Leser-Eindrücke von der Invest
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 27. April 2010, 20:00 Uhr
ENL5454
Ich war nur am Sonntag auf der Messe. Mir ist zwar auch aufgefallen, dass man(n) gleich am Eingang von den Messe-Damen umringt und mit Prospekten und Tüten "belastetet" wurde, aber für die exponierten Schönheiten hatte ich kein Auge. Ich hab mich auf die Anbieter und Ihre Lösungen konzentriert. Ich brauche hier nicht alle aufzählen - von Expertenplattformen mit CFDs und Zertifikaten bis zu "altem Wein in neuen Schläuchen", wie Lebensversicherungen, Riesterverträge, Immobilien und Edelmetall-Offerten war alles vertreten. Selbst die Telekom hatte einen Stand mit / für Goldmünzen und Barren. Bei Nachfragen, was die Telekom denn nun baue, erwirtschafte, verkaufe, war dann aber Funkstille. Nun gut, die Aktie hat nur noch 1/10 ihres Höchstwertes und der smarte Verkäufer (Typ Avon-Berater) meinte das wäre vor seiner Zeit gewesen. Also, er hatte keine Ahnung, dass der Laden mal staatlich betrieben wurde und zuständig war für Planungen und Umsetzung von Telekommunikationsanlagen in (West-) Deutschland. Die technische Umsetzung und Produkte haben Firmen geliefert, die das Phänomen Wertschöpfungskette beherrschten. Dass die Telekom gerade Gold verkauft? Kupfer hätte ich eher verstanden. Davon haben sie ja in den 80igern tonnenweise im westdeutschen Boden vergraben. Auch Versicherer mit "nachhaltigen und ökologischen" Produkten werben um Kunden. Bei ihnen gibt es bis zu 4% Zinsen. Auf was es die gibt und wie es mit der Inflationsrate und dem Bedarf des Kunden aussieht, wussten die Aussteller auch nicht so recht. Zum Glück tauchen die Versicherungsvertreter ja immer paarweise auf. So konnte sein Kollege bei der Beantwortung etwas helfen. Nach Klärung (meinerseits) von Zahlbeitrag zu Sparbeitrag, Kosten, Überschussbeteiligung, unnötigen Zusatzprodukten wie BU, BUZ, Todesfallversicherung, (aber eben Rendite gibt es nicht) und Ermittlung des Höchstrechnungszinsatzes nach VAG stellte sich nur noch die Frage der Bewältigung der Inflation. Die Antwort war von der Versicherungsgesellschaft trainiert / eingeimpft worden. Durch die Dynamik wird die Inflation ausgeglichen. Dumm nur, dass dies der Beitragszahler (nennen wir ihn auch Kunden) mit seinem gesamten Beitrag selber zahlt und dies keineswegs von dem VU ausgeglichen wird. Auf die Frage, was ich denn verkaufe, hatte ich nur gewartet. Genau das war auf der ganzen Invest das Hauptthema der Versicherungen, Banken und Anlageberater: Was können wir dem Kunden verkaufen! Das "Wording" verrät den Gedankenweg. Verkaufen wollen die Brüder. Keine Spur von Beratung, Verantwortung und Aufklärung, geschweige denn Ruhestandsplanung. Schade, die Mädels hatten sich echt hübsch raus geputzt. Ich hätte gerne noch eine zum Essen mit genommen, aber alle hatten beim Verlassen der Messe kein Interesse mehr an den Besuchern.
Leser A. schreibt:
Ich war noch beim Stand der Bundesbank, wie schon letztes Jahr. Natürlich wäre dieser Stand der wichtigste der Messe, von der volkswirtschaftlichen Bedeutung her, was aber noch lange nicht heißt, dass dies von den Besuchern auch so gesehen wird. Der Großteil der Messebesucher schaute Livetradern zu oder lauschte Neuigkeiten zu CFD -Produkten o.ä. Ich stand also da und musste Folgendes beobachten: 3 Vertreter der Buba (Fil.Stuttgart) standen mit einem Bündel Geldscheine da und fragten die spärliche Anzahl an Interessierten, welche Scheine nun echt und welche gefälscht seien. (Augen-verdrehen) Das ganze hatte den Charme einer Hütchenspielerveranstaltung..... Ich bin wirklich eher ein zurückhaltender Zeitgenosse, aber es platzte aus mir raus: ob das hier alles voller Ernst sein kann, wir erleben gerade den Niedergang des Finanzsystems und machen hier Geldscheinspielchen..... Eine interessierte Frau sagte zaghaft: "Ja, aber sie könnten doch auch Falschgeld in Ihrem Geldbeutel haben..." , ich antwortete: "Sie haben leider noch nicht verstanden, wir haben wohl alle nur noch Falschgeld im Geldbeutel...." (verrückt). Beim Gespräch mit einem Buba-Beamten kam ich dann schon wieder runter, musste aber halb verwundert, halb ernüchtert, feststellen, dass er mir im Grunde nur Recht geben konnte. Dass das Finanzsystem schwer angeschlagen ist und die großen Banken bei allem einen besonderen Schutzschild genießen. Er bleibt dennoch einfach Optimist und glaubt dass die griechischen Sparmaßnahmen greifen werden. Oh Mann, oh Mann.....(weinen). In meinen Augen wäre das einzig Richtige :
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das Risiko bei den einzelnen Marktteilnehmern zu belassen (der Staat ist für eine Risikoeinschätzung , geschweige denn -übernahme dauerhaft gar nicht vorgesehen)
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Länder wie Griechenland bankrott gehen zu lassen, aus dem EUR auszuschließen und ihnen eine Chance auf Neuanfang zu geben. Auch darauf, wieder in den EUR aufgenommen zu werden.
Wir machen so einfach weiter damit, die Verantwortung für falsche Finanz-Entscheidungen zu übernehmen und für den Bilanz-Betrug in der Vergangenheit zu belohnen (Griechenland) bzw. die Dummheit der Banken zu unterstützen. Verrückt! Wenn kein Staat und keine Bank mehr pleite gehen kann, dann ist das System aber doch eh schon tot....oder ?
Herr K., Herr A. Vielen Dank dafür, dass Sie sich die Mühe gemacht haben, ihre Messe-Eindrücke mit uns zu teilen!
Herr K., natürlich können Messe-Hostessen (egal ob männliche oder weibliche - nicht jeder Aussteller schickt natürlich immer seine besten Experten an den Messestand, sondern gerne eben auch trainierte Verkäufer; und an dieser Stelle muss ich das jetzt mal sagen: am Stand des Investor-Verlags finden Sie stattdessen, fast immer mindestens ein paar von uns Schreibern, Analysten und Gutachtern, die wir gerne zu allem Frage und Antwort stehen...) leider nicht immer explizit auf jede Frage und schon gar nicht auf fachspezifische Fragen antworten. Dafür sind sie aber auch nicht da, sondern dafür, die potenziellen Kunden auf die Produkte aufmerksam zu machen.
Was mir allerdings aufgefallen ist (und da spreche ich nun wieder auf meinen Bekleidungs-Indikator an): in diesem Jahr fiel der heiße Action-Aspekt wesentlich dürftiger aus. Oder anders gesagt: in früheren Jahren, so mein Eindruck, wurde man schon deutlich stärker bedrängt (egal ob von knapp bekleideten Damen oder schnellen Verkäufern). Was für mich ein Indiz dafür darstellt, dass wir uns zumindest nicht schon wieder kurz vor dem Platzen der nächsten Blase befinden (was nicht heißt, dass dies nicht in ein paar Jahren wieder so weit sein kann - zum Vergleich: in 2008 gab es Hot Pants wohin das Auge auch blickte und sogar ich verließ die Messe mit 2 Tüten voller Werbegeschenke; in diesem Jahr dagegen: konservative Kleidung und 1 Kugelschreiber von der Sparkasse).
Ansonsten gebe ich Ihnen aber natürlich Recht: man wünscht sich allgemein mehr Beratung und Aufklärung, an jedem Stand. Was allerdings wieder ein neuer Trend ist, wo doch in früheren Jahren, bisweilen schon allein der Name Markus Frick ausreichend war, um die Massen in Bewegung zu setzen.
Herr A., auch ich habe den Bundesbank-Stand als sehr lustig in Erinnerung. Vielleicht erinnern Sie sich an ein Werbeplakat am Stand, welches ein Sparschwein zeigte. Eine beiläufige Bemerkung von mir, dahingehend, dass eigentlich über dem Sparschwein ein Hammer mit der Aufschrift Griechenland schweben müsse, trug selbst bei einem der Stand-Bediensteten zur allgemeinen Erheiterung bei. Nun ja, was soll ich sagen?! Grämen Sie sich nicht, denn so lange genug Menschen an das Finanzsystem glauben, wird es auch nicht untergehen. Es ist am Ende immer alles nur eine Frage von Glauben oder Vertrauen. Obwohl natürlich das Vertrauen in die Eurozone gerade ganz schön strapaziert wird...man wird sehen, was am Ende kommt. Jedenfalls kann man, meiner Meinung nach, mit Sicherheit nichts falsch machen, wenn man sich auf alte und reale (Vermögens)Werte besinnt.
So long liebe Leser....zum guten Schluss, habe ich, der Korrektheit zuliebe, noch einen Nachtrag zum gestrigen Beitrag vorzubringen: Sie erinnern sich, an meinen in aller Eile verfassten Abschlusssatz "Abschließend bleibt mir nur noch zu hoffen, dass wir in ein paar Jahren nicht auch Angie am Stand antreffen, die in Hot Pants Werbung für Bundesschatzanleihen macht...;-)"!...ja, so etwas passiert, wenn man unter Zeitdruck die Wörter Bundesschatzbrief und Bundesanleihe gedanklich zusammenwürfelt...Bundesschatzanleihen gibt's natürlich in Österreich....bis morgen
Ihre Miriam Kraus
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