Letzte Ölung
Bill Bonner in Investors Daily
vom 04. November 2005 18:00 Uhr
ENL5454
*** "Können Sie eine Spekulationsblase erkennen?", fragte der zukünftige oberste Angestellte der Fed, Ben Bernanke, "ich sehe keine Blase."
Alan Greenspan verlässt seinen Posten am 31. Januar. Er hofft verzweifelt darauf, dass bis dahin nichts mehr schief geht. Vermutlich wird es das auch nicht, dennoch kann ich schon verstörende Anzeichen ausmachen.
Bloomberg berichtet, dass die Löhne langsamer wachsen als je in den letzten 24 Jahren. Wenn Alan Greenspan wirklich eine so gute Arbeit geleistet hat, was es anbelangt, die Wirtschaft zu verwalten, dann fragt man sich doch, warum die Leute nicht mehr Geld verdienen. (Anm. der dt. Red: Die Zahlen von heute Nachmittag lagen Hr. Bonner noch nicht vor.)
Die asiatischen Märkte scheinen zusammenzubrechen. Nehmen sie damit nicht den Rückgang des amerikanischen Verbraucherkonsums vorweg?
*** Ich hatte bei den Pilzen, die ich letztes Wochenende verzehrt hatte, schon ein komisches Gefühl. Irgendetwas an ihnen hat einfach nicht richtig ausgesehen. Und jetzt habe ich genau so ein Gefühl auch bei den Immobilienpreisen ... und ganz allgemein bei der amerikanischen Wirtschaft. Sie sehen beide nicht gesund aus.
Die amerikanischen Märkte haben sich in den letzten fünf Jahren auffallend verändert. Abgesehen von den Spekulationen bei den Technologieaktien im Jahr 2000, haben die amerikanischen Anleger immer an 'kaufen und halten ... von Aktien auf langer Strecke' geglaubt. Der Nasdaq ist zusammengebrochen, und der Dow hat sich in den letzten fünf Jahren nirgendwohin bewegt. Die Leute sind der langen Strecke überdrüssig, sie wollen jetzt alles. Deshalb haben Immobilien die Aktien verdrängt, die Geduld hat den Weg für die Tollkühnheit frei gemacht und die Besonnenheit ist der Fremdverschuldung gewichen. Jeder, der keine große Hypothek auf sein Haus aufgenommen hat, wird für einen Idioten gehalten. Er hätte so viel mehr Haus haben können – und damit so viel mehr Geld machen können – wenn er den Fremdkapitalanteil genutzt hätte. Wohnungen werden gekauft und sofort wieder weiterverkauft. Häuser werden refinanziert. Und so viele Wohngebäude schießen aus der Erde, dass die Baumaterialien im Preis stark angestiegen sind. Ob das jetzt eine Blase ist oder nicht, wird uns Mr. Market bald wissen lassen. Mr. Bernanke und Mr. Snow reden nur.
*** Aus Harper's Weekly:
"In Brooklyn ließ sich ein Mann ein Bild mit dem Titel "Letzte Ölung" auf seinen rechten Arm tätowieren, als er plötzlich ohnmächtig wurde und auf die Theke fiel. Glassscherben schnitten in seinen Hals und töteten ihn."
Die Eleganz der Natur. Sie stellt die Menschen nur auf die Beine, so dass sie sie dann umwerfen kann.
Gab es jemals eine Ausnahme?
Sind jemals ein Mann oder eine Frau geboren worden, die nicht auch gestorben sind?
Gab es jemals einen Idioten an den Märkten, den die Märkte nicht früher oder später um sein Geld gebracht hätten?
Aber da kommt Ben 'Druckerpresse' Bernanke und besetzt den höchsten Finanzposten der Nation. Er ist jetzt Vorsitzender der Zentralbank. Welche elegante Strafe hält die Natur für diesen Menschen bereit? "Wir haben ein technisches Gerät", sagt Bernanke "das nennt sich Druckerpresse."
Mit der Zuversicht eines Heiligen oder eines Geisteskranken erklärt uns der nächste Chef der Fed, warum wir uns keine Sorgen wegen einer Deflation machen müssen. Und doch, fallende Preise wären genau die Art von Verrat, die die Natur dazu bringen könnte, der Nation Verschuldung und dem Fed-Chef Ablehnung zu bescheren. Das ist zwar nicht, was er erwartet, es ist jedoch, was er so sehr verdient hat.
"Auf gar keinen Fall", sagt Bernanke jetzt vielleicht "vergessen Sie nicht, wir haben die Druckerpresse. Wir können jederzeit mehr Geld drucken ... wir können es sogar von Hubschraubern abwerfen, wenn das nötig ist. Deflation ist wirklich nichts, worüber man sich Sorgen machen müsste."
Und dennoch, die Japaner erlitten ein Jahrzehnt des Auf und Abs bei der Deflation. Ich bin nicht sicher, aber es würde mich überraschen, wenn die Japaner keine Druckerpressen hätten. Vielleicht ist es doch nicht so leicht, wie Bernanke zu glauben scheint.