Leser berichten
Cindy Bach in Insider Daily
vom 10. Dezember 2008, 10:00 Uhr
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Heute habe ich zum Abschluss meiner Leserbrief-Serie einen "poetischen Leckerbissen" für Sie. Mein Leser Claus Irmscher bat mich, doch auch mal diese etwas unkonventionelle Form der Meinungsäußerung zum Thema Finanzkrise zu veröffentlichen, was ich hiermit gerne tue.
Ich bedanke mich auf diesem Wege nochmals ganz herzlich bei allen, die mir ihre Meinungen haben zukommen lassen. Aufgrund der Vielzahl der Zuschriften musste ich eine Auswahl treffen, also bitte ich all jene, die ich nicht veröffentlichen konnte, dies zu entschuldigen. Gelesen wurden alle Artikel und ich freue mich, dass meine Leser so zu einem derart aktiven Diskurs bereits sind.
Das Lied von der Steuer
Claus Irmscher
Als Deutschland noch bewaldet war
wie Opas Kopf mit zwanzig Jahr´,
da hießen unsre Ahnen
Cherusker und Germanen.
Sie jagten tapfer mit dem Speer
die Hirsche, Wölfe und den Bär
samt andern Ungeheuern
und kannten keine Steuern.
Die Zeit verging, der Wald verschwand,
der Feudalismus drauf entstand
mit Königen und Rittern,
der´n Uniform´ nicht knittern.
Das Bauernvolk trug Sack um Sack
zur Herrschaft, diesem Lumpenpack,
und spendete den Zehnten,
bis seine Augen tränten.
Danach kam die Maschinenzeit
mit Dampf und Eisen weit und breit
und Fracks an dicken Wänsten,
auf denen Glatzen glänzten.
Proleten war´ n die Menschen jetzt;
sie wurden gnadenlos gehetzt,
alltäglich vierzehn Stunden
wie von den schlimmsten Hunden.
Da machten sich die Massen stark,
trotz trocken Brot und Magerquark,
verpassten Bismarck einen Schlag,
erstritten den Achtstundentag.
Als Preis der Freiheit aus der Fron
bezahlte man geringen Lohn
und kürzte ihn flugs - durch die Steuer,
so war das Leben schwer und teuer.
Bald gab es vielerlei Gerät,
es stieg die Produktivität,
weil der Erfindergeist erwachte,
was manche Mark zum Klingen brachte.
Doch glaubte jemand, es ward besser?
Der Staat schnitt mit dem Steuermesser
von schaffenden Betriebsbetreibern
sein Pfund sich aus den Menschenleibern.
Die Preise fingen an zu fliegen,
worauf im Kampf die Löhne stiegen;
die beiden rauften sich wie Wölfe
von früh um sechs bis nachts um zwölfe.
Mit ihnen jagten die direkten
Abgaben hoch wie die versteckten;
die lauern still im Alkohol
und freun den Fiskus. Na, zum Wohl!
Lasst uns in Ruhe mal vergleichen:
Wer darf den halben Lohn einstreichen
und ernten ohne jede Saat?
´s ist unser teurer Vater Staat!
Selbst aus den Taschen unterm Gürtel
holt er sich gierig noch ein Viertel!
Wer je an dieser Schwindsucht litt,
weiß, ihn befiel ein Parasit!
Wie wär `s, wenn wir mal kontrollieren:
Den Staat samt sämtlichen Allüren?
Was kosten denn die Volksvertreter
dem Volk als ewig schwarzem Peter?
Wieso wird `s jedem Zahler schlecht,
vertieft er sich ins Steuerrecht?
Was hegt und pflegt der Staaten-Vater
sein Steuer - Ziehkind, den Berater?
Wieso entrichten die Konzerne
nur Mini-Steuern in der Ferne?
Was fördert noch der Staat den Schmu,
drückt selbst die Hühneraugen zu?
Steigt er vom Piedestal herunter,
zum Mittelstand, da wird er munter!
Da kann er aus dem vollen schöpfen
und bös die Unternehmer schröpfen.
Der Geist, der Deutschland groß gemacht,
er wird behindert und bewacht.
Sobald Erfindergeist sich regt,
wird er durch Steuern abgesägt!
Das Licht versinkt im Aktenstaub
wie zartes Grün im welken Laub.
Gehn diesem Dienstweg wir noch lang,
ist mir um unsre Kinder bang.
Denn hätt Bill Gates von Microsoft
in Deutschland auf Erfolg gehofft,
er wäre niemals Millionär,
die Monitore blieben leer.
Er hätte vor der Bank gelungert
und wär an deren Geiz verhungert.
Und was er von privat bekommen,
hätt ihm der Fiskus abgenommen.
Was soll der Zopf feudaler Rechte?
Als ob er je was Bessres brächte!
Merkt niemand, was das Volk erniedrigt,
wenn sich der Staat an ihm befriedigt?
Steuern muss man zur Hälfte senken!
Und jedem Menschen Arbeit schenken!
Wenn wir auf d i e Verfassung schwören,
dann wird die Zukunft auf uns hören!