Lenovo will Medion: Endlich beißt ein großer Fisch
Sarah Poole in Insider Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 6. Juni 2011, 14:30 Uhr
ENL5454
über den Einstieg eines chinesischen Konzerns in ein bekanntes deutsches Unternehmen ist angesichts der dort prall gefüllten Kassen immer wieder spekuliert worden. Gespräche bezüglich Opel und Dresdener Bank gab es beispielsweise schon, diese sind aber aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen immer wieder gescheitert. So blieb den Chinesen bislang nichts anderes übrig, als sich bei weniger bekannten Unternehmen wie SaarGummi oder Schiess und Waldrich Coburg einzukaufen.
Nun steht mit Medion das erste bekannte deutsche Unternehmen vor einer chinesischen Übernahme: Lenovo bietet 629 Millionen Euro. Der chinesische Computerhersteller bietet den Medion-Aktionären 13 Euro je Aktie in bar, wie die Konzernführung mitteilte. Das sind etwa 18 Prozent mehr, als die Aktie am Dienstagabend (31.05.) wert war. Lenovo will das Essener Unternehmen am liebsten komplett übernehmen, 51 Prozent des Grundkapitals sollen es aber mindestens sein.
Lenovo will Marktanteil ausbauen
Die Übernahme sei "ein weiterer mutiger Schritt" zur Umsetzung der langfristigen Strategie, erklärte Lenovo-Chef Yang Yuanqinq. Den eigenen Marktanteil verdoppele man in Deutschland damit auf 14 Prozent und am europäischen PC-Markt beliefe sich der Anteil dann auf 7,5 Prozent. Durch die Akquisition werde Lenovo sein Kerngeschäft - den Verkauf von PC's - erweitern und ihre Marktposition in Westeuropa ausbauen. Medion vertreibt neben PC, Notebooks und Druckern auch Fernseher, Flach- und Plasmabildschirme, DVD-Player, Telefone, Faxgeräte und Anrufbeantworter.
Lenovo ist der weltweit viertgrößte PC-Hersteller und hat inzwischen Erfahrung mit Auslandsübernahmen. Der Computerhersteller hat in 2005 bereits die PC-Sparte des amerikanischen Konzerns IBM für 1,75 Milliarden Dollar erworben.
Gründer verkauft seinen Anteil
Die Zustimmung des Unternehmensgründers und Vorstandschefs Gerd Brachmann hat Lenovo bereits hinter sich gebracht. Einen Vertrag über den Verkauf von 36,7 Prozent der Aktien für 231 Millionen Euro hat er bereits unterschrieben. Für die restlichen von ihm gehaltenen Medion-Aktien sei eine langfristige Call-und-Put-Option vereinbart worden. Mit dem in etwa 14 Tagen erwarteten offiziellen Verkaufsangebot wird Brachmann seinen rund 55-Prozent-Anteil an Medion auf 20 Prozent reduzieren. "Damit will er auch zeigen: Ich bleibe im Unternehmen, ich laufe nicht weg", sagte Finanzvorstand Christian Eigen. Der Rest der Anteile ist in Streubesitz.
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die neue Börsenwoche.
Ihre
Sarah Poole