Liechtenstein – Quo vadis?

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Der zunehmende internationale Druck auf die "Steueroase" Liechtenstein sowie der Imageschaden durch die Datenskandale hat nunmehr bei den führenden Liechtensteiner Banken (LGT, Liechtensteinische Landesbank, VP Bank) zu einem deutlichen Gewinnrückgang und vor allem zu einem fast schon dramatischen Einbruch beim Zufluss neuer Kundengelder geführt.


Internationale Anleger meiden den Bankplatz Liechtenstein

Die VP Bank beispielsweise als drittgrößte Bank des Fürstentums konnte in den ersten sechs Monaten netto nur noch Neugeld von 99 Millionen Franken beschaffen. Das hat gerade mit dem Druck zu tun, unter dem das Fürstentum und seine Banken im Zusammenhang mit dem Bankgeheimnis geraten sind. Vor einem Jahr waren der VP Bank noch 1,8 Milliarden Franken zugeflossen und im ganzen Jahr war sie auf drei Milliarden Franken gekommen.

Singapur und Dubai statt Liechtenstein

Auch bei der im Besitz des Fürstenhauses stehenden LGT Bank ist es im ersten Halbjahr zu einem drastischen Rückgang beim Neugeld gekommen. Bei den ausländischen Stützpunkten war der LGT noch Geld zugeflossen. Die LGT verfügt beispielsweise über Auslandsstützpunkte in Singapur oder Bahrein. Die VP Bank über Stützpunkte beispielsweise in Singapur, Dubai und den British Virgin Islands. Von Konten und Depots in Liechtenstein hatten hingegen die vornehmlich ausländischen Kunden ihr Geld abgezogen. Das Vermögensverwaltungsgeschäft der Liechtensteiner Banken wird auch in nächster Zeit massiv unter Druck stehen.

Die Banken müssen aus diesen Gründen vor allem Ihre Geschäftsstrategien überdenken und neu ausrichten. Der Finanzplatz insgesamt, beziehungsweise das Land Liechtenstein muss dafür ebenfalls reagieren. Dazu muss das Fürstentum neue, attraktive und international akzeptierte Rahmenbedingungen schaffen.

Vom Bankenstandort zum Unternehmerstandort

Liechtenstein senkt dazu seine Gewinnsteuer von momentan 20 % auf 12,5 % (adäquat Irland). Darüber hinaus will Liechtenstein Beteiligungserträge ganz von der Steuer verschonen. Die Kapitalsteuer sowie die Quellensteuer soll für Firmen abgeschafft werden. Zwischen verflochtenen Unternehmen ist ein Verlustausgleich vorgesehen.

Kooperationsbereitschaft in Steuerfragen

Erwartungsgemäß befasste sich Erbprinz Alois von Liechtenstein in seiner Ansprache zum Staatsfeiertag 2008 mit den aktuellen Geschehnissen auf dem Finanzplatz. Der Erbprinz gab dabei zu verstehen, dass in Anbetracht des internationalen Trends zur verstärkten Zusammenarbeit in Steuerfragen auch für Liechtenstein die Zeit gekommen sei, vermehrt in Richtung Kooperation zu gehen. Das System der Rechts- und Amtshilfe im Bereich der Steuern sollte nach seiner Ansicht auf eine neue Grundlage gestellt werden. Wörtlich sagte der Erbprinz: "Wir sollten all jenen Staaten eine umfassende Kooperation anbieten, die bereit sind, mit uns sinnvolle Lösungen für die gewachsenen Kundenbeziehungen zu finden, und an einer fairen und konstruktiven Zusammenarbeit für die Zukunft interessiert sind."

Von der geächteten Steueroase zum anerkannten Niedrigsteuerland

Der Erbprinz machte in seinen Ausführungen deutlich, dass Liechtenstein kein Offshore-Platz mehr sei, sondern ein im Onshore-Bereich stärker wachsender Finanzplatz und ein erfolgreicher Industriestandort: "Wir sind kein Offshore-Platz im eigentlichen Sinne, sondern haben neben dem Finanzplatz, dessen Onshore-Sektor immer stärker wächst, einen bezüglich Wirtschaftsleistung und Beschäftigten deutlich größeren und äußerst erfolgreichen Industriestandort." Lösungen zur Vermeidung von Doppelbesteuerungen seien daher im Rahmen einer umfassenden Kooperation in Steuerfragen ein logisches und berechtigtes Anliegen. Trotz der von ihm angekündigten neuen Kooperation bei den Steuern werde sich Liechtenstein auch in Zukunft ausreichend von anderen Finanzplätzen unterscheiden. "Denn während viele Staaten den "gläsernen Bürger" einführen, pflegen wir eine Kultur der Privatsphäre, die weit über das Bankkundengeheimnis in Steuerfragen hinausgeht."

Neue Perspektiven in Europa statt Isolation

Fürst Hans-Adam II. gab sich in einem Interview pragmatisch, was den Druck aus dem Ausland auf den Finanzplatz Liechtenstein betrifft: "Natürlich wird es immer wieder Druck geben. Zugleich dürfen wir aber die Drohungen, beispielsweise Deutschlands, nicht überschätzen." Was den Informationsaustausch betrifft, so kündigte der Fürst an, dass Liechtenstein in Verhandlungen etwa so weit wie die Schweiz oder Luxemburg gehe. Mit Verhandlungen und nachfolgenden Abkommen könne der Druck aus dem Ausland vermindert werden, unterstrich Fürst Hans-Adam II. Allerdings dürfe man nicht vergessen, dass Deutschland immer schon Druck auf Liechtenstein ausgeübt habe, weil Liechtenstein Steuerflüchtlinge und andere Flüchtlinge aufgenommen habe: "Vor rund 40 Jahren hat ein deutscher Finanzminister mit dem Einmarsch der deutschen Feuerwehr gedroht, falls wir weiterhin eine Steueroase bleiben. Die Angriffe aus der Steuerwüste im Norden haben Tradition - und trotzdem sind wir immer noch eine Steueroase."

Mein Fazit

Liechtensteins Banken haben mehrere dramatische Effekte derzeit zu verkraften. Zum einen natürlich die Finanzkrise und die derzeitige Unsicherheit an den Weltbörsen. Zum anderen einen verunsicherte Kundenstamm, welcher wohl Gelder noch weiter abziehen wird. Hier ist die Aufgabe, diese Abflüsse umzustrukturieren (legalisieren) oder umzuleiten auf Niederlassungen in Asien, dem Mittleren Osten oder andere alternative Destinationen außerhalb Europas.

Das Hauptproblem sehe ich aber vorwiegend in den versiegenden Neukundenströmen. Gewinn ohne Wachstum ist tödlich. Wachstum ohne Gewinn natürlich auch und beides wird schwerer werden. Verhandlungen müssen nun vor allem mit den USA und Deutschland geführt werden. Gerade Deutschland gehört für diverse Liechtensteiner Firmen, wie Hilti oder die LGT-Bank, zu den mit Abstand wichtigsten Märkten. Vor allem Doppelbesteuerungsabkommen würden diesen das Geschäft erheblich erleichtern. Ohne massive Zugeständnisse beim Informationsaustausch und der Rechtshilfe dürfte aber die Bundesregierung wegen des vermuteten deutschen Schwarzgelds in den 50.000 Liechtensteiner Privatstiftungen kaum einen solchen Vertrag schließen. Ich denke Liechtenstein muss dem Internationalen Druck weiter entgegenkommen und die derzeitigen - erzwungenen - Maßnahmen sind aus meiner Sicht der Beginn des Anfangs dieser Entwicklungen.

Ihr

Markus Miller

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Markus Miller
Markus Miller

Markus Miller ist ein gefragter Experte, wenn es um das komplexe Thema internationale Vermögensstrukturierung und die globale Steuerung von Vermögenswerten geht.


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