Liquiditätsspritze
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 11. März 2008 20:45 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
sicher haben Sie es bereits vernommen: Ben, sein Team und die anderen Notenbanker gehen einen anderen Weg um die Wirtschaft zu retten. Einen anderen Weg, der zunächst einmal von der Zinspolitik weg führt.
Das Echo des gewaltigen Schrittes, den die Notenbanken gemeinsam gehen wollen, schaffte es heute sogar sich in den Aktienmärkten niederzuschlagen.
Ben macht 200 Milliarden USD locker
Bereits am Freitag hatte die US-Zentralbank bekannt gegeben, man werde 100 Milliarden USD bereit stellen um die Liquidität auch an den Kreditmärkten anzukurbeln.
Mitgekriegt haben es offenbar nur wenige, denn der Markt zeigte keine wirkliche Reaktion.
Aber heute schlug die Nachricht wie eine Bombe ein:
Die Notenbanken werden sich dem Auslöser der Krise annehmen und die problematischen hypothekenbesicherten Wertpapiere, inklusive der Hypothekenpapiere der angeschlagenen Subprimelender Fannie Mae und Freddie Mac gegen Staatsanleihen umtauschen.
Das ganze funktioniert in den USA über ein neues Instrument, die so genannte Term Securities Lending Facility. Hierbei werden so genannte Primary Dealers, wie Goldman Sachs, Bear Stearns und Merrill Lynch direkt mit der Zentralbank handeln.
Dahinter steckt die Idee, dass diese Primary Dealers ihrerseits wiederum die Staatsanleihen an andere Institute weiterverkaufen und so Cash generieren.
Hintergrund der ganzen Aktion ist im Moment wohl weniger die Banken vor ihren hohen Abschreibungen zu bewahren, als vielmehr den Handel wieder anzukurbeln. Oder anders ausgedrückt, das Vertrauen der Banken untereinander und damit in die Wirtschaft allgemein auf mittelfristige Sicht wieder herzustellen. Banken und Finanzinstitute machen untereinander Geschäfte und sie vergeben Kredite. Das ist es was den Wirtschaftskreislauf am Leben erhält. Ohne Geschäfte keine Dynamik, ohne Vertrauen kein Geschäft. Und genau das ist inzwischen das Problem geworden: Viele Banken trauen einander nicht mehr, wagen es nicht Kredite zu vergeben oder andere Geschäfte abzuschließen, aus Angst der Partner könne die Rückzahlung nicht mehr bewerkstelligen. Und bei Abschreibungen in Milliardenhöhe sind inzwischen ja auch die Großbanken von der Krise betroffen.
Nun gut, Vertrauen ist alles und so will Bernanke denn auch ab dem 27. März 200 Milliarden USD für den Eintausch bereit stellen. Mit ihm ziehen auch die anderen Zentralbanken ins Feld. Die EZB stellt 15 Milliarden USD zur Verfügung, die Schweizerische Notenbank 6 Milliarden USD, die Bank Of England wohl insgesamt 20 Milliarden USD, und auch Kanada und Japan wollen sich anschließen.
Wirklich bemerkenswert ist die Laufzeit. Denn die Institute haben ganze 28 Tage Zeit für die Rückzahlung.