Leserfrage: Entschuldung über Geldentwertung
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 17. März 2009, 16:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
kürzlich erhielt ich die folgende Zuschrift:
Hallo Herr Hahn
Habe eine Frage zu einem Thema über das zur Zeit sehr viel gesprochen wird, aber keiner der mir bekannten Durchschnittsbürger es wirklich versteht. Vielleicht können Sie es so erklären, das es nachvollziehbar ist.
Rundum wird davon gesprochen, daß über kurz oder lang der Crash kommen muß. Crash dahingehend, daß der Staat sich seiner Schulden über Geldentwertung zum Teil entledigen wird. (kurz gefaßt.)
Aber wie letztendlich soll das funktionieren.
Nur über steigende Inflation oder in einer über Nacht Aktion der Halbierung des Geldes?
Wie würde das Aussehen?
Z.B. Ich habe 10 000,- Euro Schulden.
Ich verdiene 1000,- Euro im Monat.
Ein Liter Europäische Milch kostet 1 Euro
Ein Liter Benzin kostet 1 Euro
Ein Fernseher aus China kostet 1000,- Euro
Wenn jetzt der Staat über Nacht um 50% abwertet. Dann habe ich immer noch 10 000,- Euro Schulden verdiene immer noch 1000,- Euro und der Liter Milch wird vermutlich auch nur 1 Euro kosten. Der Benzin wäre vermutlich erheblich teurer und der Fernseher würde fast das Doppelte kosten.
Der Staat hat ,,,,Hausnummer 1 Billion Euro Schulden. Nach der Abwertung hat er immer noch 1 Billion Euro Schulden. Also was bringt es außer er würde die Geldmenge einfach verdoppeln??
Für alle Bürger die einen Fremdwährungskredit haben wäre das schon mal ein Fiasko. Denn der hätte dann über Nacht seine Schulden verdoppelt.
Auch ist die Frage wären dann normale Bankschulden gut oder nicht?
Vielleicht gibt es dazu eine relativ einfache Erklärung für die ich Ihnen und viele meiner Bekanten dankbar wären.
Die Frage, welche der Leser hier stellt, höre ich immer wieder und natürlich ist sie sehr interessant. Letztlich lässt sich solch etwas jedoch nicht prognostizieren, denn es hängt von den verantwortlichen Entscheidungsträgern in der Politik ab, wie in diesem Fall reagiert wird. Von Währungsschnitten bis hin zu kontinuierlich erhöhter Inflation bzw. sonstigen "kreativen" Ideen ist wohl ziemlich alles denkbar - je nachdem, wie schlimm die Lage letztlich wird.
Zwei Hinweise kann ich hierzu nur geben:
- Bedenken Sie bitte, dass der Staat im Falle solch einer Schuldenentledigung gegen Sie spielt. Wenn so etwas kommt, wird es sehr plötzlich bzw. "aus heiterem Himmel" und für die Masse der Leute unerwartet kommen. Die Zeit, sich vorzubereiten, ist daher nicht dann, wenn die Schlagzeilen in den Medien schlecht werden, sondern früher. Ich kann in diesem Zusammenhang nur auf den Bankrun des letzten Oktobers verweisen. Auch dieser wurde damals massiv heruntergespielt und Monate später berichteten dann Finanzmedien wie das Handelsblatt, wie weit das Finanzsystem im Abgrund stand...
- Prinzipiell würde ich versuchen, Schulden weitmöglichst zu tilgen und nicht auf eine "Entschuldung durch Krise" zu spekulieren.
Alles weitere wird sich nur allmählich erkennen lassen, während sich die Krise weltweit weiter entwickelt.
Beste Grüße
Alexander Hahn
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von reiner tiroch (24.02. 2011 18:58 Uhr):
Die angegebenen 2 billionen Schulden sind tatsächlich eher 7 Billionen Miese. Das volksvermögen ist 5 Billionen. Das bare wird zu o, und die Schulden werden zu 40% bleiben.
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