Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom
Liebe Leser,
zu meinem gestrigen Artikel erhielt ich u. a. die folgende Zuschrift:
Hallo Herr Hahn,
Auch auf die Gefahr, als Besserwisser bezeichnet zu werden: mit Ihrer Darstellung der Abwrackprämie greifen Sie zu kurz.
Sicherlich werden nicht alle die deutschen "Hochpreisfahrzeuge" kaufen. Trotzdem gibt es Marken wie VW und Skoda, die nicht in diese Kategorie fallen.
Weiterhin geht es nicht nur um die Automobil-Hersteller; es geht auch um die Händler, sowie die Zulieferer und die restliche "Wertschöpfungskette". Wie hatte auch Obama kuerzlich festgestellt: es ist Unisnn, in unserer globalisierten Welt protektionistische Massnahmen zu ergreifen.
Und vielleicht - wenn die Ausländer Fahrzeuge produzieren und verkaufen konnten - werden auch weitere "hochpreisige" Fahrzeuge aus Deutschland gekauft ....
Viele Grüsse
Zunächst einmal möchte ich doch betonen, dass ich ganz sicher niemanden einfach als "Besserwisser" bezeichnen werde, nur weil er oder sie eine abweichende Ansicht von meiner hat.
Im Gegenteil, gerade solche Dinge sind es doch, welche Diskussionen und Austausch erst interessant machen und bekanntermaßen beanspruche ich für mich keineswegs, stets richtig zu liegen, denn das tut niemand.
Kommen wir nun aber zum Inhalt der Zuschrift, den ich nicht unkommentiert lassen möchte:
Was VW und Skoda angeht (kommt ja im weiten Sinne eigentlich beides aus der gleichen Familie) möchte ich nur bedingt zustimmen. Zwar sind diese Hersteller sicher kein "Premiumbereich" wie etwa BMW oder Mercedes, aber fallen in der Regel dennoch weit teurer ab als etwa ein Dacia (den es z.B. lt. Herstellerangaben bereits ab 5000 Euro zu kaufen gibt). In meinen Augen hinkt daher der Vergleich ein wenig, denn VW oder Skoda bilden keinesfalls die unterste Kategorie, sondern eher das gehobene Mittelfeld, was für viele Menschen auch noch zu teuer ist. Hinzu kommt, dass ich mich bei meinem Artikel stark auf eine Veröffentlichung in der Financial Times Deutschland und anderen Massenmedien bezog und meine Argumentation somit keinesfalls aus der Luft griff.
Letztlich ging es mir darum, die Abwrackprämie an den vollmundigen Ankündigungen zu messen, mit denen sie in Berlin auf den Weg gebracht wurde und hier sehe ich eine gewaltige Diskrepanz.
Recht gebe ich dem Leser natürlich allemal, wenn er darauf verweist, dass die Abwrackprämie natürlich die ganze Kette (inkl. Zulieferer etc.) ankurbeln soll, wobei hier sicherlich auch ein ganz genauer Blick darauf geworfen werden sollte, welche Zulieferer im Detail genau davon profitieren. Vorher würde ich dieses Argument mit Vorsicht behandeln.
Hinsichtlich des Ausspruchs von Herrn Obama möchte ich meine abweichende Meinung kundtun. Sicherlich halte ich von Protektionismus auch nicht sehr viel, doch habe ich gewaltige Verständnisschwierigkeiten damit, wenn mir jemand beibringen möchte, dass deutsche Steuergelder zur Subventionierung ausländischer Industrie in der Hoffnung einspringen sollen, irgendwie werde das Ausland ja dann schon wieder auch deutsche Produkte kaufen.
So sehr ich mir natürlich auch einen Wiederaufschwung der deutschen Industrie wünschen würde, so sehr habe ich doch meine Zweifel, dass es sich schon wieder "alles irgendwie richten" wird, wie es der Leser im letzten Satz seiner Zuschrift andeutet.
Die wirtschaftlichen Probleme in Deutschland sind von ihrer finanziellen Tragweite schon extrem genug und werden sicher bald noch schlimmer, wenn das volle Ausmaß der Krise an den Tag tritt. Ich denke, wenn schon Steuergelder massiv verschleudert werden, dann doch bitte dort, wo sie dem, der sie abführt, auch noch am ehesten zugute kommen könnten. Dass dies durch Subventionierung des Auslands am besten erfolgen soll, vermag mir nicht wirklich sinnvoll bzw. als bester Weg zu erscheinen.
Beste Grüße
Alexander Hahn