Einflussfaktoren, einem Long Straddle lieber etwas Zeit zu geben, obwohl dies die Gamma-Gewinne etwas schmälert.
Nun noch ein ergänzender Tipp, ganz gezielt auf die implizite Volatilität bezogen: wählen Sie eine Option mit einem Ausübungsmonat, bei welchem der Wert der impliziten Volatilität, im Vergleich zur historischen impliziten Volatilität und zur historischen Volatilität, niedrig ist. (Stichwort: Analyse der Vola-Charts)
Wenn Sie diesen Tipp beherzigen, ergeben sich auch die Möglichkeiten einen Vega- UND Gamma-Trade zu spielen, wenn eine Option mit kürzerer Restlaufzeit ein niedriges Vega aufweist.
So viel zur Wiederholung, liebe Leser. Am kommenden Mittwoch geht es weiter, mit den Ausstiegsstrategien aus einem Long Straddle.
Damit verabschiede ich mich für heute, wünsche Ihnen ein schönes (hoffentlich etwas wärmeres) Wochenende und liebe Grüße
Ihre Miriam Kraus
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