Letzte Bastion amerikanischer Vorherrschaft
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 23. März 2010, 07:30 Uhr
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Das hier muss so etwas wie das goldene Zeitalter der amerikanischen Regierung sein. In den Vereinigten Staaten haben die Regierungsvertreter gewaltige Einsätze im Bankenwesen, der Automobilindustrie, im Versicherungswesen und bei den Hypothekenfinanzierern gemacht.
Die Chinesen bezahlen für ihre Unternehmen. Sie haben bereits heute bei den meisten wichtigen Unternehmen der Vereinigten Staaten Fuß gefasst. In der vergangenen Woche haben sie einen weiteren großen Schritt angekündigt. CNOOC, Chinas staatseigenes Energieunternehmen kauft die Hälfte von Argentiniens größtem Ölhersteller, Bridas. Die Chinesen sagen über das Geschäft, dass es für sie so etwas wie Brückenkopf für den Einstieg in Lateinamerika sei.
Die reichsten Menschen der Welt (zwei von ihnen sind Inder)... die größten Märkte... die größten Finanzreserven... und die gewinnträchtigsten Unternehmen - sie alle bewegen sich weg von den Vereinigten Staaten.
Und jetzt bietet China an, den Vereinigten Staaten dabei zu helfen, das Transportsystem zu verbessern. Aus Peking heißt es, dass chinesische Unternehmen Hochgeschwindigkeitsstrecken in Kalifornien, Florida und Illinois einrichten würden.
Was kommt als nächstes?
Unternehmen, denen man vertrauen kann...
Es gibt zumindest einen Bereich in den Vereinigten Staaten, bei dem man immer noch die klare und entschiedene Führungsposition inne hat - das Militär. Hier macht uns keiner etwas vor. Keine Marine, keine Luftwaffe, keine Armee. Hier sind wir die Nummer eins.
Das Problem dabei, die Nummer eins in Sachen Militärmacht zu sei, besteht darin, dass man jemanden finden muss, der dafür bezahlt. Das erinnert mich an das jüngste Buch von Thomas F. Madden: Empires of Trust [Imperien des Vertrauens", aber auch Imperien der Hypotheken/Treuhand"] Ich habe während des vergangenen Wochenendes in einer Rattanliege am Schwimmbecken gesessen, Limonade und Rotwein getrunken und das Buch gelesen.
Das Buch ist ein köstliches Geschichtsbuch, das den Krieg Hannibals gegen die Römer nacherzählt und die vielen Kriege der Römer gegen die Griechen. Es ist ein beachtliches Geschichtsbuch. Zu schade nur, dass der Autor daraus Schlüsse zieht, die so gar nicht mit seiner eigenen Erzählung in Einklang zu bringen sind.
Dabei geht es darum, dass sich die Vereinigten Staaten, genauso wie das alte Rom, von meisten anderen Imperien unterscheiden. Es sind gute Imperien - basierend auf starken familiären und religiösen Werten - die nur das Beste für den Rest der Welt wollen, und nur Frieden und Sicherheit für sich selbst. Das römische Imperium hatte Erfolg, so schreibt er, weil man ihm vertrauen konnte. Amerika wird aus dem gleichen Grund fortbestehen, so glaubt er.
Wenn das stimmen würde, dann würden die Römer die hoffnungslos unfähigste Volksgruppe der Menschheit sein, die je auf Erden wandelte. Sie haben Frieden gewollt? Die Quellen zeigen Jahre von Krieg. Die Geschichte Roms ist eine Geschichte der Kriege. Sie haben gegen folgende Gruppen und Völker gekämpft:
Sabiner und viele andere Stämme
Fidenaten
Vejer
Albanen
Latiner
Samniten
Griechen
Karthager
Illyrer
Makedonen
Syraker
Spartaner
Dorische Kreter
Argiver
Seleukiden
die ätolische Liga
die Iberer
Lusonen
verschiedene keltisch iberische Stämme
Lusitanier
Damit lassen wir den Kleinkram beiseite und kommen nur bis in das Jahr 139 v.u.Z... da lagen noch weitere 500 Jahre schwerer Kämpfe vor ihnen. Wenn es in der Zeit der Antike irgendwen gab, der nicht mit den Römern in die Wolle geriet, dann habe ich davon noch nichts gehört.
Und die Sicherheit? Mr. Madden scheint zu glauben, dass die römischen Armeen nur deshalb den ganzen Weg zwischen den Ufern des Tiber und den Ufern des Tyne, zwischen Rhein und Euphrat zurücklegten, um die Mauern Roms selbst sicherer zu machen. Nachdem sie den einen Nachbarn geschlagen hatten, standen sie dem nächsten gegenüber, der sich natürlich wegen der nächsten Schritte Roms Gedanken machte.
Während der Kreis immer weiter wurde, sah sich Rom immer mehr Nachbarn gegenüber, die man in die Flucht schlagen musste. Wo man zuerst nur einige wenige mögliche Feinde hatte, fand man sich bald der halben Welt gegenüber, wobei man natürlich Verbündete hatte mit einer mehr oder weniger fragwürdigen Loyalität. Darunter war auch die stärkste Militärmacht der damaligen Zeit. Im Namen der Sicherheit, hat man, mit anderen Worten, die führenden Militärgenies einberufen, damit sie daran arbeiten, diese zu zerstören.
Mr. Madden sollte wirklich mehr vor die Tür gehen. Er scheint viel über die Geschichte Roms zu wissen. Das Problem ist, dass er nicht so viel von anderen Menschen... ihrer Geschichte... ihren Motivationen... und ihren Imperien weiß. Während es große Unterschiede bei Charakter und Stil zwischen den verschiedenen Imperien gibt, sind sie sich in einer Sache alle gleich:
Sie werden von Menschen geführt, die hinter der gleichen berauschenden Mischung aus Macht, Geld und Status her sind. Sie alle verwenden Peitsche und Zuckerbrot - soweit sie dazu in der Lage sind. Einige sind besser mit dem Zuckerbrot. Andere sind besser mit der Peitsche. Das Zuckerbrot war oft die günstigere Methode für ein Imperium, das zu bekommen was man wollte. Aber alle Imperien waren auch in der Lage, Kriege zu führen und oft auch zu gewinnen, oft rücksichtslos und brutal, wenn die Umstände das erforderten.
Letzten Endes ist ein Imperium so etwas wie Schutzgelderpressung. Die imperiale Macht bietet Schutz und verlangt Tribute als Gegenleistung. Wenn man keinen Tribut bekommt... oder keinen Schutz bieten kann... dann ist man nicht mehr im Geschäft. Vertrauen ist nützlich für Imperien, genauso wie für die Mafia. Es ist ein Werkzeug, aber nicht Kern des Geschäftes.
Das wird deutlich in Mr. Maddens eigener Nacherzählung der Punischen Kriege. Nachdem die Römer ganz Italien erobert hatten, blickten sie über den Golf von Messina nach Sizilien. Dort versuchten die Karthager die Kontrolle zu übernehmen. Natürlich versuchten die Sizilianer der damaligen Zeit Unterstützung zu bekommen, wo immer sie sie finden konnten und sie signalisierten Rom, dass man Hilfe brauchen könnte.
Das Problem war nur, dass die Römer ein Abkommen mit den Karthagern hatten. Wie Hitler und Stalin vor dem Einmarsch in Polen, hatten die beiden sich geeinigt, die Interessensgebiete des jeweils anderen zu respektieren. Die Römer, die laut Madden keinen Streit wollten, hatten sich bereit erklärt, den Rest der Welt den Karthagern zu überlassen. Die Römer erhielten als Gegenleistung freien Lauf in Italien.
Doch das Imperium des Vertrauens hinterging die Karthager. Sie sind nach Sizilien gegangen und haben die Insel für sich selbst gewonnen. Das war der Erste Punische Krieg. Zum Zweiten Punischen Krieg kam es in gleicher Weise. Diesmal brachen die Römer ein Abkommen indem sie sich in die karthagischen Angelegenheiten in Spanien einmischten.
Beim Zweiten Punischen Krieg erlebte man Hannibal, der die Alpen überquerte. Dann sah man, wie stark die Vertrauensbeziehungen in Italien wirklich waren. Die Wahl zwischen dem schwachen Rom und den starken Karthagern bedenkend, haben Dutzende italienischer Städte ihre Allianzen gebrochen --- darunter die zweitgrößte Stadt der Halbinsel - Capua.
Den Römern konnte man so lange vertrauen, solange das Vertrauen für sie arbeitete. Wenn es das nicht mehr tat, wandten sie sich der Gewalt zu - genauso wie jeder andere auch. Im Falle der Punischen Kriege und aller römischen Kriege, war es die Gewalt, die die Sache regelte und nicht das Vertrauen.
Madden verschwendet eine ganze Menge Tinte darauf, uns zu erzählen, wie nett die Römer in ihren Kriegen gegen die Griechen waren. Aber wenn es hart auf hart kam, d.h. als sich Vertrauen nicht mehr auszahlte, gingen die römischen Streitkräfte in Korinth auf Beutezug und machten die Stadt dem Erdboden gleich.
Mr. Madden versteht nicht, worum es Rom ging. Er versteht auch nicht, worum es den Vereinigten Staaten geht. Wie Rom verwendet auch Amerika Peitsche und Zuckerbrot. Zuckerbrot ist normalerweise billiger. Aber letzten Endes zählt nur die Peitsche.
Die Amerikaner waren in der Lage, die Einheimischen mit Abkommen und Reservaten zu beruhigen. Aber wenn sie nicht bereit gewesen wären, in den Krieg gegen sie zu ziehen, wären sie nie in der Lage gewesen, das Land zu kolonialisieren. Damals verwendeten sie die Peitsche auch gegen ihre eigenen Leute. In ihrem Krieg gegen die Konföderation tat Sherman gegenüber Atlanta ziemlich genau das gleiche, wie Mummius gegenüber Korinth. Er hat die Stadt zerstört... und das umgebende Land verwüstet.
Eine kurze Anleitung zu Imperien: Eine Koalition unter den Bereitwilligen ist gut und schön, wenn sie nicht mehr bereit sind, mitzuspielen, dann hole man die Peitsche hervor und verpasse ihnen ordentlich Schläge.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Sven Schmidt (23.03. 2010 07:48 Uhr):
genau so ist es und wird es immer bleiben. es sei denn das die menschen eines tages erkennen das es sich mit einen friedlichen nebeneinander besser und streßfreier lebt.
Antworten - Kommentar von Wasser (23.03. 2010 08:03 Uhr):
Man muss nicht einmal so weit bis zu den Römern zurückblicken um zu verstehen, was Imperien sind! Großbritannien und seine Commonwealth, waren und sind Imperien und der Ausbruch zweier Weltkriege waren nur der Versuch diese zu verteidigen! Im Übrigen, der Ausdruck Schutzgelderpressung in diesem Zusammenhang ist noch sehr fein!
Antworten - Kommentar von Peter Harting (23.03. 2010 08:44 Uhr):
Wo wir beim Bücherlesen sind: Mich beeindrucken gerade die Zeitgeschichtlichen Betrachtungen Band I, eine Vortragsreihe von Rudolf Steiner, Dornach (Schweiz) Dezember 1916. Dort betrachtet er die spirituellen Ursachen von Weltkrieg I und zitiert Quellen, die etwas Anderes belegen, als was uns in deutschen Schulen als "Kriegsschuld" erzählt wurde. Warum haben die damaligen Imperien GB, RUS, F und USA wohl auf Peitsche gesetzt, wo es leichter, weniger blutig und sinnvoller gewesen wäre, auf Zuckerbrot zu setzen? Bestätigend und unabhängig davon - die kleine Schrift von Francis Delaisi (Paris 1911) La Guerre qui vient, Der kommende Krieg (Berlin 1916)
Antworten - Kommentar von friedrich F Zuther (23.03. 2010 13:25 Uhr):
Exact, Mr. Bonner.
Antworten - Kommentar von Dr Udo Henkel (23.03. 2010 14:38 Uhr):
blendende Analyse der "Arbeitsweise" von Imperien und das trotz der gräßlichen Liaison von Limonade und Rotwein
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