Leserbrief
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 27. Dezember 2010, 08:30 Uhr
ENL5454
Heute möchte ich an dieser Stelle einen Leserbrief beantworten, der sicher auch interessant für Sie ist. Herr P. schreibt mir:
Sehr geehrter Herr Voigt,
eine große Bitte von meiner Seite. Vielleicht ist es möglich in einem Beitrag einmal die grundsätzliche Ermittlung eines Kurses z.B. einer Aktie im DAX zu erläutern.
Es handelt sich bei dieser Frage schon mehr um die Hintergründe als nur um eine Abhängigkeit von Angebot und Nachfrage, z.B. wie wirken sich die Umsätze auf einen Kurs aus. Sinken die Kurse bereits bei kleinen Umsätzen im Verhältnis von vorherigen hohen Stückzahl Umschlägen. Oder können geringe Umsätze bei hohen Kauforders bei vergleichsweise niedrigen Verkäufen einen hohen Kursanstieg auslösen.
Vielen Dank für Ihre immer sehr lesenswerten Kommentare.
Ich will das Thema einmal gern für alle Leser erläutern. Über 95 Prozent des deutschen Aktienhandels werden heute über das elektronische Handelssystem XETRA abgewickelt. Durch hohes Angebot und Nachfrage (Liquidität) soll eine schnelle und marktgerechte Orderausführung gewährleistet werden. Dieses Prinzip wird zusätzlich durch Liquiditätsversorger (sogenannte Designated Sponsors) unterstützt. Diese haben zu ausgewählten auf Xetra gehandelten Wertpapieren laufend verbindliche An- und Verkaufspreise (Quotes) in den Markt einzustellen.
Da der gesamte Handel elektronisch vollzogen wird, kann es in Xetra aber häufiger zu Teilausführungen der Aufträge kommen als an Präsenzbörsen. Bei geringen Börsenumsätzen verhält es sich an allen Börsen gleich: Eine plötzliche größere Order hat in dieser Situation deutlich mehr Kraft, Kurse zu bewegen, als in einer Situation mit normalen oder hohen Umsätzen. Der Grund: Es kommt viel schneller zu einem Angebots- bzw. Nachfrage-Überhang, der unmittelbare Preiswirkung hat. Nicht die geringen Umsätze verändern die Kurse, sondern eine atypisch große Order, die nicht zum ursprünglichen Preis bedient werden kann. Zu einem ganz anderen (viel höheren bzw. niedrigeren) Preis dann schon und da haben wir auch schon den Preiseffekt. Verkäufer sind erst dann bereit, weitere Stücke zum höheren Preis zu verkaufen (neues Angebot) bzw. Käufer sind erst dann bereit, zum tieferen Kurs weitere Stücke zu kaufen (neue Nachfrage).
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