Lehrjahre sind keine Herrenjahre
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 30. Juli 2008, 07:00 Uhr
ENL5454
Und das ist ein Brief, der mir von einer sehr geschätzten Leserin geschickt wurde, die ich am vergangenen Dienstag kennen lernte.
"Vor ungefähr fünf Jahren habe ich meine Schwester besucht, die nach Neuseeland gezogen ist. Ein Nachbar kam vorbei, und er erzählte mir Geschichten von den Solomoninseln und einer Goldmine, die er dort habe. Joe, ein hart arbeitender, langsam sprechender Träumer sagte: Honiara, ist ein schrecklicher Ort an den Sie wohl nie reisen wollen werden. Nun, ich bin eine allein stehende amerikanische Frau und ich habe sofort gedacht, dass das genau der Ort ist, an den ich reisen will.'
Bis heute weiß ich nicht, was da in mich gefahren ist. Ich habe etwas nachgeforscht und dann eine Mail an Doug Casey geschickt, nachdem ich einen Artikel gelesen hatte, den er über Vanuatu geschrieben hatte. Ich fragte ihn zu den Solomoninseln und er sagte mir, sie seien absolut korrupt." Nach fünf Jahren auf den Solomons bin ich mir ziemlich sicher, dass er auch stärkere Ausdrücke hätte finden können.
"Ich kam Ende 2003, nur fünf Monate nachdem die Australier dort wieder für Gesetz und Ordnung gesorgt hatten, auf den Solomons an. Nun, ich sollte das auf Gesetz beschränken, denn eine Ordnung gibt es dort immer noch nicht. Ich hatte zwei Koffer und große Hoffnungen, die fast sofort zerschlagen wurden. Der Nachbar Joe, so stellte sich heraus, hatte keine Goldmine und die Insel war alles andere als gastfreundlich. Ich verbrachte acht Wochen in dem schlimmsten Hotel, in dem ich je untergebracht war.
Entschlossen zu bleiben, kaufte ich ein Stück Land, dass über das Meer blickt. Auf dem Stück Land stand ein altes, verwahrlostes Kolonialgebäude. Ich suchte nach irgendeiner Möglichkeit, Geld zu verdienen und dachte, dass es hier viel Gold geben würde. Als ich mich in den Prozess einarbeitete fing ich an, viele der Phrasen zu verstehen, die ich während meines gesamten Lebens immer wieder gehört habe, aber ich kam nie zu dem, was man als Bestehen des Säuretests' bezeichnet.
Ach, habe ich gedacht, als ich das erste Mal Säure über etwas goss, was Gold sein sollte, sich aber als Messing herausstellte. Es wurde grün und kochte auf wie ein Hexenkessel. Es gab ungefähr 10 mögliche Goldverkäufer im Raum und wir haben uns alle in Richtung Türen aufgemacht um dem scheußlichen Gestank zu entkommen. Ich sah hinüber zu seinem kleinen Dorfbewohner, der dieses Gold' verkaufen wollte.
Ich sagte: Das ist kein Gold' und er sagte: die Säure lügt'. Ich hatte Räumlichkeiten eingerichtet um Gold zu kaufen und hatte das Badezimmer für meine Angestellten und die Goldverkäufer eingerichtet. Als der Mann mit den wilden Haaren aus der Goldregion auf dem Boden ein solches Durcheinander machte, war ich wütend. Dann stellte ich fest, dass viele von ihnen noch nie eine Toilette gesehen hatten und noch weniger daran gewohnt waren, eine zu benutzen. Haben Sie schon einmal eine Grafik erstellen müssen, darüber, wie man eine Toilette benutzt? Nun, ich habe es getan. Auch das hat ziemlich gut funktioniert."
Nachdem ich einige Kilo abgelagerten Goldes gesammelt hatte, versuchte ich, es zu schmelzen. Ich erhielt einen alten Ofen von einem australischen Bauernfänger und habe ihn an Gas angeschlossen. Niemand hat mir gesagt, dass ich einen bestimmten Regler brauche, um das Gerät heiß genug zu bekommen. Ich habe dummerweise das gesamte Flux (Borax und Soda-Asche) zusammen mit dem Gold hinein gegeben, ehe ich feststellen musste, dass es nicht schmolz.
Ich schaffte es, die Hitze auf 650 Grad zu bekommen und produzierte damit etwas, das genauso wie ein Meteorit aussah. Ich habe das Ding dafür verantwortlich gemacht und brachte den Klumpen zu einer kleinen Raffinerie außerhalb Brisbanes. Es war eine sehr peinliche Erfahrung. Sie haben mich mit so viel Verachtung angesehen und waren ziemlich gerne bereit, meinen Meteor zu schmelzen und mir einen Bericht zu geben, der deutlich unter dem lag, was es hätte sein sollen. Sie hatten mit ihrer Einschätzung recht, dass mir der Unterschied nicht auffallen würde, ich war so dumm wie ein Zaunpfosten."
"Es hat mich nicht zu viel gekostet, eine andere Raffinerie auszuprobieren um einen Referenzpunkt zu haben. Was für ein Schock, die Jungs von der ersten Raffinerie hatten mich abgezogen. Als nächstes war da ein finanziell kluger Chinese, dem es überhaupt nicht gefiel, dass eine blonde Amerikanerin Gold kauft, das er bislang gekauft und aus dem Land geschmuggelt hatte. Sie haben die Immigrationsbehörde bestochen, damit sich mich bei meiner nächsten Reise zurück zu den Solomons aufhalten würde, nachdem ich das Gold weggebracht habe.
Das ist immer noch die einzige Möglichkeit, das Gold selbst zu transportieren. Ich kann Ihnen sagen, dass es am Flughafen eine ziemliche Szene gegeben hat. Ich wollte eine schwere Gussform aus meiner Tasche holen, um damit dem Angestellten eins über zu braten. Ich hatte sie gekauft, um das Gold hineinzugießen, das ich in meiner Handtasche hatte. Ich wollte sie nicht zu meinem Gepäck packen, weil sie die Taschen zu schwer gemacht hätte.
Er hat mir grob gedroht, dass ich entweder in den Knast oder zurück ins Flugzeug gehen sollte und ich drohte ihm mit dem Tod. Am Ende habe ich ein bisschen mehr als der Chinese bezahlt. Wir sind heute gute Freunde, er und der Mann von der Einwanderung, er stellt immer sicher, dass ich anständig behandelt werde, wenn ich in das Land ein- oder ausreise. Vielleicht weil er weiß, dass ich eine todbringende Waffe in meiner Tasche trage."
"Und dann war da auch noch die australische Bundespolizei, oder, um gerecht zu sein, nur der Typ, der zu dieser Zeit die Verantwortung hatte. ER war überzeugt, dass ich Drogengeld mit mir führte oder ein Pirat war, oder dass ich zumindest jemand war, der gegenüber den Gesetzen in Amerika kein Lamm gewesen ist. Es hat mir viel Arbeit gemacht, das wieder gerade zu rücken. Ich will ihnen die Details ersparen, sie sind zu scheußlich.
Ich musste sogar das schöne alte Haus, mit der wunderbaren Aussicht, in das beste kleine Restaurant im Ort verwandeln. Die Australier liebten es, auch wenn ich strikt ablehnte, ein Spiegelei, rote Beete oder Ananas in einen Cheeseburger zu packen! Das Restaurant gab mir genug Glaubwürdigkeit, dass ich mit Gold weiter machen konnte. Ich habe auch all Steuern und Gebühren bezahlt, was mich auf den Solomons zur einzigen meiner Art machte."
"Nun, das war vor fünf langen Jahren: Mein Unternehmen ist heute gereift und ja, ich habe viel Geld verdient. Und dann habe ich angefangen ihren Newsletter zu lesen und mich ernsthaft für Wirtschaft zu interessieren. Ich habe auch ihre Bücher gekauft, das letzte hat mir am besten gefallen. Ich habe gelernt, wann man Gold verkauft und wann man es besser hält.
Gegenwärtig kaufe ich im Monat ungefähr 10 Kilo abgelagerten Goldes und schmelze es in ganz ansehnliche Goldbarren und verschiffe diese an die Prägeanstalt in Perth. Ich kann Körnchen Messing vom anderen Ende des Raumes aus erkennen und bin heute ein angesehenes Mitglied einer ziemlich zweifelhaften Gesellschaft. Nun, vielleicht sollte ich sagen, dass sie zumindest alle meinen Namen kennen, er lautet Pamela."
Seit vielen Jahren wollte ich eines Ihrer Symposien in Amerika besuchen. Ich habe im letzten Jahr dafür bezahlt, musste dann aber absagen. In diesem Jahr habe ich endlich einen großartigen Manager aus Neuseeland, und das hat mir etwas freie Zeit verschafft, doch auch wenn ich es bis hierher geschafft habe, wurde gerade, ehe ich in das Flugzeug stieg, eine Insel auf den Solomons verkauft, mit einem wunderschönen, kleinen Ressort, das nicht mehr in Betrieb ist.
Also war ich bei diesem Symposium, hatte aber nicht so viel Geld, wie ich dachte, um es zu investieren, stattdessen aber eine Insel. Ich fühlte mich ein bisschen so wie Hans im Glück, als er eine Kuh verkaufte und dafür die Zauberbohnen erhielt. Ich hoffe nur, dass am Ende daraus etwas gutes wird, genauso wie aus den Bohnen von Hans."
Das ist eine Geschichte über Dummheit und Mut.. Manchmal, wenn die Mischung stimmt, passieren ganz erstaunliche Dinge. Ich hatte einfach viel Glück, denn ich lebe an einem Ort, an dem auch alles ziemlich schief hätte laufen können."