Leser haken nach: Jede Menge Fragen zu Insidertransaktionen
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 29. Juni 2011, 14:30 Uhr
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auf meinen gestrigen Newsletter zu den aktuellen Insidertransaktionen erhielt ich einen Leserkommentar mit jeder Menge Fragen zum Thema Insiderkäufe und -verkäufe bzw. zu der generellen Bewertung dieser Transaktionen. Da ich annehme, dass die Antworten auf diese Fragen für alle meine Leser interessant sein könnten, habe ich mich zu einer Veröffentlichung entschieden.
Hier zunächst die Fragen meines Lesers:
Gibt es eine zentrale Quelle für die obige Auflistung der Käufe und Verkäufe oder stammen die Daten aus (vielen) unterschiedlichen Quellen und wurden von Ihnen konsolidiert? Ist bzw. sind diese Quelle(n) öffentlich und für jedermann über das Web kostenfrei zugänglich, oder muss man spezielle Privilegien haben und / oder Beiträge bzw. Gebühren o.ä. zahlen?
Es gibt natürlich im Internet verschiedenste frei zugänglche Quellen, um sich über die Insidertransaktionen zu informieren. Die zuverlässigste ist meines Erachtens aber die Homepage der BaFin selbst. An die Bundesaufsicht für Finanzen müssen seit 2002 alle börsennotierten Unternehmen Käufe und Verkäufe ihrer Vorstände, Aufsichtsräte und mit dem Konzern in unmittelbarer Verbindung stehende Personen (Manager, Ehepartner von Vorständen etc.) innerhalb von fünf Tagen melden. Die BaFin hat auf ihrer Homepage ein entsprechendes Tool eingerichtet, wo man all diese gemeldeten Transaktionen sehen kann.
Wenn Sie schreiben, dass diese Insider meistens Recht hatten, beziehen Sie sich ja auf die anschließende Kursentwicklung. Gibt es jemanden, der sich die Mühe macht, das en Detail zu verfolgen und in nachvollziehbarer Darstellung zu dokumentieren? Ich gehe nicht davon aus, dass diese Daten nicht an der gleichen Stelle dokumentiert werden, wie die Liste(n) der Käufe und Verkäufe. Kann man diese Daten ebenfalls einsehen (und ggf. herunterladen, um sie ggf. in Excel aufzubereiten (Filter, Sortierung, Grafik...), falls die "Vorarbeit" dies nicht bereits enthält?
Es gibt natürlich verschiedene Finanzinstitute, welche die Erfolge der Insider bei ihren Transaktionen statistisch erheben. Doch damit wird meist nur die allgemeine These belegt, dass Konzerninsider mit ihren Investments in eigenen Aktien den Markt in den meisten Fällen schlagen. Aktuelle, fortlaufende Studien habe ich bislang kaum gefunden. Im nachfolgenden Bericht habe ich Ihnen als Beispiel Auszüge aus einer Studie von Sharewise.com aus dem Jahre 2008 angefügt. Solche Studien gibt es immer mal wieder. Doch diese sollen lediglich die Theorie bestätigen.
Ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die erhoffte bzw. erwartete Kursentwicklung tatsächlich einstellt, bei den Top-Positionen mit den meisten Käufen bzw. Verkäufen, auf die Sie sich hier beschränkt haben, nachweislich höher als bei den Positionen mit geringeren Umsätzen?
Meiner Meinung ist es hinsichtlich einer Nachahmerstrategie von Insidertransaktionen absolut wichtig, die Informationen über Insidertransaktionen mit der fundamentalen Bewertung zu kombinieren. Bloses Nachahmen wird nicht in jedem Fall einen Erfolg bringen. Denn auch Insider können sich irren. Und meines Erachtens hat das Volumen der Transaktionen nur zum Teil etwas mit dem Erfolg zu tun. Natürlich erregt eine vom Volumen größere Insidertransaktion auch mehr Aufmerksamkeit am Markt als eine kleine, und wenn die ganze Vorstandsriege kauft, ist das allemal auffälliger als wenn nur einer zuschlägt.
Über welche Zeiträume reden wir? Handelt es sich um Tage, Wochen oder einige Monate, ehe sich die Kurse nennenswert bewegen?
Haben Sie jemals erlebt, dass an der Börse genaue Zeiträume für eine Periode, für Kursentwicklungen etc. vorab bestimmt werden konnten? Ich nicht. Mit Insidertransaktionen ist das auch nicht anders. Mit einem Kauf signalisieren die Konzerninsider, dass sie die Bewertung ihres Unternehmens an der Börse aktuell als zu niedrig ansehen. Sie trauen der Aktie für die kommenden Monate eine Behebung dieser Unterbewertung zu und wollen daran partizipieren. Keiner kennt die Bilanzen und die Auftragslage besser als die Chefs selbst, und deshalb können sie auch am besten einschätzen, wann der Aktienmarkt ein Unternehmen falsch bewertet. Im Prinzip handelt es sich hier um die Strategie des Value-Investments, eine Strategie, der auch Investmentlegende Warren Buffett folgte. Der erfolgreiche Investor fasst die Charakteristiken eines lohnenden Investitionszieles immer wie folgt zusammen: "Wir investieren nur in ein Unternehmen, wenn wir die Geschäfte verstehen, die langfristigen Aussichten des Unternehmens gut sind (bewiesene Ertragskraft, gute Erträge auf das investierte Kapital, keine oder nur geringe Verschuldung, attraktives Geschäft), das Unternehmen von kompetenten und ehrlichen Managern geleitet wird und sehr attraktiv bewertet ist."
Ich hoffe, dass ich Ihnen Ihre Fragen in etwa beantworten konnte.
Herzliche Grüße
Cindy Bach