Leserfrage beantwortet: Hyperinflation
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 3. März 2009, 16:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser.
kürzlich erhielt ich den nachfolgenden Leserbrief, auf den ich heute öffentlich eingehen werde:
Sehr geehrter Herr Hahn,
ich lese Ihre Artikel immer mit grossem Interesse und schätze Ihre “andere” Sichtweise. In anderen Publikationen, die teilweise sehr reisserisch gestaltet sind, ist in letzter Zeit immer wieder die Rede von einer möglichen Hyperinflation mit anschliessender Währungsreform.
Im Prinzip ist mir klar, dass damit eventuelle Bankguthaben natürlich an Wert verlieren, da damit die Kaufkraft dramatisch sinkt.
Demzufolge sinken auf der anderen Seite natürlich auch Schulden, wie Hypotheken und Baudarlehen im Wert.
Meine Frage ist nun: Ist es wirklich so, dass ich wenn ich z.B. für 100.000 € noch ein Brot kaufen kann ich dann auf der anderen Seite mein Darlehen mit dem Gegenwert eines Brotes ablösen kann? Oder gibt es hier Mechanismen, dass dies von Seiten der Banken verhindert wird.
Und eine weitere Frage: Wie schätzen Sie überhaupt die Wahrscheinlichkeit ein, dass es, wenn es zu einer Währungsreform im Euro kommen würde, andere Währungen, wie z.B. das Pfund oder der Dollar ungeschoren davon kämen; denn dann käme es ja zu einem unglaublichen Run auf Sachwerte in der Eurozone.
Vielleicht können Sie diese Frage ja mal in Ihrem „Investoren Wissen“ thematisieren, wenn Sie nicht völlig abstruß ist.
Haben Sie evtl. eine Quelle in der man etwas über die Folgen einer Währungsreform lesen kann und auch einen Buchtip (auch für nicht studierte Volkswirte) zur östereichischen Schule der Nationalökonomie?
Mit freundlichen Grüßen
Ich treffe bei der Beantwortung von Leserfragen immer wieder auf diese Thematik, daher entschied ich mich, den obigen Leserbrief heute öffentlich zu beantworten.
Die Leserin fragt hier nach Schutzmechanismen, mit denen Banken verhindern könnten, dass größere Darlehen mit dem "Gegenwert eines Brotes" abgelöst werden können.
Hier gibt es in der Tat verschiedene Mechanismen. Eine Möglichkeit ist es z.B. auf staatlicher Seite, dass bei Währungsreformen Guthaben mit einem anderen Faktor abgewertet werden als Schulden. Der beste Weg ist hier jedoch, sich einmal selbst genau die Konditionen des eigenen Vertrags mit der Bank anzusehen. Dort dürfte sich die Antwort auf diese Frage schwarz auf weiß befinden.
Prinzipiell würde ich, wenn Sie eine Hyperinflation erwarten, versuchen, sämtliche Schulden sicherheitshalber im Vorfeld bestmöglich abzubauen und nicht darauf wetten, dass die Hyperinflation dies "schon regele".
Was auch zu bedenken ist, ist dass die Ersparnisse in solch einem Fall, wenn nicht genügend Sachwerte vorhanden sind, rapide an Wert verlieren und somit im obigen Beispiel nicht die Hypothek "billig" ist, sondern das Brot extrem teuer.
Wir haben ein weltweites System von ungedeckten Papierwährungen. Ich gehe aufgrund der Beschaffenheit der aktuellen Krise nicht davon aus, dass eine Papierwährung "ungeschoren" hier davonkommen wird. Vielmehr gibt es vielleicht einen zeitlichen Versatz der Währungen untereinander, aber ohne Schaden dürfte hier kaum eine Währung herauskommen. Das von der Leserin angesprochene Szenario erscheint mir daher sehr unwahrscheinlich.
Wer mehr über die österreichische Schule lernen möchte, kann dies etwa im Online-Angebot des Mises-Institutes (englisch) tun (www.mises.org) oder z.B. in den Schriften von Mises, Hayeks bzw. Rothbards.
Beste Grüße
Alexander Hahn