Lesenswert: Preisträger Deutscher Wirtschaftsbuchpreis 2009
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 10. November 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
*** Der Deutsche Wirtschaftsbuchpreis 2009 ist vergeben worden. Und der Gewinner ist:
Nikolaus Piper.
Sein Gewinnerbuch heißt:
"Die Große Rezession: Amerika und die Zukunft der Weltwirtschaft", erschienen im Hanser Verlag.
Ihr Trader´s Daily-Autor hat sich dieses Buch im Schnellverfahren „reingezogen", das heißt am Wochenende verschlungen. Hier meine Rezension:
Ein würdiger Preisträger. Das Buch gefällt mir sehr gut!
Nikolaus Piper könnte einer von uns = Mitglied der Trader´s Daily-Gemeinde sein. Was er mitteilt, hat nicht nur Hand und Fuß - er schafft es auch, komplizierte Sachverhalte verständlich rüberzubringen. Spezielle verbriefte Hypotheken-Zertifikate erklärt er....mit einem Umweg. Via Anekdote aus einem amerikanischen Vorort über eine betroffene Hypothekennehmerin, am Ende der Kette.
Vielleicht liegt es daran, dass Herr Piper auch Kinderbücher schreibt. Jedenfalls kenne ich wenige Wirtschaftsjournalisten, die so verständlich und pointiert und mit Blick auf den „kleinen Mann" schreiben.
Was er schreibt, ist für langjährige Mitglieder der Trader´s Daily-Gemeinde nichts Neues. Die Grundlagen der derzeitigen Krise kennen wir, angefangen bei den Hypothekenfinanzierungen zu teilweise über 100%, dem Weiterreichen der Hypotheken, dem völligen Versagen der Rating-Agenturen und und und.
Hier wird es aber noch mal schön auf den Punkt gebracht. Fazit: Dieses Buch ist weniger für Profis gedacht - sondern vielmehr für „Normalsterbliche", welche die Finanzkrise und mögliche Auswege aus ihr verständlich und auf den Punkt gebracht erklärt bekommen möchten.
Glückwunsch, Nikolaus Piper!
*** Und was ist das?
JP Morgan 75 Mio. Dollar und verzichtet auf 647 Mio. Dollar, um eine Untersuchung der US-Börsenaufsicht zu beenden.
Um was es ging: JP Morgan hatte einen Deal mit einem Landkreis in Alabama, Schuldenrefinanzierung etc. Dieser Deal gefiel dem Landkreis wohl doch nicht mehr „so gut", es sollte alles rückgängig gemacht werden. JP Morgan forderte für den Fall des Rückgängigmachens 647 Mio. Dollar Gebühren.
So ganz koscher scheint es aber nicht zugegangen zu sein. Die US-Börsenaufsicht schaltete sich ein. Es kam unter anderem heraus, dass ein zuständiger Mensch beim Landkreis für 235.000 Dollar Rolex-Uhren und Designer-Klamotten sowie Bargeld erhalten hatte. Kleines Dankeschön für das Vermitteln dieses „Deals"?
Jedenfalls schwenkte JP Morgen schnell um, nachdem sich die Börsenaufsicht eingeschaltet hatte. Nein, die 647 Mio. Dollar Gebühren fordere man nicht mehr ein. Ja, man zahle sogar selber, 50 Mio. Dollar an den Landkreis. Und ja, auch 25 Mio. Dollar Strafe an den Staat. Dafür werden die Ermittlungen eingestellt.
Was da wohl abgegangen ist - vielleicht ist es besser, gar keine Details zu wissen, gibt nach der Lektüre von Pipers Buch schon genug, um sich aufzuregen. Meine Skepsis gegenüber Investmentbankern ist jedenfalls nicht geringer geworden.
Bleiben Sie wachsam.
Ihr
Michael Vaupel